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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-04-07 · 14 (7.4.1905) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
14 (7.4.1905)
Date
1905-04-07
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Zeitschrift für die Gefamtiiltereffkil des Judentums. Webst dem Weibtcett: Jüdisches Littercrturblütt. Erscheint an jedem Freitag I Redaktion und Verlag: Bezugspreis vierteljährlich: das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal.! Merlin 6., Woß-Straße 3 Dentschland tt. Österreich-Ungarn 3.— Mk. Alle Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. Telephon: Amt I, 5729. alle anderen Länder 3.50 Mk. Anzeigen für die Ispaltige Petitzeile 30 Pf. Alle Annoncen-Expeditionen nehmen Anzeigen entgegen. Kummer 14. Keritrr. 7. April 1905. 14. Jahrgang. Alle, auch für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitten wir an die Adresse Israelitische Wochenschrift Berlin C., Roß-Straße 3. Die heutige Nummer enthält das Jüdische Litteraturblatt Nr. 7. Inhalt. Artikel: Zur Bekämpfung des unbewußt Nationalen im Gefühlsleben der modernen Juden. Entgegnung von Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. (Schluß.) — Jahrbuch der jüdisch-theologischen Gesellschaft. Von Rabbiner Dr. Beer mann-Insterburg. — Das hellenistische Judentum. I V. Von Rabbiner Dr. Beermann-Jnsterburg. — Politik: Verletzung der Wehrpflicht seitens der Juden. — Ein Opfer seines eigenen Antisemitismus. — Ein Strafverfahren gegen den Grasen Pückler. — Wochenchronik: Wochenkalender. — Berlin: Internationaler Orientalisten-Kongreß. — Tarnowitz: Tod Dr. Emmrichs. — Pieschen: Tod Louis Opplers. — Marien - bad: Ortsgruppe des galizischen Hilfsvereins. — Bingen: Bubenstück. — Alzey: Besetzung der Rabbinerstelle. — Geschäftliche Mitteilungen. — Inserate. Zur Kkkämpsuug des unbewußt Uatiouatru im ";"V '' der modernen Juden. Entgegnung von Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preuß. Stargard. (Schluß.) Coblenz hat vor kurzem schon einmal in dieser Sache das Wort erhoben. Zum 25jährigen Stiftungsfest der „Monatsblätter" hat er in einer Festnummer die unentwegte Festigkeit dieses Blattes bezüglich seiner Grundsätze gepriesen und zum Kampf für den Freisinn aufgefordert. Das letztere schien ihm vorzugsweise nötig zu sein; denn er gesteht, daß die Gleichgiltigkeit der Gebildeten unter den Freisinnigen diese daran hindert, die letzteren Folgerungen aus ihren Ansichten zu ziehen und alles Eigenartigjüdische grundsätzlich für die Gesamtheit über Bord zu werfen. Die gähnende Leere in den Reformsynagogen (sagt Coblenz, nicht wir) droht den Reformgedanken als etwas Ungesundes zu erweisen, während dadurch nur die Gleichgiltigkeit der Großen bewiesen wird. Welch ein Geständnis! Wehmütig blickt der Gestrandete auf die Wogen und gedenkt der Zeit, da er mit vollen Segeln aus den Hafen fuhr! Er kann für seine Götter dieselben Großen nicht mehr begeistern, die einst danach verlangt. Es ist immer das alte Bild. Als der erste Tempel stürzte und mit ihm die Träger des jüdischen Staatsgedankens, da hielt sich in den Geringen und Verachteten der heilige Gedanke, verbunden mit der Ausführung! Die Sadduzäer, vornehme, weltlich gesinnte Priester, innerlich allem Gesetzlichen abhold,treteffspäter aus denLehrhäusern aus, verlieren die Waffen des Geistes, die sie den verachteten Pharisäern überlassen müssen. Mit dem Fall des zweiten Tempels verschwinden sie auch aus dem staatlichen Leben, da es keine Verwaltung mehr gibt — die verachteten Männer der gegensadduzäischen Mffchna werden die Träger des Judentums. Blicken wir in eine andere Zeit! Mendelssohn eröffnet unter dem Widerspruch der strengen Rabbinen ein Zeitalter, das im Sinn des Maimonides Bildung und Glaubenstreue vereinen soll. Die sich seiner Richtung bemächtigen, sie gegen seinen Willen übertreiben, sich als die Fortführer seines Wirkens ausgeben, verlassen die Gemeinde Israels, während seine Grundsätze nach und nach von den Gesetzestreuen ergriffen und festgehalten werden. Daher sind auch heute, wie Coblenz klagt, „die eigentlichen Wortführer des offiziellen Judentums die Anhänger einer mehr oder weniger orthodoxen Minorität", der gegenüber die Mehrzahl (die Liberalen) „durch Gleichgiltigkeit das Recht der Mitarbeit an den zeitgemäßen Ausbau der Religion verwirkt hat". Daher mußten in der Berliner Gemeinde, wenn die Bewerber in die Vertreter gewählt werden sollten, sie erst die Forderung eines Predigtgottesdienstes am Sonntag streichen — horribile dictu! Wenn dem so ist — hat Coblenz damit nicht selbst seiner Richtung die dauernde Unfruchtbarkeit geweissagt? Wer im Leben so zur Seite geworfen wird, der weiß den Lebenden nichts zu geben und von dem wissen sie auch nichts. Solchen Tatsachen gegenüber gibt es keine Klagen und kein empfindsames Sehnen. „Für alte Formen neue schaffen?" Das ist dasselbe, wie mit einem Mal durch Zauberkraft Macht über die Herzen zu gewinnen, aus ihnen die Liebe zum bewährten Alten herauszureißen und sie mit einem Mal mit Liebe zu erfüllen zu derselben Richtung, der sie nach Coblenz eigenem Verständnis fremd sind und fremd bleiben. Das ist also ein fehlerhafter Gedankenkreis, der sich immer um sich selbst dreht. Darin liegt auch die Erklärung für das Ganze. Die Reform konnte ihrem ganzen Wesen nach nur mit Verneinung 666222

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