Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 2 (13.1.1905)
- Date
- 1905-01-13
- Page
- Seite 27 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 2. Israelitische Wochenschrift. Seite 27. Die Töne sind leise, schmelzend, bebend; sie erzählen von den Vorgängen, die sich in der Seele der Sängerin abspielen. Und wiederum sind es andere Bilder, die vor Basche-Lea auftauchen. Sie sieht sich als Köchin im Hause eines reichen Mannes, vor dessen Zudringlichkeit sie sich nicht zu bergen weiß. Aber schnell möchte ihre Phantasie über diese peinliche Erinnerung hinweghuschen — und die Gäste gewahren am Gesang ein steigendes Tempo. . . Und wie nun Basche-Lea weiter daran denkt, wie froh und unverzagt, wie frisch und lebendig sie einst gewesen, — da wird sie von Wehmut und Aerger zugleich ergriffen, sie weiß nicht warum, — und ihre Stimme wird immer leiser, immer leiser, als ob sich die Sängerin schämte. — Und einmal, da hatte Basche-Lea in großer Gefahr geschwebt: ihr drohte Gewalt! Und wiederum beginnt die Stimme zu zittern und zu schmelzen; die Sängerin weint wohl! . . . Und rasch durchlebt Basche-Lea nun in Gedanken ihr ganzes ferneres Leben. Da ist die Liebe, die sich, ihr selbst unbewußt, in die Seele schleicht. Dann die glücklichen Stunden, die sie mit ihrem Freunde auf dem Hausflur verbringt, wenn sich alle im Hause zur Ruhe begeben haben, und dann der Hochzeitsabend, an dem sie sich so überaus glücklich fühlte, daß sie sogar ein munteres Lied anstimmte. Und endlich die schweren Jahre des Ehestands, die bittere Not, das Leben „von der Hand in den Mund". Die nunmehr völlig hereingebrochene Dunkelheit stimmt die Sängerin immer trauriger und trüber. . . Und alle ringsum sind wie verzaubert, wie zu Stein erstarrt. Man wagt sich nicht zu regen, man wagt kaum zu atmen. Das siebenjährige Töchterchen lehnt sich an die Kniee irgend eines Mädchens, stützt mit beiden Händen ihren kleinen Kopf und läßt keinen Blick von der Mutter. Ihr kleines Gesichtchen ist gerötet, ihre Augen glühen, und das kleine Herz schlägt ungestüm in der kleinen Brust. Im Sommer, bei geöffnetem Fenster, erklingt Vasche-Leas Stimme weithin durch die arme Gasse. An den Türen und Toren der baufälligen Häuschen sitzen die armen Einwohnerinnen des Gäßchens, die Köpfe auf die Hände gestützt; leise stimmen sie mit ein in den Gesang Basche- Leas, und sie haben weder die Lust noch die Kraft, sich von ihrem Platz zu erheben, sich von Basche-Leas bezaubernden Gesang loszureißen, der auch in ihnen schmerzliche Erinnerungen wachruft. Aber gegenüber, in der finsteren Betstube der Schneider, verrichtet man gerade das Abendgebet. In der Stube ist es noch dunkel, und die Gemeinde betet unter dem Einfluß der melancholisch stimmenden Dämmerung, andächtig und innig. Doch da mit einemmal tönt der Gesang Basche-Leas herüber — und die Andacht ist gestört. Die Gedanken der Betenden verwirren sich, ihre düsteren Züge klären sich auf, das eifrige Hin- und Herbewegen des Körpers läßt nach, und die Lippen öffnen und schließen sich immer langsamer. Nur der fromme Rabbi bleibt standhaft; er reibt sich die Stirn, um die bösen Gedanken zu verscheuchen. Er ruft laut: „Na was ist denn das!" Die Worte wirken ernüchternd auf die ganze Gemeinde. Man rafft sich zusammen, man beginnt -wieder inbrünstig zu beten, den Körper hin- und herbewegend. Aber das Herz, das bleibt wie zusammengeschnürt. Noch ein hoher, langgedehnter Ton erklingt, und dann wird's still. Basche-Lea hat ihren Gesang beendet. — Die Gäste atmen tief auf. Es entsteht ein Geräusch, — Stimmen werden laut, — man lobt die Sängerin: — „Ei, das war gesungen!" — „Ist das eine Stimme!" — „Ja, das nenn ich ein Weib!" — Nur das kleine Töchterchen läuft zur Mutter hin, umschlingt ihren Hals und schmiegt sich an sie so derb, so fest . . . „Mutter, ich liebe dich so sehr", ruft sie mit dem ganzen Feuer kindlicher Zärtlichkeit. Und der Mann kriecht vom Ofen herunter und fragt mit tränenbebender Stimme: „Nun, was sagt ihr zu meinem Altchen? was?" Basche-Lea lächelt von neuem. Uries- und Lragekcisten. Frankfurter Zeitung: In Ihrer Nummer vom 3. Januar 1905 findet sich folgendes Inserat: „Für jungen Kaufmann, 25 Jahre, katholisch, von tadellosem Ruf, stattlich und schön, von angesehenster Familie einer Großstadt Süddeutschlands, Mitinhaber einer bedeutenden Firma, wird eine wohlerzogene häusliche Dame gesucht mit einer Mitgift von Mark 100—150 000 zum Einschuß in altbewährtes Geschäft. Israelitin, die bereit wäre, sich taufen zu lassen, nicht ausgeschlossen." Wir glauben, daß der junge Mann für 200 000 Mark auch eine ungetanste Israelitin (schönes Wort!) nehmen und für 250 000 Mark selbst zum Judentum übertreten würde. Staatliche Auszeichnung. Aus der im Oktober v. Js. in Posen stattgehabten allgemeinen Ausstellung für Hotelwesen, Volkshygiene, Kochkunst, Armeeverpslegung, Gastwirtschaft rmd Volksernährung erhielt die Maggi-Gesellschaft wieder die höchste Auszeichnung, nämlich die silberne Staatsmedaille von Sachsen- Koburg und Gotha sowie die goldene Ausstellungs-Medaille. Mk. I—, 1.20, 1.40, 1.50, 1,60, 1.70, 1.80, 1.90, 2.— pro »/* Ko. Käuflich in fast allen Gesrhäfton der Konsumbranche und den eigenen Filialen der Firma A. Zuntz sei. Wwe. Probe-Ausschank: Leipzigerstr. 83 und Spittelmarkt 8-10. I ■ Echt. Bier, Brauerei Sandler. 30 Flaschen a l/4 Liter 3 Mark empfiehlt Amt in, 8487. Paul Schilling 22 Kleine Hamburger Straße 22. ] Bad Bahnhof Börjse C«, Dircksen-Straße 50, am Hackeschen Markt, Hohenstaufen-Bad W., Goltz-Straße 40a, am Winterfeld-Platz empfehlen Dampfbäder, Wannenbäder sowie mediz. Bäder aller Art. 148944