Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 29 (1905)
- Issue
- No. 8. (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6492408-6582208-9734558--3385-9606536- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
32 Gott, zur Erkenntnis, daß alles Vorhandene aus einer Kraft stammt. Kants Lehre von der Unerkennbarkeit des Ewigen, von der Empfindung und dem gebietenden Sittengesetz als Quellen der Gottesgewißheit sind dem Judentum ,von jeher eigen gewesen. Der Vortrag ist weitesten Kreisen zu empfehlen; besonders werden denkende Leser darin eine Festigung ihres Wesens linden. Dr. Max Weiß. Seder Troyes. Ritus Troyes. Frankfurt. Kanffniann. 41 Seiten. 1 Mk. Schon die Alten erwähnen den Minhag der Gemeinde Troyes, der Raschi angehört hat (Zunz, Die Ritus etc. Berlin, 1859, S. 22 ff.). Veröffentlicht war die Minhagsammlung bisher nicht. Weiß bietet sie uns hier nach einer im Nachlaß David Kauffmanns aufgefundenen Handschrift. Verfasser der Schrift ist Menahen bar Joseph bar Juda Chasan aus Troyes; sein Zeitgenosse Nathan bar Juda hat einen Siddur mit Minhagim unter dem Titel ״Machkim‘־' herausgegeben. (Zunz a. a. O. S. 202). Alenahems Lebensgang ist von Zunz S. 28, von Luzzatto in □חליבות קד s. 50, von Groß Gallia Judaica S. 240 beschrieben worden, weshalb Weiß von einer Lebensbeschreibung absieht. Alenahem führt seinen Vater Joseph bar Juda Troyes an, Elieser Beaugency, Or Sarua, Ibn Esra, Juda Halevi, Mose Ibn Esra, Mose Koucv, Nathanael Chinon, Perez Corbeil, Raschi und Rabbenu Tarn. Auch Anmerkungen aus dem Machkirn sind im vorliegenden Büchlein, die Herausgeber mit dem Machkim selbst verglichen hat. Menahem gibt in 10 Abschnitten die Bräuche von Troyes' an. AVeiß hat in Anmerkungen die Quellen in Talmud, Midrasch und Poskim angegeben und damit das Buch für die Forschung äußerst brauchbar gemacht. Bei Angabe von Piutim hat er immer auf Zunz’ Literaturgeschichte hingewiesen. Ein auch nur flüchtiger Blick auf das ganze zeigt die Wichtigkeit der Veröffentlichung für die Erforschnng der Minhagim. S. 5 erscheint es z. B. zweifelhaft, ob der Satz 'ויום השביעי משבח ואומרגו in לאל אשר^שבת damals üblich war. Am Sabbat der Halbfeiertage wurden sechs zur ersten Thorarolle und einer als Alaftir zur zweiten aufgerufen. Am Sabbat der Bußtage wird als Haftora דרשן und zwischen Jom Kippur und Sukkuth erst ,שובר gelesen, da doch nach Tanchuma erst am ersten Sukkottage die Bußzeit vorüber ist. Yom 1. Siwan an und noch fünf Tage nach Schebuoth wird das תחנון fortgelassen wegen der Möglichkeit des Chagigaopfers in diesen Tagen. AVir können dem Herausgeber für seine "mühsame Arbeit, die eine außerordentliche rabbinische Belesenheit zeigt, nur dankbar sein. Dr. F. Hillel, Rabbiner in Leipnick. Festpredigtem 1. Heft, Peßach und Schewuaus. Frankfurt’ Kauffmann. 52 Seiten,’ 1 Mk. Wann wird Israel erlöst werden? :,Wenn" es wieder vertrauensvoll und anspruchslos in sich Zufriedenheit und echten Glauben, wie die Väter, wahren wird, den besten Alantei gegen die Stürme der Außenwelt. — Israel wahrte sich in der Skiaverei den menschlichen Stolz, den Gegensatz gegen den Druck, so daß sie sich als Gottesknechte höher dünken konnten, als ihre Bedrücker. Nicht, weil die Väter Wunder gesell• n, glaubten sie; weil sie glaubten, sahen sie Wunder. Im Gegensatze zu uns Alenschen der Neuzeit. — Nur Israel hat mit Liebe das Gesetz angenommen und bewahrt; in der Außenweit haben wir es selbst in unserer Zeit mörderisch mit Füßen treten sehen, weil die Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit nicht aus der Erde hervorsprießt. — Israel darf und wird so wenig vergehen, wie Gott und die AVahrheit: Aber das Wissen muß wieder mutig und hoffnungsvoll, wie einst, bei uns gehegt werden. — Neben der heiligen Lade brennt die ewige Lampe, und der Tisch gleicht dem Altar, auf daß AVissen, Liebe und edles AVirken im Gotteshause und auch am Tische des eigenen Hauses sich geltend mache. Diese Gedanken, an der Hand sinnig gedeuteter Schriftverse und Midraschim warmfühlend geäußert, haben gewiß ihre Wirkung auf die Gemeinde nicht verfehlt. Hoffen wir, daß diese bescheidene und anspruchslose Predigtsammlung, die der Fassungskraft der Hörer keine Gewalt antut und jeden zu den Höhen edlen Fühlens und Wirkens leiten kann, rechte Verbreitung finde. Dr. Lasar Dünner. Die älteste astronomische Schrift des Maimonides. Würzburg. Becker. 1902. 34 S. Die astronomische Jugendarbeit des Maimonides ist zuerst 1849 in Metz erschienen, ohne daß der Herausgeber Askenasi am Text etwas verbessert hätte. 1859 hat Lichtenberg in seiner Leipziger Ausgabe den Askenasischen Wortlaut hier und da verbesseit. Dünner hat die einzig vorhandenen Hand- Schriften (Pariser bibl. nat. fonds hebr. 1058 und 1061) zu seiner Arbeit benutzt, die erstere zugrunde gelegt und mit der zweiten verglichen. Ebenso lagen ihm beide genannten Ausgaben vor. Mit diesen Hilfsmitteln hat er den Text berichtigt. Grätz meint, die Urgestalt der Arbeit sei hebräisch gewesen, Stein- Schneider hält die vorliegenden Handschriften für eine Ueber- Setzung aus dem Arabischen. Dünner ist zu dem Ergebnis gelangt, daß die Einleitung als Antwort auf den Brief eines Freundes arabisch, die Arbeit selbst hebräisch von Maimonides abgefaßt worden sei. Er hält 1061 für die ältere, 1058 für die jüngere, etwas verbesserte Handschrift. Dünners fleißige Arbeit läßt den Wunsch in uns rege werden, er möchte seine Textausgabe der hier gebotenen Uebersetzung in nicht zu langer Zeit folgen lassen. Predigtumrisse. Schlußtag des Peßach. Seelenfeier. — Das Omerzählen. — Im Frühling zähle die Tage; so lange du sie zählst, ist Frühling und bist du jung. Der Frühling arbeitet dem Herbst vor; der ersten Ernte, von wo an du zählst, folge die zweite, der ersten Lebensarbeit die zweite; stehe nicht still, und du bleibst schaffenskräftig. Zähle Tage und Wochen! Aus kleinen Zeiträumen setzen sich die großen zusammen — beachte sie! Nenne nicht die Zahl des nächsten Tages, ehe er herangekommen — rechne nur mit dem heutigen Tage. Dann wird dein Leben niemals kurz sein — es wird nicht aus Jahren und Jahrzehnten, sondern aus vielen erinnerungsreichen Tagen bestehen, und dein Leben gewinnt an Inhalt; du kannst die Zeit nicht fesseln — du kannst ihr aber abgewinnen, was als Ernte deinesv Lebens feststeht und niemals schwindet; Die edle Tat, die unendlich wirkt und die dich geleitet ins Jenseits. אחרי מות• Neumondsweihe. (Tod der Söhne Aarons). Im Rausche ihres Glückes drangen Aarons Söhne ins Allerheiligste; nicht genügte ihnen das heilige Feuer des Himmels; fremdes Feuer brachten sie hinein und fielen in ihrem Glücksgefühl. Bild unserer Zeit und Jugend. Die alte Himmelsflamme des Glaubens genügt nicht mehr — fremde Gedanken treten an deren Stelle; da fehlt dem Menschen der Halt, und er sinkt, w0׳ er hätte stehen müssen und können. — Erziehen wir die Jugend wieder in heiligem und frommen Sinne, bescheiden und zufrieden, und es werden nicht so viele straucheln und sich und andere elend machen. Inhalt der Nummer 8. Wissenschaftliche Aufsätze; Immortellen. Von Dr. G. Perlitz• (Fortsetzung.) — Literaturbericht. Rezensionen: Dr. R. Faerber: Entwicklung der Sage von Salomo und dem Todesengel. — Dr. Simon Mandl; Monotheismus — ein Weltprinzip. — Dr. Max Weiß: Seder Troyes. Ritus Troyes. — Dr. F. Hillel: Festpredigten. — Dr. Lasar Dünner; Die älteste astronomische Schrift des Maimonides. — Predigtumrisse. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.