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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1905-01-01 · No. 8. (1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
29 (1905)
Issue
No. 8. (1905)
Date
1905-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 8. —1905. Jüdisches Jahrg. XXIX. Litteratur-Blatt. Zur Beleuchtung Taüer Judentum und Juden betreffenden litterarischen Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie, Geschichte, Ethnographie, Theologie, Orientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik und Pädagogik. Begründet von Rabbiner Dr. M. Rahmer. Verantwortlicher Redakteur: Rabb. Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Verlag und Expedition; Arthur Scholem, Berlin C., Roß-Straße 3. Bücher der einschlägigen Litteratur, _<eren Besprechung in diesem Blatte gewünscht wird, sowie Briefe und Manuskripte sind an die Redaktion, Inserate u. Beilagen an die Expedition franco einzusenden. Rahmer’s ״Jüdisches Litteratur - Blatt“ erscheint monatlieh zwei Mal und kostet bei allen Buchhandlungen (oder bei direktem Bezüge durch Arthur Scholem, Berlin, Roßstr. 3) vierteljährlich eine Mark. — Die Abonnenten der in demselben Verlage erscheinenden ״Israelitischen Wochenschrift“, welche bei allen Postanstalten und Buchhandlungen vierteljährlich 3.— M. kostet, erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ als Gratis-Beilage. — Inserate werden mit 20 Pffl. die viergespaltene Zeile berechnet und sind an die Expedition in Berlin zu senden. Abdruck einzelner Artikel nur mit der Angabe: ״Aus Rahmer’s Jüd. Litteratur-Blatt“ gestattet. Da unsere Predigtumrisse sieh allgemeinjguter Aufnahme erfreuen, so wollen wir noch eine zweite’Bereicherung hoffent־ lieh willkommener Art von nächster Nummer an regelmäßig bringen: Winke für den Unterricht. Sie werden in der Kürze den Lehrstoff zunächst für die Unterstufe bringen, und aus dem Stoffe wird sich die Behandlungsweise von selbst ergeben. Immortellen. Von Dr. Cf. Perlitz, Rabbiner und Prediger. (Fortsetzung.) ,-Eine vollständige Klagerede ist uns nicht erhalten, es sind nur teils Spuren, teils kleinere, teils größere Fragmente aus den Vorträgen des Safdana oder der Rabbanan auf uns gekommen. Spuren von Klagereden erblicken wir in sagenhaften Berichten, die sich an den Tod berühmter Männer knüpfen. Als Rabbi Abahu starb, da weinten die Säulen Oäsareas, seines ständigen Aufenthaltsortes. (Moed Katan 25b, Jer. Aboda sara III, 1) Aehnlich geht die Sage, daß nach dem Verscheiden des R. Jose, der Marmor von Sephoris Blut geweint habe*). (Moed Katan das.) In diesen sagenhaften Berichten erblicken wir“ Immortellen, Ueberreste aus den Vorträgen poetischer Safdana. Ebenso scheinen uns einige Berichte über Naturerscheinungen, die beim Verscheiden ^berühmter Männer statt hatten, Immortellen zu sein. Beim Tode des Rabbi Assi entwurzelte ein Sturm mächtige Bäume (ibid.), bei dem des Rabbi Jakob wurde es mitten am Tage so dunkel, daß die Sterne sichtbar wurden (das.), beim Hinscheiden des Rabbi Chia fielen glühende Steine vom Rimmel^(das.) und beim‘Heimgange des Rabba bar Nachmani erhob sich ein Sturm, der sieben Tage währte. (Baba Meziä 86 a). Da der Talmud schwerlich die Absicht hatte, Wetterberichte zu registrieren, so erblicken wir im diesen Referaten Immorteilen, poetische Redewendungen eines dichterischen Safdana. Kürzere Fragmente von Klagereden sind teils in der Tosifta, teils in den alten Midraschim ver¬ *) Als R. Acha starb, wurden die Sterne sichtbar; beim Tode des R. Chanan stürzten die Statuen um, beim Tode des R, Jochanan die Bilder des Jer. Ab. S. III. zeichnet. Auf den frommen sanftmütigen Hillel sagte man: ״Ach, daß der Fromme, Sanfte, der Jünger Esras hingeschwunden“. (Tosifta Sota 13, Chasit אני חומה.) Einem andern Tanaiten, dem berühmten Rabbi Elieser b. Hyrkanos wurde von seinen Kollegen manch ehrenvoller Nachruf gewidmet. Rabbi Josua und Rabbi Akiba klagten um ihn: ״Mein Lehrer Esra, Israels Wagen und seine Reiterei“ (Jeruschalmi Sabbat II, 7, Sanhedrin 68), und Rabbi Elasar b. Asarja widmet ihm folgenden Nachruf: Tief mein Lehrer, beklag ich, beweine den herben Verlust, Wehe, o Meister, so ruf’ ich, durchwütet von Jammer die Brust, Du zogest mein Vater, von dannen und ließest die Kinder verwaist. Nun jammern und klagen sie alle, auch mir das Herz es zerreißt. Es hat dich ein Sturm getragen zum Himmel von dannen empor, Mein Vater, du Israels Wagen, so rufen wir klagend im Chor. Diese Klagerede ist ohne Zweifel weiter ausgeführt und durch Schilderung der umfangreichen halachischen Kenntnisse und des makellosen unbeugsamen Charakters des Verewigten begründet worden. Tief ergreifend kann man sich die Klagerede denken, die Rabbi Sakkai aus Chabul auf einen Mann hielt, der an seinem Hochzeitstage während des Hochzeitsmales starb. Dieser hatte sich vom Male entfernt und wurde bald darauf von dem nichts ahnenden Vater entseelt aufgefunden. Der Vater teilte das traurige Ereignis nach aufgehobener Tafel den Gästen mit in folgenden Worten: Ihr seid zu einem frohen Mal gekommen, es ist ein Trauermal, von dem ihr euch erhebt, ihr könnt den Sohn in sein Gemach nicht leiten, er ist entseelt, geleitet ihn zum Grabe. Von einer Klagerede, die Rabbi Simon b. Lakisch auf einen Jünger hielt, der vor vierundzwanzig Reihen von Schülern Vorträge gehalten hatte, ist nur der kurze Klageruf verzeichnet: ״Wehe, Palästina hat einen großen Mann verloren!“ (Megilla 28b.) An die kurzen Fragmente von Klagereden reihe ich noch zwei Immortellen, deren eine dem Apostaten Elischa b. Abuja von seinem Schüler R. Meir gewidmet wurde. Dieser hatte seinen Lehrer auch

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