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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-02-24 · 8 (24.2.1905) · p. Seite 106

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
8 (24.2.1905)
Date
1905-02-24
Page
Seite 106 (sequence 6)
Language
German
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Seite 106 Nr. 8 eines in der Phantasie des Herrn Professor Delm Von Rabbiner Dr. I. Niemirower-Jassy. (Fortsetzung.)*) handenen „denkenden Babyloniers". Der „denkende Babylon, konnte möglicherweise auf der Höhe eines modernen Assyriologreprofeffors stehen, aber den Typus des Babyloniers machte er nicht aus, genau so wenig, wie umgekehrt Herr Professor Friedrich Delitzsch der Typus eines wissenschaftlichen Mannes ist. Wiederum ist es selbstverständlich und bedurfte nicht erst eines Beweises, daß poetische Auffassung und poetische Bilder bei Israeliten und Babyloniern Verwandtschaften aufweisen, daß in den zeitlich und räumlich nahen Kulturen auch die Gedichtformen eine gewisse, manchmal sogar große Aehnlichkeit zeigen. Wenn aber Professor Delitzsch daraus schließt, daß das religiös-sittliche Gefühl des babylonischen Volkes trotz des polytheistischen Charakters seines Glaubens und Kultus nicht gelitten habe, so beweist er eine Milde und Weitherzigkeit, die über die Milde und Weitherzigkeit Jesu weit hinausgeht. Jesus trieb die Wechsler aus dem Vorhof des Tempels — Professor Delitzsch nimmt an noch ganz anderen Dingen in den babylonischen Tempeln keinen Anstoß und findet sie mit unversehrtem religiös-sittlichem Gefühl vereinbar. Ein nicht allzu schweres Rätsel, dessen Lösung wir aber an dieser Stelle verschmähen, gibt Herr Professor Delitzsch auf, indem er immer wieder auf den jüdischen „Nationalgott" zurückkommt, der eben nur der Gott der Juden gewesen sei, während doch die Propheten mit einer die Augen aufreißenden Deutlichkeit von dem Judengott als dem Gott der ganzen Welt sprechen, zu dem alle Völker sich bekennen sollen und dereinst bekennen werden. Wir konstatieren nur, daß Delitzsch bei dieser irrigen und verkennenden Auffassung verharrt, und daran die Versicherung knüpft, daß Jesus von Nazareth in Galiläa die Schranken niedergerissen habe, die partikularistische Volksgötterei zwischen Gott und der Welt aufgerichtet hatte. Professor Delitzsch läßt auch die Aufhebung der Speisegesetze durch Jesus anordnen, während unseres Wissens der Apostel Petrus dieses Verdienst sich zugeschrieben hat. Er macht Jesus zum Vater des Gebets im stillen Kämmerlein, während das jüdische Gebet weit älter ist als Jesus. Er versichert, daß Jesus unter Beseitigung aller vermeintlichen Prärogative allen Menschen und Völkern den freien und unmittelbaren Zutritt zu ihrem Vater im Himmel geöffnet, die Nächstenliebe von den ihr noch anhaftenden Schranken befreit und überhaupt die menschlich-persönliche Vorstellung von Gott durch die ewig bleibenden Worte vergeistigt habe: „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten" — während es doch, wie Herr Professor Friedrich Delitzsch wissen konnte und wissen müßte, nach jüdischer Anschauung keine Prärogative Gott gegenüber gibt, König Salomo in seinem Tempelweihegebet aller Völker Bitten der erhörenden Gunst Gottes empfiehlt, die Nächstenliebe nach jüdischer Anschauung ohne Schranken ist, und Mose die Lehre von Gott als Geist verkündet hat. Weshalb Professor Friedrich Delitzsch, der kein Theologe ist und theologische Rücksichten nicht zu nehmen braucht, an dieser Erkenntnis vorübergeht, das mögen andere sagen. Wir aber wollen nicht verhehlen, daß die Begeisterung, mit der Professor Friedrich Delitzsch am Schluß seines Vortrags von Jesus als dem Begründer einer wahrhaft neuen Religion spricht, auf uns einen peinlichen Eindruck macht, der noch viel peinlicher wäre, wenn wir dem Christentum nicht mit dem Wohlwollen des Verwandten, sondern mit der eifersüchtigen Liebe eines Angehörigen gegenüberstünden. Daß man vor Christus knieend anbeten mag, haben ungezählte Millionen seit vielen Jahrhunderten bewiesen — Professor Friedrich Delitzsch hat gezeigt, ivie man vor Christus Kotau macht. M. A. Klausner. III. Aus der dritten Periode (bis Untergang des jüdischen Staates). 13 l. Die Juden unter persischer Herrschaft. 132. Alexander der Große und die Juden. 133. Die Juden unter ptolomeisch-egyptischer Herrschaft. 134. Die Septuaginta. 135. Josef ben Tobia und der Einzug griechischer Sitten und Unsitten in Palästina. 136. Die Juden unter seleucidisch-syrischer Herrschaft. 137. Die Sprüche Sirachs im Vergleich zu den Sprüchen der alten Hebräer. 138. Die Hellenistenpartei und ihre Führer. 139. Menelaus als Talent des Bösen und Charaktertypus. 140. Die Makkabäerkämpfe. 141. Heldengalerie der Hasmonäer. 142. Märtyrer in der Hellenenzeit. 143. Parallele zwischen Gideon, David und Juda Makkabi. 144. Juda Makkabi. 145. Die Juden unter hasmonäischer Herrschaft. 146. Chelkia und Anania in Egypten. 147. Pharisäer, Sadducäer und Essäer. 148. Sieg der Sadducäer in der Zeit Alexander Jannais und Sieg der Pharisäer unter der Regierung der Königin Salome Alexandra. 149. Sadducäerführer Jonathan und Diogenes. 150. Simon ben Schetachs Taten und Leiden. 151. Entwicklung der Lehre und der Praxis von Simon dem Gerechten bis Simon öen Schetach. 152. Athalia und Salome Alexandra. 153. Hasmonäischer Bruderstreit um die Krone und seine bösen Folgen. 154. Pompejus, Crassus, Cicero, Cäsar, Antonius in ihrem Verhältnis zu den Juden. 155. Frauen des hasmonäischen Hauses. 156. Die Apokryphen. 157. Das Hiobproblem im apokryphischen Schrifttum. 158. Religionsphilosophie und Ethik im apokryphischen Schrifttum. 159. Midraschliteratur in den Apokryphen. 160. Anteil des Essäismus, Pharisäismus und Sadducäismus an den Apokryphen. 161. Parallele zwischen den hasmonäischen und herodeischen Herrschern. 162. Jerobeam und Herodes. 163. Geschichte des zweiten Tempels. 164. Hohepriester des ersten Tempels und Hohepriester des zweiten Tempels. 165. Geschichte des Synhendronismus unter den Herodianern. 166. Hillel und Schamai und ihre Schulen. 167. „Simon ben Schetach und Hillel." 168. Die Rolle der egyptischen Juden zur Zeit des Johann Hyrkanos, Alexander Jannai und Herodes. 169. Der Einfluß der babylonischen Juden von Jojachin bis Hillel. *) Außer den hier aufgeführten Themen hat uns der Herr Verfasser noch einige hundert andere zur Verfügung gestellt, die spätere Perioden der jüdischen Geschichte bearbeiten und von denen nur gelegentlich Gebrauch machen werde):.

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