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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-03-31 · 13 (31.3.1905) · p. Seite 180

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
Seite 180 (sequence 12)
Language
German
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Seite 180. Israelitische Wochenschrift. Nr. 13. verstorbenen hiesigen Oberrabbiners Benjamin Wahl fand am Sonntag vormittag unter großer Beteiligung der ganzen Bevölkerung statt. Im Leichenzug befanden sich der Kreisdirektor Geh. Regierungsrat Dieckmann, Bürgermeister Schlösser und die beiden Beigeordneten, das Kollegium des Gymnasiums, Vertreter der katholischen Geistlichkeit, mehrere Amtsbrüder des Verstorbenen und eine große Zahl hiesiger Bürger aller Konfessionen. In der Synagoge hielten die Rabbiner von Hagenau und Rappoltsweiler, ersterer im Aufträge des Oberkonsistoriums des Unterelsaß, ergreifende Reden, in denen sie mit bewegten Worten die hervorragenden Eigenschaften des Geistes und Herzens schilderten, die den Verstorbenen in so hohem Maße auszeichneten. Am Grabe sprach Rabbiner Dr. Bloch von Dambach tiefempfundene Abschiedsworte, und auch der Vorsitzende der hiesigen israelitischen Gemeinde, Kaufmann Albert Bloch, widmete dem Heimgegangenen am offenen Grabe einen bewegten Nachruf. Der Verstorbene wird hier im besten Andenken bleiben. Stuttgart, 24. März. (Erhöhung der Rabbinergeh ölt er.) Die Finanzkommission der Kammer der Abgeordneten hat bei Beratung des Kapitel 60 (Beitrag zur israelitischen Zentralkirchenkasse) die Erhöhung der Gehälter der Rabbiner nach den Grundsätzen der allgemeinen Gehaltserhöhung vom Fahre 1901 unter Hinweis, daß eine Rechtspflicht des Staates hierzu nicht bestehe, bewilligt. Die vorgeschlagene Erhöhung der Gehälter für israelitische Konfessionsschullehrer und Vorsänger wurde bis zur Aufbesserung der Lehrergehälter überhaupt zurückgestellt. Mainz, 27. März. (Ueber die mittelalterlichen Judenverfolgungen im Rheinland) sprach auf Veranlassung des Komitees im Logenheim Herr Dr. Salfeld-Mainz: Eine wichtige Quelle für die Geschichte der Judenverfolgungen im Mittelalter bildet das „Memorbuch" (Memoriabuch) der Gemeinde Nürnberg. Die Zeit vom 1. August 1298 bis zum Jahre 1349 bot zu den Aufzeichnungen in das Gedenkbuch vielfach Gelegenheit, die Lapidarschrift der Listen spricht beredt von den Opfern, welche in Deutschland während der Kreuzzüge, in der wegen angeblicher Hostienschändung in Franken wütenden Verfolgung von 1298 und in der Zeit der Judenbrände von 1348—49 hingeschlachtet wurden. Wie groß die Zahl der Opfer war, ergibt sich am besten daraus, daß in Worms bei zwei Ueberfällen am 18. und 25. Mai 1096 fast 800 Personen umkamen, während in Mainz am 27. Mai desselben Jahres nach den Quellen 1100 — 1300 Menschen zum Opfer fielen. Redner geht dann noch ausführlich auf die Verfolgungen ein, die durch den im 13. Jahrhundert reproduzierten Blutwahn hervorgerufen wurden. Aber die Zeiten ändern sich: Als im Jahre 1874 die neue Synagoge in Nürnberg eingeweiht wurde, da betonte der Oberbürgermeister Freiherr v. Stamer in seinem Trinkspruch auf die Juden, er freue sich, daß er das wieder gut machen könne, was einer seiner Urahnen an den Juden versündigt habe, denn ein Stamer war die Ursache, daß die Juden aus Nürnberg vertrieben wurden. Sein Urahne handelte im Geist seiner Zeit, und er handle im Geist unserer Zeit. — Redner ermahnte die Anwesenden, sich an dem Opfermut und der Sittlichkeit der Juden des Mittelalters ein Beispiel zu nehmen und getreu dem klassischen Wort zu handeln: „Nicht mit zu hassen, sondern mit zu lieben sind wir da!" Oldenburg, 28. März. (Synagogen-Einweihung.) Eine neue Synagoge ist hier gebaut worden — ohne Orgel — dagegen ist gleichzeitig eine Mikwoh errichtet worden. Die Synagogen-Einweihung fand unter großer Beteiligung aller Kreise unserer Bürgerschaft statt. Se. königl. Hoheit der Großherzog ließ ein Schreiben an den Vorstand richten, worin er sein Bedauern ausspricht, nicht persönlich teilnehmen zu können. Er sandte als Stellvertreter S. Exzellenz Herrn Staatsminister Ruhstrat. Außerdem waren zugegen der Vorsitzende des Oberkirchenrats Geh. Ministerialrat von Finkh, von jedem der drei Regimenter eine Abordnung von Offizieren, der Oberbürgermeister, der Stadtsyndikus, das evangelische Oberschulkollegium, die Schuldirektoren, die benachbarten Rabbiner und viele Behörden und Deputationen. Die Gottesdienstfeier gestaltete sich besonders dadurch so erhebend, daß die Erziehungsanstalt von Ahlem bei Hannover in liebenswürdiger Weise ihren rühmlichst bekannten Knabenchor unter Leitung des Herrn Lehrer Lampe nach Oldenburg gesandt hatte zur Verstärkung unsres Kinderchors, deren hervorragende gesangliche Leistung von der Empore herab mächtig wirkte. Sechs prachtvolle Fenster mit Glasmalereien waren von Herrn Leo Steinberg aus Berlin gespendet worden, mit jüdischen Emblemen, die dem Raum eine weihevolle Stimmung verleihen. Auch einzelne Mitglieder der Gemeinde hatten Gaben gespendet. Die Weiherede von Herrn LanErabbiner Dr. Mannheimer machte auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck. Der Redner nahm die Gelegenheit wahr, einmal vor den Spitzen der Behörden das Wesen des strenggläubigen Judentums mit anerkennenswerter Offenheit darzulegen und darauf hinzuweisen, daß der Antisemitismus dem Christentum mehr schade als dem Judentum. Herrn Dr. Mannheimer wurde von den hervorragenden christlichen Persönlichkeiten begeistertes Lob gespendet — seine Rede hat zweifellos dem Ansehen des Judentums in unserer Stadt sehr viel genützt. Am Abend versammelte sich die Gemeinde zu einem Festbankett in der Union, wo in manchen schönen Toasten der schöne Friede in unserer Gemeinde gefeiert wurde. R. London, 25. März. (Gedenktafel für gefallene jüdische Soldaten.) Hier fand am letzten Sonntag in der großen Westend-Synagoge die Enthüllung einer für 114 im südafrikanischen Krieg gefallene jüdische Soldaten errichteten Gedenktafel statt. Lord Roberts war bei der Feierlichkeit zugegen und bemerkte, daß alle regulären Waffengattungen sowie die Kolonialtruppen Südafrikas, Kanadas und Australiens unter den englisch-jüdischen Gefallenen vertreten waren. Personalnachrichten und kleine Mitteilimken. Die sei? einiger Zeit vakante Stelle eines Rabbiners in Alzey wird am 1. April durch Herrn Rabbiner Dr. Levit aus Hochstädten besetzt. — Am 1. Nissan (6. April) erreicht der bekannte Schriftsteller und Geschichtsforscher S. P. Rabinowitz in Warschau sein 60. Lebensjahr. Der Jubilar hat sich durch seine Uebersetzung der jüdischen Geschichte von Grätz ins Hebräische ein großes Verdienst erworben. — Dem Privatdozenten für innere Medizin an der Universität Berlin, Dr. Ferdinand Blumenthal, ist der Professortitel verliehen worden. Brief- und Fragekayen. M. F.-Königsberg. Ihre Briefe haben wir mit Interesse gelesen und werden uns freuen, wenn Ihre Ansicht, daß Prof. Minkowski in Köln nicht getauft ist, zutrifft. Drei ehrenwerte Herren, denen wir ebenfalls Glauben schenken müssen, sind allerdings der festen Meinung, daß nicht nur die Kinder des Herrn Professors, sondern auch dieser selbst zum Christentum übergetreten ist; und zwar soll die Taufe der Kinder älteren, die des Vaters jüngsten Datums sein. Es stehen also Ihrer Meinung drei andere gegenüber, und wir ersuchen daher 'Herrn Prof. Minkowski — als die einzige IsSfi&i'Ai!.'

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