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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-05-05 · 18 (5.5.1905) · p. Seite 249

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
18 (5.5.1905)
Date
1905-05-05
Page
Seite 249 (sequence 14)
Language
German
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Nr. 18. Israelitische Wochenschrift. Seite 249. weitere Mitglieder zu werben. Am nächsten Morgen fand noch eine Besichtigung der Auswand.ererherberge statt, bekanntlich auch eine Institution des Hilfsvereins. Die Herberge, die an jenem Tage ca. 30 Auswanderer beherbergte, kann in allen ihren Einrichtungen als mustergiltig bezeichnet werden. Die Behandlung der Insassen ist eine besonders liebevolle und es ist die Opferwilligkeit der Komiteemitglieder des Hilfsvereins der deutschen Juden in Tilsit in hohem Grade zu rühmen. Wnrzburg. Am 13. Mai d. Js. feiert unser allverehrter Distriktsrabbiner Nathan Bamberger sein 25jähriges Amtsjubiläum. Wie wir hören, rüstet sich die Gemeinde, sowie der Distrikt und eine große Anzahl Freunde und Verehrer des Jubilars, diesen Tag in festlicher Weise zu begehen. Auch die israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg, ihre früheren und derzeitigen Schüler, die in dem Herrn Distriktsrabbiner seit "fast 27 Jahren ihren selbstlosen, emsigen und tätigen Direktor sieht, hat sich entschlossen, jetzt erst das Jubiläum ihres Leiters zu begehen Nicht minder werden es sich die zahlreichen, nach tausenden zählenden Paare, die nach des Jubilars beredten Worten den religiösen Bund ihrer Herzen durch ihn schließeii ließen, es nehmen lassen, ihre Huldigung dem religiösen Oberhaupt der Würzburger Gemeinde an seinem Ehrentage darzubringen. Wie wir hören, ist als eigentlicher Hauptsesttag, da Sabbat für dergleichen Feiern nicht geeignet, Sonntag der 14 Mai festgesetzt. Mannheim. Für die hiesige israelitische Gemeinde ist 1005 ein bedeutsames Jahr. Am 20. Juni, welcher Tag festlich begangen werden soll, sind es 50 Jahre, daß die Synagoge vollendet und ihrer Bestimmung übergeben wurde. Der damals gleichzeitig mitbegründete, bis heute aus freiwilligen Gesangskräften (Damen und Herren) bestehende Synagogenchor feiert somit demnächst ebenfalls sein 50jähriges Bestehen. In dankenswerter Weise hat der Synagogenrat und die israelitische Gemeindevertretung den Synagogenchor in die Lage gesetzt, dieses sein 50jährig'es Jubiläum in würdiger Weise besonders festlich begehen zu können. Pforzheim. Der gr. Oberrat der Israeliten hat an sämtliche Bezirkssynagogen, Synagogenräte und Religionslehrer ein Rundschreiben gerichtet, daß die Lehrer bei der ihnen noch reichlich zur Verfügung stehenden Zeit sich eine angemessene Nebenbeschäftigung zu suchen haben, um ihr Einkommen zu verbessern. Als eine solche Nebenbeschäftigung wird vor allem der Garten- und Obstbau (wenn tunlich in Verbindung mit Bienenzucht) bezeichnet, da dieser Erwerbszweig bei richtigem Betrieb noch befriedigende Erträge liefere. Es wird gleichzeitig betont, daß diese Tätigkeit des Lehrers auch für Schuljugend und Erwachsene vorbildlich sein würde und geeignet wäre, zur Verbesserung der Erwerbsverhältnisse der Israeliten auf dem Lande beizutragen. Den inbetracht kommenden Lehrern hat der gr. Oberrat eitlen Fragebogen zur Ausfüllung in dieser Sache zugeyen lassen und dabei erwähnt, daß er bei Bemessrulg der Aufbesserungell wesentlich darauf sehen wird, ob und inwieweit der Lehrer obigen Beistrebungen des Oberrats entgegenkommen wird Mainz. 25 Jahre Rabbiner in Mainz. Am Dienstag den 2. Mai waren es 25 Jahre, daß Herr Rabbiner Dr. Salfeld sein Amt in der hiesigen Gemeinde versieht. Der Jubilar hat es während dieser Zeit verstanden, sich nicht nur die Liebe und Verehrung all seiner Gemeindemitglieder, sondern auch die höchste- Achtung weiterer Kreise zu erwerben. Wien. (Jüdische Gesellschaftsreise nach Palästina) Aus Kairo wird der „Neuen freien Presse" geschrieben: Die aus 136 Teilnehmern, zumeist Oesterreichern und Ungarn, bestehende Reisegesellschaft, die sich zu gemeinsamer Pilgerfahrt nach dem heiligen Lande gebildet hatte, fand in unserer Stadt eine äußerst freundliche Aufnahme Auf dem Bahnhose hatten sich zahlreiche Mitglieder der hiesigen ' österreichisch-ungarischen Kolonie zur Begrüßung' eingefunden. Nachdem die Gäste in den verschiedenen Hotels ilistalliert worden waren, wurde das Dejeuner gemeinsam ich reichgeschmückten Speisesaal des „Hotel Royal" eingenommen. Hierauf fuhr die Gesellschaft in einer langen Reihe von Wagen durch die Vorstadt Ezbekieh und die- Rue Mouski zu-dem uralten, htzrühmten Maimonidestempel, wo ein junger österreichischer Kaufmanll, Herr A. P. Diamant, und Professor Andrö aus München Ciceronedienste leisteten und die notwendigen Erklärungen gaben. Den Abend verbrachte der größte Teil der Gesellschaft im Klub „Harmonie", wo viele herzliche Ansprachen, insbesondere die des Präsidenten Herrn Jacques Galitzenstein, eine gemütliche Stimmung hervorriefen. Tags darauf fand ein; Ausflug zu den Pyramiden statt; nachher wurden Altkairo und! die Roda-Insel, der angebliche Schauplatz der biblischen Erzählung von der Rettung Moses aus dem Nil, besichtigt. Auch der Amrmoschee wurde ein Besuch abgestattet. Der Abend bot reichliche Gelegenheit, das eigenartige Volksleben Kairos kennen zu lernen Während ihres Aufenthalts unternahmen die Reisenden in Gruppen Rundfahrten in der Stadt, an den Bazaren vorüber, wo zahlreiche Einkäufe von Reiseandenken gemacht wurden, zu dem Museum, dessen vielfältige Schätze von sachkundigen Führern erklärt wurden. Nachmittags um 5 Uhr verließen die Reisenden mit einem Sonderexpreßzuge unsere Stadt und langten, von einigen hier gewonnenen Freunden begleitet, in bester Gesundheit und Laune in Alexandrien an — Von den Teilnehmern an der Reise sind hervorzuheben: Professor Dr. S. Krausz (Budapest), Privatdozent Dr. Gerö Rudas «Klausenburg). Honvedstabsarzt Dr. A Stern «Budapest), die Rabbiner Tr E Adler, Dr. I. Diamant. Leon Finci, Dr. A. Flesch. Dr. S. Goldschmidt, Dr. S. Händler, Dr. A. Jordan, Dr. H Kaufmann, Dr. A. Kelemen, Dr. W. Krausz, Professor Simonsen. Dr. L. Schweiger, S und A Schlick, die Oberkantoreu A. Simon und Bela Guttmann (Wien), die Redakteure M. Szabolczy und W Donath (Budapest) u v a. Paris. Gegenüber der ziemlich bestimmt aufgetretenen Behauptung, der kürzlich verstorbene Schriftsteller Jules Verne sei von polnisch-jüdischer Abkunft, gibt sein Sohn Folgendes bekannt: „Es ist nicht das erste Mal, daß diese Behauptung auftritt. Aber diese Legende hat absolut keine Begründung. Mein Urgroßvater war Richter in Provins bei Paris; mein Großvater war Advokat in Nantes, wo auch mein Vater am 8. Februar 1828 geboren wurde." $ e u 111 e t o n. Die Trau des Uerurteilten. Historische Erzählung (nach Julio Venturo). Von Mathilde Schmidt. (Fortsetzung) Während nun die Menge mit lautem Geschrei die göttliche Gnade anflehte, geschah es, daß einer aus dem Volke sah oder zu sehen glaubte, wie von einem Kruzifix der Jesuskapelle dieser Kirche ein Glanz ausstrahlte, der, wenn er wirklich da war, natürlich von den vielen Lichtern, die cs umgaben, herrührte. Die Umstehenden sprachen sogleich von einem Wunder, das sich zugetragen hätte und in den nächsten vier Tagen gewann das.Gerücht mehr und mehr Glauben. Am folgenden Sonntag, als die Mittagsmesse abgehalten wurde, wiederholte sich diese Tatsache; aber diesmal erhob sich in den Seelen der Zuhörer ein Zivesiel an der Glaubwürdigkeit dieses Wunders. Besonders aber hatte ein Marrano die Unvorsichtigkeit, einige Worte zu äußern, die seinen Unglauben an das angebliche Wunder bezeugten. Dies genügte, um den immer noch lebendigen Haß des Pöbels gegen die unbeliebten Iudenchristen zu heller Flamme anzufachen. Von einem fanatischen Eifer ergriffen, schleppte man den elenden Zweifler vor die Kirchentür, mordete ihn hier und verbrannte seinen Leichnam. Zwei Mönche, die eben aus dem Kloster kamen, predigten Rache gegen die, die . sie die Feinde des Glaubens nannten, und das schürte natürlich! die Wut der Empörer aufs äußerste. Der Haufe wuchs von Minute zu Minute, und in wenigen i Augenblicken war er fast unübersehbar. Nach einigen Stunden schon boten die Straßen von Lissabon den Anblick eines schrecklichen und blutigen Dramas dar. Die Marannen, die unvorbereitet ihren Geschäften nachgingen, wurden in den Straßen gemordet und ihre Körper zu den Flammen geschleppt, die auf den Plätzen von Ribeiro und Rocio angechndet waren. Auf dein letzteren dieser Plätze wurden an jenen« Abend über dreihundert Personen verbrannt; oft brannten an verschiedenen Stellen fünfzehn bis zwanzig Körper auf einmal.

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