Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 29 (1905)
- Issue
- No. 10. (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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40 Dr. Otto Baensch. Baruch de Spinoza. Ethik. Uebersetzt und mit einer Einleitung und Register versehen. XXI und 311 S. 3 M. Verlag von Dürr, Leipzig. Wir haben Maimonides gefeiert. Wir haben viel von seinem Verhältnis zu Aristoteles gesprochen und gehört. Hoffentlich sind wir dadurch dem Moreh Nebuchim, dem Buch Madda und den ״acht Abschnitten“ nähergetreten, wo uns ״Ariston“ auf Schritt und Tritt mit und ohne Quellenangabe begegnet. Was ist das für ein Mann, dieser vielgenannte Aristoteles? Erinnern wir uns dessen, daß man einen tüchtigen Knaben in den alten Gemeinden einen ״Aristoteleskopf“ nannte? Nun, hier tritt er in einem seiner wichtigsten Werke vor uns. Aristoteles hat dem dichterischen Suchen des Plato, der an sich tiefen und zur Erkenntnis des Seelenlebens wichtigen Gesprächsform ebenso ein Ende gemacht, wie den in Versen sich gebenden Versuchen etwa eines Empedokles. Die Philosophie verliert durch ihn ihr dichterisches und jugendliches Gewand und wird trockene, erörternde Wissenschaft; die Ahnung, das Schweifen in die Unendlichkeit verwandelt sich in (1in Streben nach unbedingter Gewißheit. Die Metaphysik des Aristoteles liegt uns, wie die meisten Schriften des Stagiriten nicht in ihrer ursprünglichen Gestalt vor, auch nicht in der von Aristoteles gewollten Ordnung. Aber sie hat dadurch einen eigenen Heiz gewonnen. Wir tasten und tappen uns mit dem großen Denker gewissermaßen aus den Irrgängen der vorsokratischen Weisen und aus der Gedankenwelt des Plato in die mit nach und nach sich abgrenzenden Gebiete des Aristoteles hinein. Er geht, wie Kant, mit seinen Vorgängern ins Gericht, aber er zeigt zugleich, daß sie alle dasselbe gesucht haben: Den unbekannten Weltgrund und die Erkenntnis der Tatsachen weit, seit Sokrates auch das menschliche Ich, die.. Seele. Dies sind ihm denn auch die wesentlichen Gebiete der Metaphysik. Er ist von dem Wissenstrieb des Menschen ausgegangen, der, losgelöst von den Fragen der Nützlichkeit, das Unbekannte erforschen will. So wird ihm denn alles reine Forschen über die ״erste Philosophie“, den Weltgrund, und über das ״Seiende im Allgemeinen“ Metaphysik — es wäre dasselbe, was wir reine Wissenschaft nennen. Aus den Ansichten seiner Vorgänger heraus, deren Wesentliches er festhält, kommt er zu seinen eigenen Folgerungen. Wundern wir uns nicht darüber, daß er die Gegenstände dieser Wissenschaft anders bestimmt, als wir es heute tun. Ihm mußte daran liegen, eine straffe Einheit zu finden, die möglichst viele Gebiete, ja, alles umfaßte, um als Erster und Frühester seiner Art sich nicht zu verlieren. Wundere man sich auch nicht darüber, daß er einen so großen Teil dieses Werkes dem Kampf gegen die platonische Ideenlehre geweiht hat. Sein gewaltiger Lehrer hatte mit der bestechenden Kraft seines Wortes und seines Gemüts diese tatsächliche Welt auf eine Art himmlischer Doppelgänger gegründet, wonach jedes Erdenwesen eine Art persischen Genius in den Höhen hat, wonach unser Wissen und Fühlen sich daraus herleitet und jeder tatsächliche Begriff nun noch daneben eine Idee hat. Wie fruchtbringend für die Zukunft diese Lehre auch geworden ist — Aristoteles hätte ohne ihre Bekämpfung das Beste seines Wesens und Wirkens nicht geltend machen können. Er muß sich immer wieder und wieder alle mögliehen Gegengründe klar machen, um eine Daseinslehre, losgelöst von ihnen, auf der Grundlage des Wissens zu finden. Ihm haben wir den Begriff der Substanz, des Akzidens, ihm die Begriffe der Theologie und Ontologie, der Kosmologie und Physiologie zu denken. Es ist sogar schwer zu sagen, daß er den Umfang der Metaphysik zu weit bestimmt hat. Und wenn er in der Tatsachenwelt und ihrer Erklärung geirrt hat, zumal wo er sich auf Ueberlieferungen verlassen mußte, so sind auch seine Irrtümer lehrreich. Die Art seines Wahrheitsuchens ist uns weit wichtiger, als die von ihm gefundenen Ergebnisse Darum kann und wird er sich nie überleben. Wenn wir hier dem Herausgeber unsere eigene Ansicht, entgegenhalten, so hält uns das nicht ab, sowohl seine Einleitung, als auch die Uebersetzung selbst für ein verdienstvolles und gründliches Werk zu hallen. Wir gehen nun zu Einzelheiten über. (Schluß folgt.) Predigtumrisse. בהך — Aboth 4«. Mathia ben Choresch. ״Grüße jeden Menschen freundlich zuvor“, ehe er Dir den Gruß bietet! Glaube nicht, mürrisches Wesen gehöre zur Aufrichtigkeit, und Freundlichkeit sei Heuchelei. — ״Doch sei lieber der Schweif des Löwen, als das Haupt der Füchse“. Deine Freundlichkeit sei aber nicht das Mittel, Dich zum Haupt der Schlauen, der schleichenden Streber zu machen; lieber bleibe der Letzte unter den Löwen, deren Gebrüll im voraus ihre Anwesenheit ankündigt, die nicht schleichen und heucheln können. — Freundlichkeit und Aufrichtigkeit im Berufs- und im gesellschaftliehen Leben! בחקותי• — Aboth 518: ״Wer ein Volk zum Guten führt, durch den wird keine Sünde veranlaßt“. Die Furcht, Schlimmes hervorzurufen, wird ihm in Wort und Tat die größte Vorsicht einflößen. Auf seinen Einfluß wird nie der Verfall, immer nur das Wachsen des. Guten hervorgerufen werden. — ״Wer viele zum Schlechten bringt, der kann nie Buße tun“. Wollte er sich schon bessern —werden auch die von ihm Verführten zurückkehren? Sie werden ihren Meister im Schlimmen übertreffen. — Anwendung auf die Anforderung an das sittliche Leben des Juden, der schon der Ehre des Glaubens wegen nie Schlimmes veranlassen darf. Winke für den Unterricht. Nächste Stunde gelegentliche Wiederholung. Weitere Verwandtschaftsgrade..^ אח׳ אחות Bruder, Schwester. Von Besseren an der Tafel nachschreiben lassen. Mitteilung des Satzes: ״Ehre Vater und Mutter!“ (Gelegentlich auch: ״Wie schön, wenn Brüder in Eintracht Zusammenleben!“). — Dann weitere Ausdehnung von בן und ״!בחSohn und Tochter“. Mündliche Mitteilung, daß ״ ילדKind“ heißt und ״ הוריםEltern“. Anschreiben ״ ביתHaus und Familie“. Natürlich nimmt dies, da diesem Zwecke in der Lesestunde nur einige Minuten gewidmet werden, mehrere_Stunden in Anspruch. Aufbau u. Quellenscheidung Von Dp. L. A. Rosen thal Rabbiner zu Preußisch Stargard 1. Teil: Dia Ordnung Seraim. Erste Hälfte: Von Berakhot bis Schebiit. - Preis 5 Mk. - Ueber den Zusammenhang der Mischna, 2 Teile, ä 2 50 Mk. Von der Zunzstiftung und Königswartersliftung unterstützt. Carl Trübner’s Verlag, Straßburg. Inhalt der Nummer IO. Wissenschaftliche Aufsätze: Bestätigung einer früheren Vermutung. Von Dr. L. A. Rosenthal. — Der Pessimismus in Israel ein Seitenstück seines Optimismus. Von Dr• Lerich. — Literaturbericht. Rezensionen: Dr. E. Bischoff. Der Koran. (Schluß.) —Dr.TSiegmuad Hanover: Das Festgesetz der Samaritaner nach Ibrahim ben Jakub. — Dr. theol. Eugen Rolfes: Oristoteles Metaphysik — Dr. Otto Baensch: Baruch de Spinoza. — Predigtumrisse. — Winke für den Unterricht. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthai in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin