Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 29 (1905)
- Issue
- No. 9. (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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als des Vaters nur sich allein zuzuschreiben. Harnack hat, als er dies hervorgehoben, zu wenig bedacht, daß bei ihm Jesus kein göttliches Wesen ist, sondern bei aller Verherrlichung seiner Eigenschaften nur ein Mensch. Weshalb konnte Jesus nun als Mensch Gott nicht die Ehre geben und sie von sich ablehnen? Weshalb tritt er nicht, wie die Pro* pheten Israels, hinter der Gottesbotschaft, die er zu bringen hat, bescheiden als Mensch zurück? Weshalb hat er durch dies Selbstbewußtsein dem Christentum die Möglichkeit zur Aufstellung der Dreieinigkeit geboten, die Harnack nun erst beseitigen muß? Und warum hält er sich nun, nachdem er so vieles und für den Christen wichtigeres fallen gelassen, gerade so sehr an den Begriff des Gottessohnes, mit dessen Hilfe nach Harnack s eigenem Geständnis die Menschheit ihre Lehren zu furchtbaren Waffen umschmieden konnte? Wer gibt Harnack eiaerseits das Recht, die Osterbotschaft der Auforstehung zu leugnen und andererseits den Oster glauben an ein ewiges von jenem Grabe sich herschreibendes Leben als denselben Erzählungen wirklich innewohnend zu betonen? Das sind Fragen herzandringender Art, auf welche es schwer eine Antwort in eben dem bündigen Sinne gibt, in dem sie gestellt sind. Und Verfasser begnügt sich nicht damit, diese Fragen zu stellen — er zeigt auch, daß dieselben Zwecke, die Harnack aus dem Ganzen der christlic en Glaubensanschauung herausgreift, nichts wesentlich Neues sind, sondern vielmehr, daß sie ihre Darstellung schriftstellerisch in jüdischen Kreisen schon gefunden hatten, daß ihnen eine gedankliche Entwicklung im Judentum die Lebensmöglichkeit erst geboten hatte. Dem ATerfasser wohnt, diesen Eindruck gewinnt man beim Lesen vorliegender Schrift, ein Gefühl der Sicherheit inne, welches auch der klare Ueberblick über das Gesamtgebiet einflöß:; er erkennt darum mit scharfem Blick die wunden Stellen, gegen die er mit Erfolg seine Angriffe richten kann; was uns am Gegner zuerst groß und unangreifbar erscheint, wird kleiner und matter, was am eigenen Geistesgut uns zuerst gering orscliien, wird ganz von selbst bedeutender. Der von Harnack angenommene Abstand beider Lehren verringert sich zugunsten des Judentums, und man ist sic!1 dessen bewußt, daß der Verfasser den ernsten Weg der Forschung allein gegangen ist, ohne sich nach der Seite zu wenden Jeder Freund des Judentums wird die Eschelbachersche Schrift mit Freüde und zu seiner eigenen Festigung lesen; und so wünschen wir ihr die weiteste Verbreitung und erhoffen vom Verfasser in der Kürze die angekündigte Fort- Setzung. Dr. E. Bisch off. Der Koran. Auch unter dem Titel: Morgenländische Bücherei 4. VIII, 120 Seiten, Leipzig, Grieben, 2,60 Mk. ״Fragt man heute den Durchschnittsgebildeten, was er sich wohl als Hauptinhalt des Koran denke, so erhält man bestenfalls etwa folgendes Konglomerat meistenteils falscher Vorstellungen: ״Allah ist groß und Mohammed ist sein Prophet. — Alle Nichtmohammedaner heißen Giaur oder ungläubige Hunde. — Alles ist Kismet. — Jeder darf soviel Frauen haben, als er will.“ Kenntnisreichere fügen vielleicht noch hinzu, daß der Fromme im Paradies mit schönen Huris schwelgen werde, daß er beschnitten sein und Wein sowie Schweinefleisch meiden müsse, daß man sich beim Gebete gen Mekka zu wenden habe und daß der Freitag der mohammedanische Wochen-Feiertag sei. Besonders Gebildete können auch noch mit dem Schlagworte aufwarten: ״Beim Barte c!03 Propheten“ und ״Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, geht der Prophet zum Berge.“ Weiß jemand noch gar etwas von gebotener Mekkapilgerfahrt, und daß ein solcher Pilger Hadschi heißt, sowie was Kaaba, Hedschra, Muezzin, Minaret und Moschee bedeutet — in den arabischen Fabeln der ״Fliegenden Blätter“ kommt dergleichen ja öfter vor — so braucht er nur noch aus dem Schatze seines allgemeinen Wissens die Worte Muselmann und Islam zuzugeben, und er kann dann mindestens mit ebensoviel Recht und Erfolg über den Koran einen Vortrag halten, wie manche ״Talmudkenner“ über das jüdische Buch.“ Diese Stelle aus Bischoffs Vorrede spricht nicht nur Bände, wie man heute gern sich ausdrückt und druckt, sondern ist, besonders mit dem Schlußsätze, auch ganze Bände wert. Der vielseitige Verfasser gäbe einen guten Satiriker, er weiß, wo der Schaden steckt. Auch hinter seiner Bescheidenheit muß der sokratische Schalk sich verbergen, und das schadet gar nichts. Er bietet hier in zwangloser Weise, ohne den Leser zu langweilen, eine sehr klare Einführung in die Geschichte und das Wesen des Koran. Ich will ihm auch garnicht darum zürnen, daß seine Verse, (in solche hat er die Koränstellen gebracht) besser sind, als die des Mohammed; ob er aber bei Zusammenstellung verschiedener Suren aus der einen in die andere hinüberreimen mußte? Die Stelle aus dem Targum scheni verdient, ja, ich muß sagen, erfordert den Rhytmus so gut, wie nur eine Legende des Koran. (Schluß folgt.) Predigtumrisse. קדושים• Anfangssatz. ״Seid heilig“, sittlich unantastbar, wenn ich und meine Religion heilig sein soll, wenn mein Name durch Euch nicht entweiht werden soll. So ״sprechet zur ganzen Gemeinde Israels,“ denn wenn Einer nur sich vergeht, hält man Alle für Verbrecher. ״Jeder ehre Mutter und Vater!“ Er ehre sie durch sein Verhalten, damit man sie in ihm ehre; so ehren wir die Religion durch unser Leben und Wirken — das ist die beste Waffe gegen alle Vorurteile. אמור• «Der Priester darf sich nicht damit befassen, Totengräber zu sein; das Bestehende darf er nicht begraben helfen; er hat zu beleben, das Vorhandene zu benutzen, den Geist der Treue, der Opferwilligkeit, des Forschens und Suchens nach der Wahrheit und dem Guten zu kräftigen. Winke für den Unterricht. Unterstufe. Die Kinder nicht die ganze Stunde mit unverstandenen Buchstaben, Silben und Worten plagen. Sich in der Leseübung unterbrechen und an die Tafel schreiben: אב «Was mag das heißen? Es ist der Anfang des Alphabets. Es heißt Vater. Nachsprechen und Wiederholen lassen! Wen wollt Ihr nun wohl dahingeschrieben haben? ״Die Mutter!“ Da genügt ein einziger Strich links □א. Nun Einiges über die Eltern anführen. ״Ob Ihr das nächstens noch wissen w'erdet? ״Nun weiterlesen in der Fibel!“ Einzelne Silben und Worte womöglich ihnen übersetzen. ״So oft Ihr gut in der Fibel lesen werdet, schreib ich Euch etwas zur Belohnung an die Tafel!“ In nächster Stunde dasselbe wieder vornehmen und als Belohnung für Bessere von denen nachschreiben lassen. Babel und Bibel der I Babel gegen Bibel Von Rabbiner Dr. Ludwig A. Rosenthal. Eine Antwort an Professor Delitzsch, Zweite Auflage. M. Poppelauer, Berlin C., Neue Friedrichstrasse 59. Preis 60 Pf. «־־>־ Von jeder Buchhandlung zu beziehen. Inhalt der Nummer 8, Wissenschaftliche Aufsätze: Immortellen. Von Dr. G. Perlitz. (Schluß.) — Einiges zum Raschijubiläum. (Schluß.) Von Dr. L. A. Rosenthal. — Literaturbericht. Rezensionen: Zweiundzwanzigster Bericht über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Von Dr. J. Elbogen. Das Judentum und das Wesen des Christentums. Von Dr. Joseph Eschelbacher. Das Wesen des Judentums. Von Dr. Leo Bäck. — Der Koran. Von Dr. E. Bischoff. — Predigtumrisse. — Winke für den Unterricht. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthai in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.