Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 42 (14.10.1904)
- Date
- 1904-10-14
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/5369809-9607691-9605972-9660311--9048-9606314- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
Zeitschrift für die Gchmtintereffen des Judentums, Mebst öern Weibtcrtl: Iüöifcbes Lrttevcrlurrbtcrtt. Derantw. Redakt.: M. A. Klausner, Berlin VV., Tanenpenstr.!9a. Telephon: Amt IX, Ar. 5567. Verlag: Arthur Schalem Berlin 6., Roßstraße 3. Telephon: Amt I, Ar. 5729. Post-Aeitungslifte Ar. 3934. Bezugspreis vierteljährlich: Deutschland u. Oesterreich-Ungarn 3,00 Mk alle anderen Länder 3,50 MK. Hr. 42. Berlin. H Sktober J904. Jahrgang XIII. Erscheint an jedem Freitag, das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal. Zu beziehen durch die Post oder unsere Expedition: Berlin 6.19, Roß-Straße 3. Anzeigen für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 30 Pf. Bei Wiederholungen Preisermäßigung. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen entgegen. Für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitte ich an die Adresse: Berlin W., Tauenzienstr. 19a. M. 21. Klausner. Die heutige Nummer enthält das Jüdische Litteraturblatt Nr. 19. Inhalt. Artikel: Ein Geschichtsp rofessor. Bon M. A. Klausner. — Häufiger Irrtum. — Haim Guedalla. — Sir Harry Johnston über das Ostafrika-Projekt. — Literarisches: Rabbiner Dr. Heppners Abreiß-Kalender 1905. — Politik: Reichskanzler Graf Bülow über den Zionismus. — Russische Anleihe. — Die neue Justizkomödie in Kischinew. — Ausgrabungen. — Wochenchronik: Wochenkalender. — Berlin: Repräsentantensitzung. — Verfrühte Reklame. — Toynbee- Halle. — Frauenverein Hanna. —Chanuka-Bescherung. — Ahlem bei Hannover: Jsraelilische Erziehungsanstalt. — Memel: Dr. Carlebachs Abschied. — Köln: Eröffnung der Akademie für praktische Medizin. — Odessa: Spende der Alliance Jsraelite. — Tunis: Eine Familie von Lebensrettern. — Hongkong: Gouverneur und Vorsteher. — Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. — Vakanzen. — Feuilleton: Ein Frauenleben. Von C. Berg. (Fortsetzung.) — Brief- und Fragekasten. — Inserate. €fn 6c$cbicimprofe$$or. Von M. A. Klausner. Am Mittwoch voriger Woche hat Herr Professor Philippson in der ordentlichen Versammlung des Centralverems deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einen Vortrag gehalten. Als Thema war angegeben: „Das Judentum und der Staat". Wenn ein Geschichtsprofessor ein so eminent geschichtliches Thema behandelt, so muß dabei etwas herauskommen. Es kam auch etwas heraus: eine erstaunliche Blamage. Ein Geschichtsprofessor kann in die Lage kommen, seine Quellenschriften sich übersetzen lassen zu müssen, weil er die Sprache nicht beherrscht, in der sie geschrieben sind. Das ist kein sehr erquicklicher Zustand, denn er ist der Quellenbeurteilung hinderlich; aber es läßt sich damit leben, sogar für einen Geschichtsprofessor. Wenn jedoch der Geschichtsprofessor seine Quellen nicht bloß nicht in der Ursprache lesen kann, wenn er die Quellenschriften selbst sich erst reichen lassen muß — so spielt er eine traurige Rolle. In dieser hat sich Herr Professor Philippson gezeigt. Er sprach nach, was er nicht verstand; er gab Quellen an, die er nicht kannte; er sagte hebräische Worte, die er nicht einmal richtig auszusprechen wußte; er debitierte Behauptungen, die ihm irgendwer, der sich einen Spaß mit ihm machen wollte, eingeblasen hatte. —---v.- * Er fing grundgelehrt und tief an. Daß das jüdische Volk in der Urzeit sich entwickelt habe aus Bet (Haus) — der Herr Professor meinte: Bajit — Mischpacha (Familie), Schewet (Stamm). Die kritische Veranlagung und Bedeutung des Herrn Professors trat gleich hier zutage in der Bemerkung: Die Stammeszugehörigkeit beruhte auf gemeinsamer Abstammung oder „ihrer Einbildung." — Furchtbar fein, nicht wahr? Und besonders schwierig und neu, und namentlich wichtig! Herr Professor Philippson erzählte sodann von der freiheitlichen Verfassung des Judenstaats. Alle Aemter seien durch Volkswahl besetzt worden. Hier gab der Herr Professor keine Quelle an. — Unbegrenzte Redefreiheit habe geherrscht. Beweis: die Propheten, die den Königen und Königinnen ungeschminkte und zuweilen recht wenig erbauliche Wahrheiten gesagt. — Daß die Propheten das mit Gefahr ihres Lebens getan, und daß eben in der Verachtung solcher Gefahr ihr Mut sich bekundete und ihre göttliche Sendung sich bezeugte, fiel dem Herrn Professor gerade nicht ein. — Auch Versammlungs- und Vereinssreiheit habe es in jenen fernen Tagen gegeben, wie aus dem Vorhandensein von Prophetenschulen hervorgehe. So demokratisch-freiheitlich wie der alte Judenstaat sei außer der Schweiz und Norwegen noch kein moderner Staat eingerichtet. Selbst in Amerika sei die Gleichheit nicht so vollkommen durchgeführt, da dort die millionenreichen Nachkommen der ersten Einwanderer eine Aristokratie bildeten. Für einen Bezirksvereinsvortrag war das angemessene Weisheit; doch aus dem Mund eines Geschichtsprofeffors find solche Aeußerungen gar zu bezirksvereinlich. Gerade in dem Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens