Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 1 (6.1.1905)
- Date
- 1905-01-06
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitschrift für die Gefamtinteressen des Indentums. Webst dem Weibl'cetl: Jüdisches Littercrtuvbbcrtt. Erscheint an jedem Freitag Redaktion und Verlag: Bezugspreis vierteljährlich: das jüdische Litteraturblatt monatlich zweiuml. j I!krkin ()., Itoß-Straße 3 | Deutschland u. Österreich-Ungarn 3. 99if. Alle Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. ' Telephon: Amt I, 5729. alle anderen Länder 3.50 Mk. Anzeigen für die Ispaltige Petitzeile 30 Pf. Alle Annoncen-Expeditionen nehmen Anzeigen entgegen. Unriinrer 1. Kerl irr» 0. Januar 1905. 14. Jahrgang. Alle, auch für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitten wir an d e Adresse I s r a e l i t i s ch-e W o ch e n s ch r i f t Bellin C., Rost Straße 3 An unsre Leser. Zu unserem großen Bedauern ist Herr M. A. Klausner, der viele Jahre unsre Redaktion geleitet hat, wegen Ueberlastung mit andern Berufsarbeiten zurückgetreten. Wir sagen ihm an dieser Stelle, an der er so oft zu unfern Lesern gesprochen hat, für die jahrelange niühevolle Arbeit, die er im Interesse des Judentums geleistet hat, unfern besten Dank. Wir werden die „Israelitische Wochenschrift" in seinem Sinne weiter führen und sind sicher, daß ihm sein reges Interesse für alles Jüdische noch oft die Feder in die Hand drücken und er seine Meinung dann in unsrer Wochenschrift zum Ausdruck bringen wird. Verlag der „3$raeliti$dnn Wochenschrift“ I Arthur Scholem. Inhalt. Artikel: Der Streit um die „Fremden". — Der prophetische und der apokalyptische Messias. Von Dr. B. Selig kowitz-Köthen. — Ein jüdischer Atheistentempel in New Jork. — Jüdische Studentenverbindungen. — Repräsentanten-Versammlung. — Der Jude in der russischen Literatur. Von G. Savitsch. — Sprechsaal: Jahrzeit. Von Oscar Berlin. — Aufruf. — Literarisches: Die Frauen des Orients. Von A. Freih. von Schweiger-Lerchenfeld. — Das neue Jerusalem. — Lieder und Zähren. Von Otto Glogau-Nikolsburg. — Politik: Konservative moralische Entrüstung. — Aus dem Parteitag der Sozialdemokraten Preußens. — Die Behandlung russischer Rekruten. — Die Interpellation der freisinnigen Volkspartei gegen den Dreschgrafen. — Graf Pückler hat doch gesprochen. — Wochenchronik: Wochenkalender. — Berlin: Das „Berliner Tageblatt" gegen die Taufe. .— Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. — Vereinigung traditionell gesetzestreuer Rabbiner. — Vorträge in der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. — Verein jüdischer Arbeiterkolonie. — Schöueberg: Mischehen. — Hamburg: Ein Nesse Heinrich Heines. — Rituelle Verpflegung auf den Dampfern der Hamburg-Amerika-Linie. — Pflaum loch (Württemberg): Auflösung einer Gemeinde. — Kassel: Verbandstag der israelitischen Lehrervereine Deutschlands. — Braunschweig: Deutsche Wochenzeitung. — Posen: 70. Geburtstag. — Duna-Szerdahely (Ungarn): Der getaufte Jude. — Odessa: Ein Polizeimeister vov dem Kriegsgericht. — P ersona ln ach richten undkleineMitteilungen. —Feuilleton: Sabbat. Von Hermann Heijersmann jr. (Fortsetzung.) Inserate. Der Streit um die „Fremden". Jüngst hat der frühere britische Kolonialminister Chamberlain im East-End von London eine Rede gehalten, die nicht nur in England, sondern auch auf dem Kontinent wegen einiger beigeflochtenen Bemerkungen großes Aufsehen erregt hat. Die Fremdeneinwanderung flies: Einwanderung armer Juden) ist von konservativen Politikern des Jnselreichs seit einer Reihe von Jahren zu einem Gegenstand heftiger Kämpfe gemacht worden. Bisher trug dieser Streit einen allerdings mehr akademischen Charakter, weil sich gerade diejenigen Kreise der Bevölkerung, die durch die Fremdeneinwanderung angeblich am meisten geschädigt werden, an den Diskussionen nur wenig oder gärnicht beteiligten. Durch Herrn Chamberlains Bemühung ist diese Frage nun in eine neue Phase der Behandlung getreten. Der Exminister begab sich nämlich nach dem Osten Londons, in den Stadtteil, der die großen Massen russischer und rumänischer Juden beherbergt, um die arbeitenden Klassen für seine bekannte Schutzzollpolitik zu gewinnen. Mehr als 4000 Personen lauschten den Worten dieses gediegenen Redners, der die Aufgabe hätte, den Proletariern und Hungerleidern klar zu machen, daß die Verteuerung der Lebtnsmittel eine segensreiche Wirkung auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der ganzen Nation ausüben müsse. Wahrlich, ein hartes Stück Arbeit! Denn die armen Teufel von Tagelöhnern und Straßenhändlern besitzen ja von vornherein nicht den opferfreudigen Idealismus, um sich sagen zu können: wir wollen die Bedürfnisse des Magens ein wenig einschränken, damit die britische Landwirtschaft und Industrie gehoben werde. Chamberlain ist viel zu klug, als daß er hätte glauben können, es werde ihm durch seine nationalökonomischen Argumente gelingen, den berechtigten Egoismus der Proletarier zu überwinden. Und da machte er's wie ein jüdischer Maggiv, dem in der Predigt die logischen