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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1903-01-01 · No. ?. (Jahrg. 27) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
27 (1903)
Issue
No. ?. (Jahrg. 27)
Date
1903-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Und unvermittelt geht die Darstellung weiter. Die Beziehungen zeigt ein genauerer Einblick. Gerade diese Züge machen die Gesänge feierlich, odenartig. Wer dies uns als zu allgemein nicht zugeben kann, der höre folgendes: Nah. 17b ״Er kennt, die bei ihm sich bergen, Doch mit brausender Flut Macht er ihre Stätte zunichte — Und seinen Feinden folgt Dunkel.“ Und <!687 ׳ .,Die Einsamen bringt Gott in das Haus, Gefangene führt er zum Glücke hervor, Doch Abirrende weilen im Oedland.“ Dies ואויביו ירדף חשך, dies יאף סוררים שכנו צחיחה beides Nachsätze, muß man als Gleichheit der Wortfolge und demnach der Dichterempfindung betrachten. Der Gegensatz, mit welchem Gott im Verhältnis zu seinen Freunden und Feinden steht, findet sich wie im Nahum, so 683 <!׳ ,,Wie Wachs vor Feuer schmilzt, So schwinden die Frevler vor Gott, Doch die Gerechten jubeln . . Vergleiche man damit den Schluß des Deboraliedes: ״So schwinden all’ deine Feinde, Herr, Doch seine Freunde, Wie Sonne geht hervor in ihrer Kraft.“ Immer dies beredte וצדיקים ואויביו, ואהביו ו als Zeichen des Gegensatzes: Deutlicher erkennbar ist folgendes: Nahum 19 ״Was denkt ihr von Gott? Er übt Vernichtung! Nicht zweimal kommt die Not!“ 6817 ׳1׳ ״Was hadert ihr steilen Berge Gegen den Berg, Den Gott zum Sitz sich ersehen?“ Diese plötzliche Frage מה תחשבון, jene andere למה תרצדון ist nur noch zu vergleichen mit jener des Deboraliedes למה ישבת בין המשבחים (Richter 5!6). Um in dem gleichen Kreise zu bleiben, finden wir Nahum 32 וסיס דוהר und im Deboraliede 22 מדהרות דהרות אביריו• Wem diese Ausbeute gering erscheint, der darf auch Hab. 3 nicht in den Kreis dieser Psalme und Thora- und Bibelstücke überhaupt ziehen; ist doch auch da nur auf die Verwandtschaft des Tones im allgemeinen, weniger auf die Gleichheit des Wort- Schatzes hingewiesen worden. Dann hätten wir hier eine neue gemeinsame Seite in Nahum und Habakuk gefunden, die sich auch noch von diesem aus auf Joel übertragen läßt. (Fortsetzung folgt.) Die Seelenfeier. הוכרת גשמות Von Rabbiner M. Adolph Gerloczi in Fiume. (Schluß) Im Jelamdenu vor dieser Stelle steht der Passus ״ לכך רגילין להוביר המתים בשבח שלא ישובו לניהנםEs ist Gebrauch, der Toten an? sie zur Hölle nicht zurück kehren sone^W^P|U dieser Stelle halten sich genau die Sefardim,!ü halten die öffentliche Haskara nur am Vorabende des Jomkipurs — nach dem Rezitieren des ״Kolnidre“; an jedem Sabbat oder Festtag kann jedoch ein zur Thora Aufgerufener für die Verstorbenen eine ״Haschkaba“ sagen lassen. — Die sefardischen Juden haben überhaupt nicht die Seelenfeier, weil diese weder im Hamanhig noch Maimonides sich vorfindet. Minhag Aschkenas auch nicht.*) — Aus den älteren liturgischen Schriften und Ritualbüchern seien noch einige Stellen angeführt: Machsor Vitry editio M. N. § 353: פוסקין צדקה ברבים על המתים ובבל הרגלים אתה מוצא פיסוס צדקה ביום סרות איש כמתנת ידו■ Im Szefer Rokeach hagadol von Eleazar aus Worms § 217: ופוסקין צדקה למתים בכל ארץ אשכנז רק היום לבדו• - nämlich nur Jomkipur. Ibid § 219: יפוסקין צדקה עבור אבותיו וקרבן נשמץת לפי שסמון בסוף ואחה תצוה הספורים אחת בשנה יכפר ונתנו איש כופר נפשו לד׳. Diese Stelle ist auch nur für Jomkipur. Dem widerspricht § 297: ובכל המ ועדים פוסקין צדקה בשקורין נל הבכור לפי שכתוב “ כמתנת יח כברכת ד אלוקך. Hier stände zum ersten Mal, daß man an den Fe&v. tagen spendet für die Verstorbenen. Rabbi Zidkiahu bar Abraham, der Verfasser der ,,Schibule Haleket“ bringt eine ausführliche Be- Schreibung der Haskara u. z. § 239; dort werden schon die drei Feste hervorgehoben: וביום שקורין כל הבכור נהגו לפסוק נדבתן לשלש פעמים׳ על שם שלש פעמים בשנה יראה כל וכורך¬ Daher heißt auch diese Feier an den drei Festen : סדר מתנת יד• — Nach Orach Chajim, Magen Abr. At. S. § 621 wird die Seelenfeier am Jomkipur aus dem Grunde abgehälten, weil die Erinnerung an die verstorbenen Angehörigen geeignet ist, den Menschen zu einer an diesem Tage erforderlichen Demut zu stimmen. Manchesmal rief man die frommen Toten an, daß sie für die Lebenden beten sollen, darauf deuten die Worte — וכר צדיק לברכה — Proverb. 10. 7; ebenso beteten nach Talmud babli Taanith 16a die Le'benden manchesmal für die Toten. — שיבקשו עלינו מתים ברחמים — Der Bahnbrecher der jüdischen Wissenschaft Leopold Zunz s. A. entlehnt diese Feier der ״christlichen Liturgie.“ ״Der Gebrauch, in dem Gottesdienste die Namen der Verstorbenen zu verlesen, war schon vor dem neunten Jahrhunderte in der christlichen Liturgie; hieraus entstanden im Abendlande die mit Spenden verbundenen Seelengedächtnisgebete, an welche sich Gebete für Märtyrer — dergleichen auch die alte christliche Kirche kannte — anreiheten. Aus solchen gingen die jetzt üblichen Totenfeiern hervor.“ (Siehe ^■׳י *) Nur der sogenannte ״Minhag Polen.“

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