Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1905-01-01 · No. 6. (1905) · p. Seite 24

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
29 (1905)
Issue
No. 6. (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6492408-6582208-9734555--3375-9606468
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

24 Erich Bischoff. Talmud-Katechismus. XII. 112 S. Leipzig. Grieben. (Auch unter dem Titel: Morgenländische Bücherei. 3.) (Schluß.) Wer aber weiß, daß Sotah und Sabbath Anfang das Streben haben, durch Häufung der Nebenbedingungen das Strafgesetz zu mildern, der wird eine ganz andere Auffassung von diesen Stellen haben. Dazu ist es unerläßlich, die halachisch־geschichtlichen, durch Gleichheit der Sprache und des Geistes nachweisbaren Verbindungslinien zu kennen. (S. unser ״Ueber den Zusammenhang der Mischna“, 1. Teil. Trübner, Straß bürg.) Ein besonderer Abschnitt heißt ״Talmud und Christentum“. Da wird ein gelegentlich der Acherstellen ausgesprochener Satz mit der Lehre der katholischen Kirche verglichen, daß die Sündhaftigkeit des Priesters seiner Amtshandlung keinen Abbruch tut. Verfasser hat vergessen, einen berühmten Satz Ende Joma anzuführen, wo in entschiedener Weise über die Gelehrten abgeurteilt wird, die den Namen Gottes durch ihre Taten entweihen! Er hat an den berühmten Satz ReschLakischs vergessen: Zuerst schmücke dich, dann schmücke andere! Und will Bischoff denn Wohltätigkeit und Krankenbesuch (S. 48), selbst wenn die rechte Sabbatfeier mit ihnen auf einer Stufe steht, nicht zu den guten Werken rechnen? Hält es Bischoff für ein geeignetes Mittel, das Ansehen des Talmuds zu heben, wenn er die reservatio mentalis und den Satz ״der Zweck heiligt die Mittel“ fettgedruckt als im Talmud enthalten hervorkehrt, während uns die großen und erhabenen Grundsätze, die er ebenfalls in sich hat, bei ihm fehlen? Wenn er nun auch den Blut- und Lustmord aus dem Talmud ausschließt, was ist damit geleistet? Der Abschnitt ״aus dem Leben der Rabbirien“ nimmt die Hälfte des Buches ein. So hat Verfasser das Bekannteste am ausgiebigsten behandelt, das am wenigsten Bekannte, die streng gesetzliche Seite, kaum gestreift; im Ganzen mehr Schattenals Lichtseiten im Talmud hervorgehoben, ihn mit einer gewissen Herablassung behandelt. ״Einiges über den Talmud“ hätte sein Buch heißen müssen, nicht ,.Talmudkatechismus“. Wir verlangen ja keine Verhimmelungen des Talmuds; die Gewaltigkeit und Riesenhaftigkeit seines Wesens verträgt gar keine Lobsprüche, sie werden seiner unmeßbaren Größe nicht würdig sein. Aber die Beleuchtung wird keine scharfe, wenn man auf einem anderen Gebiet, sagen wir im Protestantismus, das Bessere sucht und mit Hilfe des Talmuds sozusagen Rabbinismus und römische Kirche herabsetzen will. Wer sich redlich und tief mit dem Talmud abgibt, hat dazu keine Zeit. Ist das Buch anscheinend hauptsächlich für christliche Kreise bestimmt, so wird eine Darstellung, wie wir sie hier bezeichnen, um so bedenklicher. Daß das Judentum die Ueberlieferung so schätzte und schätzt, liegt in seinem Lebenstriebe. Wo sind die Sadduzäer, die Samaritaner, die Karäer hingeraten? Wie ist heute der geistige Zustand der beiden letzteren Sekten? Der Rabbinismus, weil er auf einem unermeßlichen, stets Rätsel bietenden Buch beruht, ist frisch und jugendlich geblieben, seine Bekenner haben stets mitgearbeitet am Bau der allgemeinen Geisteswelt. Und das, weil sie notwendig von Gedanken ausgehen mußten. Ehren wir den Fleiß und die Regsamkeit Bischoffs, ja, erkennen wir seine wohlmeinenden Absichten an! Aber wir ehren ihn am meisten, wenn wir ihm weitere Ziele stecken, als sie hier erreicht worden sind Damit aber e r sie erreichen soll, müssen wir sie erreichen. Nicht in Nebenzügen haben wir dem Talmud gerecht zu werden, sondern in seiner Ganzheit; in der Charakteristik derselben können wir nur dann weiterkommen, wenn wir alle seine Seiten, wie er es selbst wollte, im Zusammenhang mit dem Wachsen und Werden der Halacha wie ihrer Gestaltung betrachten. Uebersetzungen sind genügend da, um sie zu verbessern und aus ihnen zu lernen. Texte bietet der Talmud selbst genug, und einzelne Lesarten werden auch nur einzelnes beleuchten. Er selbst droht uns zu entschwinden. Haben wir diese Gefahr erkannt und arbeiten wir i h r entgegon, dann wird auch Bischoff bei seinem regen Eifer später Vollendeteres bieten. Predigtumrisse. 1פ' פרה — •צ• — Die vier Sabbate. — Israel bedarf stets des Bewußtseins, der Vorbereitung auf kommende Zeitpunkte, es will von ihnen nicht überrascht werden. Besonders wenn es Freiheitsfeste sind. Wer wahrhaft frei werden will, der opfere, wie uns Schekalim lehrt, von seinen Mitteln und seiner Kraft zum Bestehen des Ganzen und seines Heiligtums, er vergesse nie, wie uns Sachor mahnt, daß Gegner unser sittliches Verhalten bewachen, stets bereit, uns anzugreifen, wenn wir Gottes Namen entweihen, darum, wie wir aus Parah ersehen, banne er das Tierische, das Niederziehende, die Leidenschaft, aus dem Lager Israels, sie durch die Flamme des edeln Eifers verzehrend -י dann ist, wie Hachodesch uns verkündet, der Nissan für uns wahrhaft der Monat des Frühlings, der Selbsterneuerung, der Freiheit, die da dauert, weil sie in uns wohnt. פ' החדש — •שמיני• — Israel soll befreit werden, aber zuerst sieb geistig selbst befreien. Das bisher angebetete Lamm soll geopfert werden. — Lossagung vom bisherigen Aberglauben und dessen mutige Beseitigung. Die Pfoste zeige das Zeichen des Opfers — frei und offen verkünde der Jude seinen Glauben und schäme sich desselben nicht! Durch die Pfoste, die der Aberglauben verlassen, schleicht er sich leicht wieder ein. Mit dem Brote des Elends und dem Bitterkraute genieße das Peßachopfer— vergiß im Glück die herbe Vergangenheit nicht, wie ein Emporkömmling, der sich der Armen schämt! Und bleibe frei und laß Dich nicht locken, solltest Du auch das Brot des Elends und des Bitterkrauts im Leben genießen müssen — bleibe Dir getreu! Im Familienkreise soll das Opfer gegessen werden — der Gottesdienst im Hause hat Israel erhalten. Wanderschuhe und Wanderstäbe mahnen daran, wie Israel stets in der Geschichte zu wandern hatte, wie wenig stetige Wohnungen es fand! Aber um Mitternacht, da es am dunkelsten ist, tönt der Freiheitsruf, und am Morgen freut sich Israel, das Land der Sklaverei verlassend, der schwer errungenen Freiheit. — Anwendung auf die Vergangenheit und auf unsere Zeit. Briefkasten. Herrn B in T. — Allerdings halte ich an der in der Einleitung zu meiner ״Mischna, Aufbau und Quellenscheidung“ (Straßburg. Trübner) ausgesprochenen Auffassung fest, daß die Gemara der Quellenforschung der Mischna geradezu entgegenstrebt. Dem Amoräer genügt es, wenn seine Satzung der Mischna nur nicht geradezu widerspricht, wenn er sie durch Hineintragung einiger Nebenbedingungen mit der Mischna in Einklang bringen kann. Er will und muß (da Rabbi die vorliegende Mischna in diese Form gebraucht hat, mit Recht) darin eine Einheit sehen oder seiner Halakha fehlt, ״die mischnische Grundlage“. Wir dagegen müssen die ursprüngliche Verschiedenheit der Schulen, Quellen, auf welche die Gemara nur zu Zeiten hinweist, herausfinden. Natürlich erhält die Mischna dadurch ihren einfachen Ursinn wieder. Die Gemara behält, halakhisch betrachtet, als Trägerin des wirklichen Lebens ihre vollkommene Wahrheit, und da tritt die Aufgabe hervor, die Entwicklung des Dijuk Mathnithin von Rabbi aus durch die Amoräer hin zu untersuchen. Inhalt der Nummer 6. Wissenschaftliche Aufsätze: Habakuk — Nahum — Joel. Von Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal. ((Schluß.) Literaturbericht. Rezensionen: Zweiundzwanzigster Bericht über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Von Dr. J. Elbogen. Das Judentum und das Wesen des Christentums. Von Dr. Joseph Eschelbacher. Das Wesen des Judentums. Von Dr. Leo Bäck. — ErichBischoff, Talmud-Katechismus. — Predigtumrisse. — Briefkasten. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal i in Preußisch Stargard. 1 Druck von Arthur Scholem, Berlin,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.