Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 39 (23.9.1904)
- Date
- 1904-09-23
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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JeWrist siir dik Gchmtintelkffen des Judentums. Mebst öem Weibtatt: Iüöilcbes Littevcltuvbtcrtt. Verantw. Redakt.: N. A. Klausner, Serlin VV., Tanenzienstr. 19 a. Telephon: Hmt IX, Ar. 5567. Verlag: Arthur Schalem Berlin C., Roßstraße 3. Telephon: Amt I, Ar. 5729. Post-Zeitungsliste Ar. 3934. Bezugspreis vierteljährlich: Deutschland u. Oesterreich-Ungarn 3,vttMK. alle anderen Länder 3,50 MK. Nr. 39. Berlin, 23. September 5(904. Zahrgang XIII. Erscheint an jedem Freitag, das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal. Zu beziehen durch die Post oder unsere Expedition: Berlin 6.19, Roß-Straße 3. Anreige« für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 30 M. Bei Wiederholungen Preisermäßigung. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen entgegen. Für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitte ich an die Adresse: Berlin W.t Tauenzienstr. 19a. M. A. Klausner' Inhalt. Artikel: Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund. I. Bon M. A. Klausner. — Das neue Judengesetz in Rußland. — Aus dem Tagebuch eines russisch-jüdischen Auswanderers. Von Rabbiner Dr. Be er mann-Insterburg. — Ich bin Salomo. Von Albert Katz. — Literarisches: Das Rätsel: Jude. Von A. Halbert. — Zionstöchter. Von A. Halbert. — Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden in den Posener Landen. Von Dr. A. Heppner. — Politik: Rechtsgleichheit in Preußen. — Gartenbau- Unterricht. — Hilfsaktion. — Edler Wetteifer. — Wochenchronik: Wochenkalender. — Berlin: Gottesdienst für Taubstumme. — Dessau: Baronin Cohn. — Ansbach: Bayrische Rabbinerkonferenz. — London: Warnung vor den Missionären. — Paris: Die Trennung von Staat und Kirche. — St. Petersburg: Jüdische Kolonien. — Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. — Feuilleton: Ein Frauen leben. Von C. Berg. (Fortsetzung.) — Inserate. Dtt Deutsch-IsraeliWe Gmeiildrbund. Von M. A. Klausner. I. Vor einiger Zeit ist der Deutsch-Israelitische Gemeindebund zu der Ueberzeugung gekommen, daß er hoffnungslos heruntergekommen sei und kaum noch eine andere Sorge kennen dürfe, als die, in eine neue Vereinigung aufzugehen, hinter dieser schamvoll zu verschwinden. Das schien uns trotz aller großen und beinahe unaustilgbar eingewurzelten Mängel des Gemeindebundes und seiner gegenwärtigen Leitung ein Beweis von Selbstunterschätzung. Der Gemeindebund tut zwar nicht, was er soll, er tut zwar überhaupt fast nichts, und was er anfängt, das fängt er verkehrt an — aber unheilbar ist er doch nicht. Seine Struktur ist gesund, und nur die amtierenden Personen sind unfähig. Da aber Herr Professor Philippson selbst, der Vorsitzende des Gemeindebundes, gar so eifrig auch für die formale Nullifizierung des Gemeindebundes eintrat, so mußten wir in diesem Fall seinem Zeugnis endlich Glauben schenken. Es entstand der Verband der deutschen Juden, der den Gemeindebund, den Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, noch andere Vereine und Verbände in sich aufnahm und mit dem Anspruch auftrat, die Vertretung der deutschen Juden zu sein. Das war eine Fehlgeburt. Nur die Gemeinden können, wie die Dinge liegen, die Vertretung der deutschen Juden bilden. Der Gemeindebund ist diese Vertretung — wenn er seine Pflicht versteht und erfüllt. Daß er sie nicht versteht und nicht erfüllt, ist nicht Schuld des Gemeindebunds, sondern seiner Leitung. Die Fehlgeburt des Verbands der deutschen Juden wurde zur Mißgeburt dadurch, daß der Verband wiederum Herrn Professor Philippson an seine Spitze stellte. Damit war bewiesen, daß die alte Misere des Nichtsverstehens und des Nichtstuns sich erneuen und fortgesetzt werden sollte. Herr Professor Philippson war damit zufrieden. In der konstituierenden Versammlung des Verbands der deutschen Juden hielt er einen Vortrag, in dem er von den Anwesenden verlangte, sie sollten von historischen Schauern geschüttelt sein, weil sie sich zusammengefunden hätten und ein solches Zusammenfinden seit zweitausend Jahren nicht dagewesen sei. Man schauerte zwar nicht, aber man lachte auch nicht über den Geschichtsprofessor, der zwei Jahrtausende tief in die Vergangenheit blickte und dabei nicht sah, was zeitlich viel näher lag: Die Dreiländer- und die Vierländer-Synode, die Synode unter dem ersten Napoleon, noch spätere deutsche Synoden, die verschollen sind mit allen ihren schönen Reden, viel schöneren, als Professor Philippson sie zu halten weiß, und den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, der 35 Jahre alt ist und an dessen Spitze Herr Professor Philippson selbst seit neun Jahren steht. Der Gemeindebund muß ihm nicht sehr am Herzen liegen oder muß ihm wirklich herzlich unbedeutend erscheinen, da er ihn so ganz vergessen konnte. Herr Professor Philippson, wie gesagt, war zufrieden, denn er zeichnete auch für die neue Firma, die den Bankbruch der alten verdecken sollte. Doch seine Zufriedenheit hielt nicht lange vor. Die neuen Sozietäre, namentlich die aus Frankfurt a. M., wollten die Geschäfte selbst führen und sie nicht den tätigkeitsentwöhnten Händen des nominellen Vorsitzenden