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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-04-21 · 16 (21.4.1905) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
16 (21.4.1905)
Date
1905-04-21
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Zeitschrift für dir Kchintiiltmffkli des Judentums. Webst öern Weiblütt: Jüdisches Littercrturblütt- Erscheint NN jedem Freitag Redaktion und Verlag: > Bezugspreis vierteljährlich: das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal. Werkin 0., Woß-Straße 3! Deutschland u. Österreich-Ungarn 3.—Mk. Alle Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. Telephon: Amt I, 6729. 1 alle anderen Länder 3.50 Mk. Anzeigen für die Ispaltige Petitzeile 30 Pf. Alle Annoncen-Expeditionen nehmen Anzeigen entgegen. Unrnrner 16. Berlin, 21. Aprit 196S. 14. Jahrgang. Alle, auch für die Redaktion bestimmte Mitteilungen Erbitten wir an die Adresse Israelitische Wochenschrift Berlin C., Roß-Ltraße 3. Die heutige Nummer enthält das Jüdische Litteraturblatt Nr. 8. Inhalt. Artikel: Zum Peßachfeste. Von Rabbiner Dr. B. Seligkowitz-Köthen. — Peßach - Hagada. Von Rabbiner Dr. Be ermann-Insterburg. — Voltaires Rechtsstreit mit dem Schutzjuden Hirschel. — Ein Peter Schlemihl der „Deutschen Hochwacht". — Politik: Die jüdischen Oberlehrer in Preußen. — Wochenchronik. — Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. — Feuilleton:^ Die^. Frau des Verurteilten (Fortsetzung). Von Mathilde Schmidt. — Inserate. Zm Pc$$acbfc$te. Von Dr. B. Seligkowitz-Köthen. Das jüdische Volk ist recht eigentlich das Volk der Hoffnung. Es ist das Volk der Verheißung; sein ganzes Leben ruht auf Hoffnung. Sein eigentümlichster Besitz, sein köstlichstes^Erbteil ist Hoffnung, und eine Hoffnung im großen Stil. Durch die Jahrtausende geht sie hindurch, immer anwachsend, immer heller leuchtend, immer gewaltiger wirkend. Und jede besondere Hoffnung, die in irgend einem einzelnen Fall das Herz eines gläubigen Juden bewegt, hängt mit jener großen Hoffnung des ganzen Gottesvolkes zusammen. Die durch Jahrtausende reichende messianische Hoffnung des israelitischen Volks, die nicht nur mehr als einmal die Zertrümmerung seines Bestands überdauert, sondern auch den besserungsfähigen Rest des VolkesIerhalten und seine Neugestaltung wesentlich bedingt hat, erscheint wie ein großes, heiliges Erbgut, das von den ersten Urvätern des menschlichen Geschlechts herabkommt, durch den Glauben der ganzen Bundesgemeinde bewahrt geblieben ist. Propheten sind die Künstler, die in dem Wort ihrer Predigt oder in bedeutungsvollen Zeichen die Hoffnung Israels gestalten und als bleibende Zeugnisse uns vor Augen stellen. Wir meinen keineswegs, daß der Hoffnungsgehalt in der prophetischen Weissagung lediglich aus dem Glaubensbewußtsein der Gemeinde entnommen und in die feste Form des Wortes oder des Zeichens gebracht worden sei; vielmehr halten wir an der Grundvoraussetzung fest, daß keine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden ist, sondern die Propheten haben geredet, getrieben von dem göttlichen Geist, und wir können gerade an der Weissagung als an der vollkommensten Darstellungsform der Hoffnung am deutlichsten wahrnehmen, daß alle echte Hoffnung in dem Gott der Hoffnung ihren Ursprung hat; aber wir lernen aus der Betrachtung der Weissagung, daß die Hoffnung eines einzelnen, selbst wenn sie dazu angetan ist, die Hoffnung der ganzen Gemeinde zu vertiefen, zu erweitern und zu bereichern, doch niemals abgelöst von dem Glauben und dem ganzen religiösen Leben der Gemeinde, niemals gleichsam isoliert, etwas für sich Bestehendes sein kann. Auch die Hoffnung des Einzelnen ist ein Stück geistigen Gemeindeguts, und je bedeutungsvoller, je weiter greifend, je mehr auf die geistige Gesamtentwicklung der Gemeinde gerichtet die Hoffnung erscheint, die etwa ein einzelner Prophet musterhaft ausspricht, desto gewisser hat sie auch ihre innerliche Verknüpfung mit dem Glauben, dem Hoffen, dem Leben der Gesamtgemeinde. Diese Gottesgemeinschaft, glaubensvolle Hoffnung und gehorsame Hingebung ebensowohl fordernd als gewährend, wird uns zuerst in Abraham vor Augen gestellt. Unter einer Verheißung, deren Segen von vornherein allen Geschlechtern auf Erden zugesprochen wird, wird Abraham aus seiner natürlichen Heimat in das Land geleitet, das eine neue Heimat im höheren, geistigen Sinn werden sollte. In der festen engen Grenze der einen gewählten Geschlechtslinie soll die Hoffnung wachsen und erstarken, die dereinst allen Geschlechtern auf Erden zugute kommen soll. Abraham gehört zu den größten Meistern in der heiligen Kunst des Höffens. Die Hoffnung, die aus dem Glauben an die alten, den frommen Urvätern erteilten Gottesverheißungen erwuchs, hat die werdende Volksgemeinde unter dem Druck Egyptens aufrecht erhalten und hat ihre Führer und Berater, vor allen andern das erste Haupt des Volkes, den Mittler des Bundes, Mose, jenen gottbegeisterten Helden des Glaubens und der Tat, zu ihrem einzigartigen Werk tüchtig gemacht. Mit allen Wurzeln seines Lebens haftet Mose in dem Gott der Väter,

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