Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 27 (1903)
- Issue
- No. ?. (Jahrg. 27)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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feiner!Rebe acjw<^»gygaien Gottesdienstes, Seite 9). mpinW^nräus ist ersichtlich, daß Zunz alle die von mir oben angeführten Stellen gar nicht berücksichtigte, sondern die Haskara einfach als der Christliehen Liturgie entnommen ansah. Unsere heutige Seelenfeier entspricht mehr dem ״Zeitgeiste1‘ als der Frömmigkeit, es spielt bei dem ganzen Akte ״die Pietät“ eine Rolle, da wir in Rührung gedenken der Wohltaten, welche die Verklärten uns erwiesen, der Tugenden, womit sie uns vorangeleuchtet; wie spenden aus Dankbarkeit und Liebe, um ihr Andenken zu ehren, nicht aber, um ihre Seelen durch unsere Gaben zu erlösen, damit durch unsere Gaben Gott ihrer zum Guten gedenke. Neue Schriften Uber die talmudische Zeit. 1. Dr. Joseph Klausner. Die messianischen Vorstellungen des jüdischen Volkes im Zeitalter der Tannaiten, kritisch untersucht und im Rahmen der Zeitgeschichte dargestellt. V und 119 Seiten. Berlin. Poppelauer. 1904. 2,50 Mk. Die Hoffnungen Israels auf einen Erlöser haben schon manche Federn neuerer Forscher in Bewegung gesetzt. Ist es doch der Messiasgedanke, der religionsgründend nach außen hin gewirkt, in Israel die Kraft zum Ertragen der schwersten Verfolgungen gemehrt und den Antrieb zur Selbsterkenntnis und zur Veredlung des Judentums geboten hat. Die bisher erschienenen Werke über diesen Gegenstand beschäftigen sich entweder mit einer besonderen Einzelheit, oder sie treten an das talmudische Schrifttum nicht heran, und wenn sie es tun, dann reihen sie die Sätze, die der Talmud darüber bietet, aneinander, ohne die verschiedenen Zeitalter der überliefernden Weisen auseinander zu halten. Welch ein weiter Zeitraum trennt nicht die tannaitischen Midraschim von den letzten agadischen Erzeugnissen, die erst aus dem zwölften Jahrhundert stammen können! Verfasser unterscheidet die Zeit vor dem Barkochbakriege und die Zeit danach. Auf das Werden des Messiasgedankens, also auf die vor talmudische Zeit geht er nicht ein, da dieselbe schon von anderen mehrfach behandelt worden ist. Bis zum Fall des Tempels finden sich, wie Verfasser zeigt, wenig oder keine messianischen Aus- Sprüche talmudischer Weisen. Als aber die Staatliehe Selbständigkeit dahin war, trat die altprophetische Messiashoffnung in den Vordergrund, und zwar von seiten der Hoffnung auf ein Staatsleben aus. Verfasser meint, daß der Messias nach den damaligen Anschauungen nicht von David abzustammen braucht, da Akiba den Barkochba ohne weiteres zum Messias ausgerufen hat. Als dieser aber den Satz דרך בוכב מיעקב auf ihn anwandte, als er, der Frommgläubige, seiner inneren Stimme folgend, diese als Gottes Stimme ansah, wird er auch sicher dessen Abstammung von David als selbstverständlich angenommen haben. Hielten sich doch die Makkabäer selbst nicht für die Gesalbten der Messiaszeit, weil sie nicht von David stammten. Es läßt sich vielmehr nachweisen, daß gerade in der vorhadrianischen Zeit man sich mit dem Vorrecht der davidischen Familie viel befaßt hat, wozu ja das Vorherrschen des Nassihauses den besten Anlaß bot. Und da sollte man einen nichtdavidischen Messias anerkannt haben? Gerade auf David gingen ja die staatlichen und freiheitlichen Hoffnungen Israels zurück. Glaubte man also, daß Barkochba der Messias sei, ja, daß man berechtigt sei, sich ohne göttliche Zeichen selbst zu erheben (das hat, wie wir wo anders gezeigt, einen großen Streit gekostet), so glaubte man auch, daß Barkochba alle Erfordernisse eines Messias in sich vereinigt. Wenn Verfasser selbst anführt, daß die Kaiser den Davididen nachspüren ließen, um keine Empörungen durch sie möglich bleiben zu lassen, so ergibt sich schon daraus, daß die Forderung davidischer Abstammung unerläßlich war. Und von Akiba sollten keine messianischen Sätze da sein? Die vom Verfasser angeführte Mischna Edujoth 210 steht nicht allein; sie hat neben sich eine andere, welche die alexandrinische Ueberlieferung enthält, Israel sei nicht 400 Jahre in Egypten gewesen; das Verdienst der Väter hätte die Zeit der Freiheit beschleunigt. Ja, wenn dort die Leiden Hiobs ein Jahr dauern, so ist Hiob das Sinnbild des unterdrückten Israels. Diesen Sätzen entsprechen viele Mechiltaabschnitte, die im Geist Akibas die Hoffnungen jener Zeit predigen. Die Opferhalacha, meint Verfasser, ist nur darum damals behandelt worden, weil man an die baldige Befreiung glaubte. Nach Eleasar ben Asarjas Zeitgenossen, also wohl Akiba und Ismael, ist nicht nur das Gebet Gottesdienst, sondern auch das Lernen. Weshalb sonst ist in trauriger Zeit der Satz ausgesprochen worden, das Lernen bringe zur Tat? Schon in dieser Zeit sollte das Lernen der Opferhalacha das Opfer selbst ersetzen. Hätte man ohne diese Hoffnungen etwa die Tempelgesetze in Vergessenheit sinken lassen? Nach dem Fall Bethars tritt die staatliche Seite des Messiasgedankens zurück (wie wir ebenfalls an anderer Stelle gezeigt haben), und die Tannaiten sprechen statt von dem kämpfenden von dem leidenden Messias. Der Messias ben Joseph muß sterben, der Retter der Zukunft wird durch seine geistige Ueberlegenheit ohne Kampf die Völker überwinden. Der Messias kommt unerwartet, niemand sieht ihn voraus. Aber wenn sich die Gestalt des Messias auch vergeistigt hat, ganz und gar sind in der tannaitischen Zeit die politischen Hoffnungen nicht gewichen. Die Amoräerzeit entfernt die Juden immer mehr vom heimatlichen Boden und da zeigen die messianischen Hoffnungen entweder hochfliegende Bilder, oder sie traten ganz zurück, wie bei den Amoräern Hillel und R. Jehuda. Die berühmte Deutung von השבעתי אתכם etc. braucht trotzdem nicht amoräisch zu sein, sie ist in der Septuaginta zum Hohenliedc