Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 42 (14.10.1904)
- Date
- 1904-10-14
- Page
- Seite 594 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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£e;k 594. Israelitische Wochenschrift, •Jit 42 Verbands der deutschen Juden. Er hat anch schon Verdienste dieses Verbandes herausgesunden. Er erzählt „von den Bemühungen in der Schächtangelegenheit, die der Verband der deutschen Juden ja zuerst in Angriff genommen hat." — Das ist eine Unwahrheit, und Herr Karpeles weiß, daß es eine Unwahrheit ist. In der Schächtsrage hat der Rabbinerverband schon vor Jahr und Tag sich eifrig bemüht. Der Verband der deutschen Juden kann das unmöglich getan haben. Von ihm wäre es auch Heuchelei. Herr Professor Philippson, der sich geweigert hat, die Redaktion des Meyerschen Conservationslexikons auf die tendenziöse ungünstige Darstellung des Schächtverfahrens aufmerksam zu machen, weil er „von autoritativer Seite" erfahren habe, daß die Vorwürfe gegen das Schächten doch nicht ganz unbegründet seien, kann unmöglich als Leiter des Verbands der deutschen Juden sich für die Schächtfreiheit mit Ueberzeugung einsetzen. Werlin, 13. Oktober. (Toynbee-Halle.) Gestern Abend fft in der Kaiserstraße 10 die Jüdische Toynbee-Halle der Berliner Bnei Briß-Loge eröffnet worden. Die Einrichtung ist sehr dankenswert. Wieder einmal haben Private die Pflicht der Gemeinde getan. Die Ausstattung ist von angemessener Einfachheit, in allen Teilen durch freiwillige Gaben geliefert. Um 8^/2 Uhr sollte die Eröffnung stattsinden. Gegen 9 Uhr erschien Herr Karpeles, der über Zwecke und Ziele der Toynbeehalle zu sprechen übernommen hatte. Da er seinen Vortrag kannte, mußte er sich zunächst durch eine Taffe Thee stärken. Die Hörer hatten das gleiche Stärkungsbedürsnis erst später. Das eigentliche Publikum war ziemlich spärlich erschienen, wohl infolge unzureichender Bekanntmachung. Es wurde übrigens durch den Vortrag angeheimelt, denn des Vortragenden Idiom nähert sich dem östlichen ganz außerordentlich; und nicht bloß das Idiom,. Werkin, 12. Oktober. (Frauenverein Hanna.) Die Frauenvereinigung Hanna, eine in Eintracht und Liebe zusammenwirkende, von den idealen Bestrebungen des Wohltuns beseelte Vereinigung jüdischer Frauen und Mädchen, veranstaltete im großen Festsaal der Brunnensäle anläßlich des Simchat Thorafestes und zugleich zur Eröffnung des Wintersemesters eine musikalisch-deklamatorische Abendunterhaltung unter Mitwirkung namhafter Künstlerinnen und Künstler. Den Vorträgen schloß sich ein mit den freundlichsten Arrangements —Damenspenden, Blumenregen usw. — verbundenes Tanzkränzchen an. In der Kaffeepause wies der Gründer des Vereins, Herr Bernstein, in schwungvoller Rede auf die sprichwörtlich gewordene Einigkeit der Mitglieder untereiaander hin und aus die musterhafte aufopfernde Tätigkeit der Vorstandsmitglieder. Von den zahlreich erschienenen Gästen meldeten sich sofort eine Anzahl Damen als Mitglieder. Anmeldungen nimmt die Vorsitzende Frau Jda Bernstein, Weinbergsweg 11a, entgegen. Jahresbeitrag 3 Mark. Werlin, 12. Oktober. (Chanuka-Bescherung.) Das Komitee für Chanuka-Bescherung (Vorsitzende: Frau Julie Reumann, Potsdamerstraße 121 e) bittet für seine Zwecke um freundliche Beiträge. Im vergangenen Jahr sind 1279 Kinder mit Stiefeln, Kleidungsstücken, Wäsche und Lehrmitteln versehen worden. Ahlem öei Kannover, 9. Oktober. (Israelitische Erziehungsanstalt.) In Anwesenheit des Vorstandes und einiger auswärtiger Gäste hat heute in der Israelitischen Erziehungsanstalt die Eröffnung einer Ausstellung von Erzeugnissen der Anstalt stattgefunden. Rach einem einleitenden Lied, das von Zöglingen der Anstalt unter Leitung eines Lehrers gesungen wurde, begrüßte der Vorsitzende des Vorstands, Herr Konsul A. M. Simon, die Anwesenden; besonders dankte er den aus der Ferne herbeigeeilten Damen und Herren für das Interesse, das sie durch ihre Anwesenheit den Bestrebungen der Anstalt gegenüber kundgetan. Im Namen der Berliner Gäste führte Herr I. Freymark aus, daß gerade Ahlem gezeigt habe, von welcher eminenten Bedeutung die einschlägigen Bestrebungen für die Heranwachsende jüdische Jugend seien. Ahlem könne und solle als Vorbild für die Gründung anderer Anstalten dienen; er wünsche, daß das Interesse aller Glaubensgenossen an der Anstalt und ihren Zwecken immer mehr zunehmen möge, zum Wohl der Anstalt selbst und der gesamten Judenheit. Das in der Ausstellung dem Beschauer Dargebotene zeigte die Mannigfaltigkeit der dortigen Arbeiten. Sowohl die Produkte des Gartenbaus als auch die der Handwerksbetriebe — Schuhmacherei, Bäckerei, Imkerei — und besonders auch die von Schülern und Lehrlingen im Handfertigkeitsunterricht angefertigten Buchbinder- und Holzarbeiten aller Art, erfreuten sich allgemeiner Anerkennung und fanden ungeteilten Beifall. An die Besichtigung der Ausstellung schloß sich ein Rundgang durch die Plantagenanlagen, wobei es von besonderem Interesse für die Gäste war, die Zöglinge der Anstalt bei der Arbeit zu sehen. Die Gäste, die dann noch einen Besuch im Mädchenhaus abstatteten, erfreuten sich auch dort an den ausgestellten Handarbeiten und den verschiedenen Garten- und Küchenprodukten. Memel, 9. Oktober. (Dr. Carlebachs Abschied.) Unser Rabbiner, Herr Dr. Carlebach, der zur Leitung des Lehrerseminars und des damit verbundenen Rabbinats der Religionsgesellschaft Adaß Jeschurun in Köln berufen worden, hat gestern unsere Stadt und Gemeinde verlassen. Vergeblich hatte der Vorstand Anstrengungen gemacht, die für alle Teile ehrenvoll sind, Herrn Dr. Carlebach hier festzuhalten, wo er verehrungsvolle Liebe sich gewonnen hat. Um das Vereinswesen unsrer Gemeinde hat sich Dr. Carlebach ganz besondere Verdienste erworben, indem er sie mit lebendiger Tätigkeit erfüllte. Vorstandschaft und Mitglieder des Hilfsvereins für Arme, der Chewra Gemilut Chassodim und des Literaturvereins stifteten ihrem Führer ein schönes Ehrengeschenk, das bei der Abschiedsfeier im Literaturverein überreicht wurde. Der Gottesdienst am vorigen Samstag war besonders feierlich und durch die Abschiedsworte des Rabbiners ergreifend. An das Wort der Haftara anknüpfend „Morgen ist Neumond; du wirst vermißt werden, denn dein Platz ist unbesetzt" gedachte Dr. Carlebach rühmend des Wohltätigkeitssinns und des regen Talmudstudiums, die er in Memel gefunden. Er gab dem Wunsch Ausdruck, daß dieser Geist in der Gemeinde dauernd walten möge. Bei der heutigen Abreffe des Rabbiners und seiner Familie gaben Hunderte, Greise und Kinder, den Scheidenden glückwünschend Geleit. Der Vollständigkeit wegen sei noch erwähnt, daß Vorstand und Repräsentanz der Gemeinde, das Kuratorium des Krankenhauses und der Religionsschule und der Jünglingsverein Tiferet Bachurim Herrn Dr. Carlebach Adressen und Ehrengaben widmeten. Köln, 10. Oktober. (Eröffnung der Akademie für praktische Medizin.) Heute hat die Eröffnung der hiesigen Akademie für praktische Medizin stattgefunden. Bei der Feier^ war der Kaiser durch den Prinzen Friedrich Heinrich vertreten. Zu den -von dem Oberbürgermeisteramt geladenen Gästen bei dem Festmahl und der Theater-Festvorstellung gehörte auch unser Rabbiner Herr Dr. Frank. Hdessa, 10.Oktober. (Spende der Alliance Jsraelite.) In Anbetracht des großen Elends, das die Aushebung der Reserve unter der hiesigen jüdischen Bevölkerung hervorgerufen