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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-06-02 · 22 (2.6.1905) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
22 (2.6.1905)
Date
1905-06-02
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Mschrisl für die irfamtintmlffit des Judentums. Webst dem Weibl'crtt: Jüdisches Littercltuvbtcrtt. Erscheint an jedem Freitag Redaktion und Verlag: Bezugspreis vierteljährlich: das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal.! Merlin 0., Woß-Straße 3! Deutschland u. Österreich-Ungarn 3.—Alk. Alle Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. Telephon: Amt I, 5729. alle anderen Länder 3.50 Mk. Anzeigen für die Ispaltige Petitzeile 30 Pf. Alle Annoncen-Expeditionen nehmen Anzeigen entgegen. Unmmer 22. Kerlin, 2. Juni 1905. 14. Jahrgang. Alle, auch für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitten »oir an die Adresse Israelitische Wochenschrift Berlin 0., Rost-Ltrasze 3. Die heutige Rümmer enthält das Jüdische Litte, aturblattNr. 11. Inhalt. Artikel: Dies ist die Thora. Von Dr. Max Beermann- Jnsterburg. — Die Rabbinerwahl in Berlin. (Schluß.) — Repräsentanten-Versammlung. — Politik: Londou — Petersburg. — Wochenchronik. — Vakanzen. — Feuilleton: In der Fremde. Von Mathilde Goldsmith. — Inserate. Dies ist die Mora. Eine Festbetrachtung zu Schabuot. Von Kreisrabbiner Dr. Mar Beermann-Justerburg. Lichtumflossen ist das liebliche Fest in unsere blumengeschmückten Gotteshäuser eingezogen. Es ist auch ein Frühlingsfest. Aber nicht den vergänglichen Lenz feiert es, der eine kleine Weile uns mit Sonnenschein und Blütenpracht erfreut und dann nach kurzer Sommerszeit in Herbstesschauern und Winterstürmen erstirbt; sondern einen ewigen Frühling kündet es, einen Frühling, der einst vor Jahrtausenden in heiliger Offenbarungsstunde angebrochen ist und dessen Segnungen noch heute ungeschwächt und ungeschmälert für die gesamte Menschheit fortwirken, den Geisteslenz der Thora. Psalmisten, Propheten und Prediger weihen ihr Lied und ihr Wort der Verherrlichung des Tages, da der Ewige unter Donner und Blitz seinem erwählten Volk seinen heiligen Willen kundgegeben hat. Der liedersrohe Sängerkönig singt von diesem unvergleichlichen Vorgang: „Des Herrn Stimme erschallte in Macht, des Herrn Stimme erschallte in Pracht"; der redegewaltige Seher schildert das einzigartige Ereignis: „Es deckte den Himmel sein Strahlenglanz und seines Ruhmes ward voll die Erde"; der phantasiebegabte Prediger des Midrasch, der große Rabbi Abbahu zu Caesarea, malt in satten Farben den Eindruck, den alle Kreatur von der beglückenden Nähe des Allgütigen empfing: „Das Meer beschwichtigte den wilden Aufruhr. seiner Wogen, die Bäume sänftigten das laute Rauschen ihrer Blätter, die Vöglein in den Lüften hielten inne in ihren Liedern, heilige Stille breitete sich allerorten aus, ehrfürchtiges Schweigen erfüllte das All, alle Wesen lauschten andachtsvoll dem Gottesruf, der die Welt durchbrauste: „Ich bin der Ewige, dein Gott". Leihen auch wir heute unser schwaches Wort der Verherrlichung der Thora und versuchen wir es, ihr Wesen und ihren Kerngehalt zu zeigen und zu zeichnen im Anschluß an den bekannten Spruch: „Dies ist die Thora, die Gott durch Mose uns gegeben hat". * * Dies ist die Thora, rufen wir huldigend aus und bekennen damit, daß diese Gottesschrift einzig und unvergleichlich ist. Wo gibt es auch auf dem weiten Erdenrund ein Buch, das sich mit ihm an Wirkung messen könnte? Es ist schlicht ohne gleichen und tief ohne Grenzen. Siehst du dort das Kind mit leuchtenden Augen, mit glühenden Wangen, mit fliegenden Pulsen, ergriffen von dem Zauber der biblischen Erzählung, die sein Gemüt berührt, seine Phantasie beflügelt? Dort lehnt der greise Forscher, müde von seinen Berechnungen am Himmel, von seinen Untersuchungen'auf Erden; ergreift, um neuen Mut zu gewinnen, zum Buch der Bücher, erfühlt es: Diesen Stimmen gegenüber bleibt er ein tastender Anfänger. Du trittst in die Hütte der Armut; auf schlichtem Brett als ein einziges Buch liegt die Bibel. Du siehst die prächtigen Bücherschätze des Reichen; die Thora übertrifft sie alle an Wert und Weihe. Am Bord des Schiffes, das die Weilen des Weltmeers durchstreift, wie auf der Bergeshöhe, wo in einsamer Klause der Einsiedler lebt, hat es eine Stätte gefunden. Zu allen Völkern ist es gedrungen, in alle Sprachen ist es eingegangen. Wie mit Sonnengewalt hat es den Nebel des Irrwahns zerrissen. Sein lichtes Eingangswort bannte das Gewölk des Götzentums von hinnen. „Gott schuf den Himmel", so wandte es sich zu den Völkern, die vor der Sonne und den Gestirnen betend im Staub lagen und zeigte ihnen in den großen und kleinen Himmelslichtern die willigen Diener des geistigen Weltengottes, die gehorsam seinen Willen vollstrecken. „Gott schuf die Erde", predigte es den Nationen, d,ie heiligen Steinen oder Tieren Verehrung zollten, alle Wesen hinieden sind berufen, dem ewigen Gott zu huldigen. „Der Mensch ist Gottes Ebenbild", lehrte die Thora und legte damit Einspruch ein gegen die Abgötterei, die mit den Großen der

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