Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 47 (18.11.1904)
- Date
- 1904-11-18
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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'S Zkitschrist für die Grsamtlütereffk» des Iudeutms. Webst öem WeiSratt: Züöifcbes LittevaturScckll. VeranLw.RedakLl! Al. A. Klausner, Lerliu WM Tauenzienjir. 19 a. Telephon: Amt IX, Ar. 6567. Nr. 47. Verlag: Arthur Schalem Berlin 6., Roßstraße 3. Telephon: Amt 1, Ar. 5729. Post-Aeitungsliste Ar. 393H. Bezugspreis vierteljährlich: Deutschland u. Oesterreich-Uugara 3,0VMK. alle anderen Länder 3,50 MK. Berlin. (8. November \90^. Jahrgang XIII. Erscheint an jedem Freitag, das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal. Zu beziehen durch die Post oder unsere Expedition: Berlin 6.19, Roß-Straße 8. Anzeigen für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 30 Pf. Bei Wiederholungen Preisermäßigung. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen entgegen. Für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitte ich an die Adresse: Berlin W., Tauenzienstr. 19a. M. A. Klausner. Inhalt. Artikel: Die Berliner Repräsentantenwahlen. — Der Verwaltungsbericht des Berliner Gemeindevorstands. — Die Verbands-Pensionskasse. II. Von Ad. Peritz-Königsberg. — Vier Jahre in Persien. Von Confino. — Literarisches: Eine neue Predigtsammlung. — Politik: Der kranke Dreschgraf. — Judenansiedeluugen in Cypern. — Der Krawall-Prozeß in Hornel. — Wochenchromk: Wochenkalender. — Berlin: Sitzung der Repräsentanten. — Die Auswanderung- Organisation. — General-Versammlung. — Graudenz: Vortrag. — Mainz: Neues Hospital. — Wien: Ein jüdischer Botschaftssekretär. — Rotterdam: Diamantene Hochzeit. — London: Die jüdische Abteilung im Londoner Krankenhaus. — Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. — Vakanzen. — Feuilleton: Sabbat. Von Hermann Heijersmann jr. (Fortsetzung.) — Briefnnd Fragekasten. — Inserate. Die Berliner Repräsentanlenwablen. Konservative und Liberale haben ihre Wahlaufrufe und Programme versandt und ihre Kandidatenlisten aufgestellt. Die Namen der meist neuen Leute sagen nichts, die der nicht neuen sagen nicht viel mehr. Aus ihnen ist somit nicht recht zu entnehmen, weder was von den Männern, noch was von dem Programm zu verwerten ist, zu dem die Männer sich bekennen. Denn die Programme beider Parteien sind inhaltlich identisch. Das ist eine überaus auffallende Erscheinung. Wir sehen zwei Parteien vor uns, die einander hart bekämpfen, die sich gegenseitig üble Dinge nachsagen, die so verbittert gegeneinander sind, daß kein Mitglied der einen Partei von der anderen gewählt werden und somit als Vertrauensmann der gesamten Gemeinde erscheinen möchte. Und zu diesem höchsten x«bselseitiger Verfehmung kommen Parteien, die nach d ""{jwnea genau dasselbe wollen und genau dasselbe Hätte ein Mitglied der jüdischen Gemeinde Berlins den Repräsentantenwahlen und dem, was damit zusammenhängt, erst neuerdings sein Interesse zugewendet — es soll dergleichen geben — er würde wie vor einem Rätsel vor der Tatsache stehen, daß zwei gegnerische Parteien das gleiche Ziel mit den gleichen Mitteln anzustreben vorgeben, und doch nicht zu einer Verschmelzung, nicht einmal zu einer Verständigung kommen. Freilich: Programme sind nicht immer von musterhafter Klarheit des Ausdrucks und lassen zuweilen verschiedene Deutungen zu. Doch bei den vorliegenden Programmen scheitert die Deutungskunst, und es muß angenommen werden, daß hüben wie drüben zum mindesten der Wille vorhanden ist, ehrlich die Wahrheit zu sagen und nicht mit umschreibenden Worten die wahre Gesinnung zu verhehlen. Daraus geht hervor, daß das trennende Moment nicht in dem Programm liegt, zu dem beide Parteien sich bekennen, sondern in dem Programm, das sie verschweigen. Das ist kein empfehlenswertes Vorgehen, denn es erzieht und zwingt zum Mißtrauen, zur Verdächtigung. Man sagt auch dem Gegner nicht gern übles nach — schon weil die Vergeltung gar so nahe liegt. Dem Redlichen ist es zuwider, beweislose Behauptungen aufzustellen, die den Charakter eines anderen in zweifelhaftem Licht zeigen. Glücklicherweise — oder vielmehr: unglücklicherweise — sind Beweise dafür vorhanden, daß es auf liberaler Seite ein geflissentlich verschwiegenes, ja direkt verleugnetes Programm gibt. Es handelt sich dabei um zwei Punkte, von denen der eine mehr symptomatische Bedeutung hat, während der andere Kern und Leben des Judentums berührt. Der Punkt von symptomatischer Bedeutung betrifft die Orgelfrage, der andere ist der sonntägliche Predigtgotresdienst. Daß die Liberalen Orgelfreunde sind, war bekannt und darf ihnen kaum zum Vorwurf gereichen. Durch die tatsächliche häusige Einführung der Orgel in Synagogen hat dieses Instrument seinen Charakter geändert, so daß man es nicht mehr als unjüdisch stigmatisieren kann. Es bleibt nur ein Fehlgriff, die Orgel als eine Notwendigkeit, als für die Synagoge unentbehrlich zu bezeichnen und ihre Einführung da erzwingen zu wollen, wo eine Mehrheit sich in anderem Sinn erklärt hat. Für die Nykestraßen-Synagoge ist die Orgel von der Repräsentanz abgelehnt worden, und bisher ist noch keine