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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1904-10-14 · 42 (14.10.1904) · p. Seite 591

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
42 (14.10.1904)
Date
1904-10-14
Page
Seite 591 (sequence 12)
Language
German
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Nr. 42 Israelitische Wochenschrift. Seite 591. daß wir an nichtbritische Untertanen ein besonders wertvolles Stück Land geben sollten, eines der wenigen, aus denen der englische Steuerzahler voraussichtlich die für die Ugandabahn verausgabten Summen mit der Zeit würde herausziehen können; oder daß wir, wie im Kikujuland, ein Gebiet zur Verfügung stellen sollten, das bereits in ziemlich bedeutender Ausdehnung von betriebsamen Eingeborenen bewohnt war, das fortzugeben wir also gar keine Veranlassung hatten. Die letzte Auswahl der englischen Negierung, das Gwas' Ngischu-Plateau, gibt — vorausgesetzt, daß Ihre diesbezüglichen Berichte korrekt sind und daß die von mir bezeichneten Aenderungen vorgenommen werden — zu keiner berechtigten Kritik Anlaß. Es ist genau abgeteilt von dem Gebiet, das den Nandi- und Kawirondostämmen gehört, überläßt den britischen Ansiedlern vollständig die noch unbebauten Teile des Nandi-Plateaus und die Gegend um die Ravine-Stativn und kommt fast garnicht in Berührung mit irgendwelchem von ackerbautreibenden Negervölkern besiedelten Land. Trotzdem ist das angebotene Land sehr begehrenswert, es gehört zu den schönsten Teilen des Ostafrika-Schutzgebiets. Es ist fruchtbar, durch durchströmende Flüsse bewässert, und besitzt wundervolle Gebirgsketten, deren einzelne Berge 10 000 Fuß, und an mehreren Stellen selbst 14 000 Fuß hoch sind. Die in diesem Landstrich bereits von Kawirondostämmen bewohnten Dörfer und Ansiedlungen werden selbstverständlich ihren legitimen Eigentümern nicht genommen, aber die von mir vorgeschlagenen Veränderungen würden das unbewohnte Terrain weiter ausdehnen und die schon von dichter Bevölkerung besetzten Stätten ausscheiden. Es bleibt für dieses Gebiet noch die Einzelheit zu bemerken, daß ein Teil davon gegenwärtig von einer prächtigen Fauna wilder Tiere belebt ist. Es wäre bedauerlich, wenn diese ausgerottet werden sollten, und ich bin sicher, daß die etwaigen jüdischen Ansiedler sich gern dazu verstehen würden, einige natürliche Parks in ihrem Gebiet bestehen zu lassen, in denen unter ihrer Aufsicht die großen Tiere weitergehalten werden könnten, als interessante wissenschaftliche Objekte für sie selbst und für andere. Alles was Sie mir über die geplante Einrichtung der Ansiedlung gesagt haben, macht weitere Bedenken meinerseits gegenstandslos; ich hätte aber gern noch die weitere Sicherheit, daß I. die Ansiedlung ohne Zustimmung dieses Reichs vom britischen Reich abgetrennt werden dürfte; 2. wenn nach einem Zeitraum von, sagen wir, 25 Jahren der Plan sich als nicht durchführbar erweist, oder wenn irgendwelche politischen Vorkommnisse die Kolonisierungsbestrebungen der Juden nach einer anderen Richtung lenken, daß dann das jetzt angebotene Land wieder zur Verfügung der englischen Regierung gestellt wird. Wenn das für Ihre Zwecke vorgesehene Land Ihrem Komitee zur Verfügung gestellt wird, so bekommen Sie eines der schönsten Stücke Land, das irgendwo im britischen Reich gefunden werden kann. Da ich sehe, welchen Wert die britische Regierung auf das Gedeihen des jüdischen Volkes legt, glaube ich auch, daß unter geeigneten Vorbehalten das Hergeben des Landes nichts anderes ist, als eine gute Spekulation von unserer Seite — aber wenn Ihr Volk im Lauf der Zeit doch keinen Geschmack an der Landwirtschaft finden oder sonst keinen vernünftigen Gebrauch von der ihnen jetzt gebotenen Gelegenheit machen sollte, fände ich es nicht richtig, daß das betreffende Gebiet von irgend einer anderen europäischen, asiatischen oder Neger-Niederlassung auf unbestimmte Zeit übernommen werden sollte. Die britische Regierung müßte das Recht behalten, jederzeit Eisenbahnen zu Staatszwecken durch das Ansiedlungsgebiet zu bauen. Soweit ich Ihre Pläne verstehe und billige, soll das Land ausschließlich eine jüdische Kolonie sein, ganz einfach eine der Provinzen des englischen Ostafrika-Gebiets, die zwar von einem jüdischen Unter-Gouverneur verwaltet, aber unter der allgemeinen politischen Verwaltung des zukünftigen Generalgonverneurs für Ostasrika stehenen würde; sie bliebe ein integrierender Teil des britischen Reichs, obwohl den darin ansässtgen Juden ein hervorragender Grad von Autonomie zugestanden würde. Sie ersuchen um meine Ansicht in bezug aus die allgemeine Zukunft des jüdischen Volks. Ich halte immer noch an dem Palästina-Ideal fest, bin aber der Meinung, daß wir uns politisch, strategisch und in unsrem Herzen auf einen eventuellen jüdischen Staat im südlichen Syrien und Palästina vorbereiten sollten, auf einen Staat, der sich möglicherweise über die Halbinsel Sinai und östlich bis zum Euphrat erstrecken würde. Die Juden sollten nach meiner Meinung in Arabien ihr Zivilisationswerk wieder aufnehmen, das seinerzeit durch die Bekehrung des Landes zum Islam unterbrochen worden war. Als eine Station auf jenem Wege ist das Ostafrcka-Projekt innerhalb der jetzt vereinbarten Grenzen als einwandfreies Mittel zur Kräftigung und zum Zusammenschluß mehr oder weniger vernachlässigter Juden zu einer körperlich starken und selbstbewußten Nation wohl zu empfehlen. In der Voraussetzung, daß die beanstandeten Einzelheiten des Plans geändert werden, wünsche ich ihm in vollstem Maß Erfolg. Jedenfalls kann ich die Tatsache bestätigen, daß Ihnen in Ostafrika ein gesundes Stück Land angeboten worden, das vom landwirtschaftlichen Standpunkt alle guten Eigenschaften besitzt und auf das gegenwärtig keinerseits zu berücksichtigende Ansprüche vorhanden sind. Ihr sehrergebener H. H. Johnston." LitercrinscbeS. Wabbiner Pr. Keppners jüdisch tilerarischer Abreißkalender 1905. Verlag von Israel Tuch in Koschmin. Der Kalender für 1905 — 5665/66 — ist erschienen. Er hat alle Vorzüge seiner Vorgänger, nur in noch reicherem Maß. Jeder Tageszettel enthält eine geschichtliche Erinnerung und eine Belehrung, einen Weisheits- oder Erbnuungsspruch. Selbstverständlich ist bei den Sabbatt- und Festtagen alles verzeichnet, was für Synagoge und Haus zu wissen nötig ist. (Reichskanzler Graf Bülow über den Zionismus.) Der Wiener Schriftsteller Sigismund Münz erzählt in der „Neuen Freien Presse" von einer Unterhaltung, die er mit dem Reichskanzler Grafen Bülow gehabt: „Die Rede kommt auf den jüngst dahingeschiedenen Dr. Herzl und im Zusammenhang damit auf die zionistische Bewegung, die namentlich unter den Juden des Ostens platzgegriffen. Der Reichskanzler erinnert sich, den nun Verstorbenen zweimal gesehen zu haben, einmal im kaiserlichen Zeltlager in der Nähe von Jerusalem, das zweite Mal in Berlin. Beide Mal hatte Dr. Herzl dem Grasen Bülow feine Aufwartung gemacht, um ihn erst als den Staatssekretär des Aeußern und dann als den Reichskanzler für die Förderung des zionistischen Gedankens zu gewinnen. Graf Bülow war jedoch keineswegs irr der Lage, Dr. Herzl in dessen Propaganda zu bestärken und ihm irgendwelche verheißungsvolle Förderung seines Projekts in Aussicht zu stellen. Bei Anerkennung der hervorragenden schriftstellerischen Begabung des Verstorbenen, dessen gefällige und eindrucksvolle äußere Erscheinung dem Kanzler in lebhafter Erinnerung ge- /

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