Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 29 (1905)
- Issue
- No. 9. (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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34 Diesen Worten fügte R. Lewi nachfolgende hinzu: Als die Brüder Josefs fanden Geld in ihren Futtersäcken Da entsetzten sie sich drob. Kann ein Fund also erschrecken, Wie erst müssen wir erbeben, Die ein Kleinod wir verloren In dem Sohne Raw Sebidas, Den zum Lehrer wir erkoren. Einer von den beiden letzten Amoras war R. Abina. Um ihn klagte ein Sofdana: Trauert ihr Palmon und schüttelt Wehmütig das Haupt. Fs hat der Tod eine Palme, Er hat einen Frommen geraubt Im emsigen Forschen der Lehn', Die Nachte zu Tagen macht. So laßt denn um ihn uns weinen Und wandeln die Tage zur Nacht. Ich bin in der Lage, meinem Thema einen heitern Schluß zu geben. Wie in der Shakespearschen Tragödie der Humor nicht fehlt, so entbehrt die Tragik der Klagerede nicht ganz der Komik. Es hat nämlich Safdanas gegeben, die für Männer, die nochlebten, recht hübsche Leichenreden in petto hatten. Diese tragikomischen Gesellen waren Bar Kefuk und Bar Abin oder wie sie nach einer anderen Leseart heißen Bar Kipyf und Bar Uba, was nach Rapoports geistreicher Bemerkung soviel wie Eulenmann und Totenmann heißt. Raw Aschi, der Kollege Rabbinas, fragte diese: Wenn ich sterbe, was werdet ihr mir nachsagen? Bar Kipuf erwiderte, ohne sich lange zu besinnen. Wenn der Blitz in die ragende Zeder fahrt Wie bald wird da der Ysop zerstört? Erfasset die-Angel Leviatan, der wohnt Im See, Wie blieb da das Fischlein verschont? Und hauset die Angel im strömenden Quell Die stille Cisterne bewältigt sie s hnell. Bar Abin sprach — ich würde also sagen: Nicht um jene Brüder trauert, Die von dannen scheiden, Nur die Lebenden bedauert Die Verlust erleiden. Jene pllegen süße Puh Diesen kommt das Klagen zu. H. H. Ich bin zu Ende. Ich war mir bewußt, in diesem Verein nichts sagen zu dürfen, was nicht aus den Quellen geschöpft ist, dennoch habe ich Ihnen den Quellennachweis vorenthalten, um Ihre Geduld nicht zu sehr auf die Probe zu stellen. Ich schließe mit einem Lessingschen Epigramm: Wenn sie von alle dem was diese Stunde füllt’, Des Dankes nichts für wert befunden, So seien sie nur für das verbunden, Was ich zurückbehielt Einiges zum Raschijubiiäum. Von Dr. L. A. Posenthal, Rabbiner zu Preuß -Stargard. I. Raschi und Rabbinisches in der Schule. (Aus einem Vortrage,) Nun man denkt heute über Midraschdeutungen nicht mehr so gering, wie etwa im Anfänge unseres Jahrhunderts; Raschi selbst tut man aber entschieden Unrecht, wenn man trotz der vielen von ihm gebrachten Midraschim in ihm einen agadischen Erklarer sieht, der dem Wortsinne Gewalt angethan. Sie werden mir manche Beispiele entgegenhalten; z. B. 2. B. M. 2, 12 וירא כי אין איש עתיד לצאת ממנו ולהתגייר שני אנשים ניצם דתן ואבירם etc., wo Raschi durchaus nichts mit dem Wortsinne zu tun hat. Nun, wenn selbst das vorausgehende ולפי פשוטו מבשמעו nicht darauf zu beziehen wäre, wie es an vielen ähnlichen Stellen nicht steht, so kann ich ein sprechenden Beispiel aus vielen anderen dagegen anführen. Gen. 12,5 nimmt Abraham auch הנפש אשר עשו בחרן nach Kanaan mit; Raschi bemerkt da dem Midrasch gemäß שהכניסו תחת כנפי השביל בו׳ ומעלה עליהם באלו עשאום — eine schöne und tiefe Deutung, die doeh gewiß soviel Zustimmung verdient, wie die oben angeführten; trotzdem regt sich hier das Gewissen des Paschtan und er fügt hinzu: £ ופשוטו כמשמעו עבדים ושפחות שקנו להס כמו עשה ליאת כל החיל הזה. Aber auch solche rabbinische Deutungen, die für Glaubenssätze höchst bedeutsam sind, entgehen diesem Schicksale nicht. In dem Ausdrucke אז ישיר sieht die Mechilta einen 'רמז לתחיית המתים מן התור. Hier hätte Raschi ehrfurchtsvoll halt machen müssen. Weit gefehlt! Er kommt, allerdings auch in den Fußtapfen des Midrasch wandelnd, mit grammatisehen sprachlichen Erklärungen, die hier alles dem gewöhnlichen Sprachgebrauch gemäß darstellen. Und wären es solche halachische Sätze, wie אחרי רבים להטות hervorgerufen hat, — Raschi geht unentwegt auf den einfachen Wortsinn zurück. Man hat sein Verhältnis zum Targum vielfach erforscht, nicht so seine Stellung zu Peschat und Derasch. Es scheint mir, als wenn er da, wo ein jeder den Gegensatz zwischen Schriftwort und Deutung bemerkt, es nicht für nötig gehalten hätte, sein ופשוטו hinzuzufügen; dagegen mag er gerade da sich um die Klarlegung des Peschat bemüht haben, wo uns eine besonders an• £ mutende Midraschdeutung, ein für Glaubenssätze und Halachot wichtiger Derasch verführen könnte, in demselben den Peschat zu sehen. In vielen Fällen (wer weiß, ob nicht in den meisten?) ist Raschis Vorgehen in dieser Weise zu erklären. Weshalb er nicht dann lieber die Midraschim ganz fortgelassen hat? Ihm ist der Peschat die Grundlage, der Midrasch die darüber schwebende, nicht damit zu verwechselnde mündliche Lehre, die ja nicht mehr ihren Namen verdiente, wenn sie sich mit dem Worte der Schrift völlig decken würde. Die von ihm angeführten Midraschim sind die schönste Auswahl tiefer und den Sinn der Schrift vergeistigender Bemerkungen, deren Besprechung zu tieferer Durchdringung der biblischen Erzählung oder Satzung einlädt. Bedenken wir außerdem, wie schwer sich dem Uneingeweihten der Zusammenhang der Thora erschließt und wie wichtig es ist, denselben im Kopfe zu haben, noch mehr, ihn zu verstehen! Das öftere למה נסמכה dient trefflich dazu, die Aufeinanderfolge