Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 33 (12.8.1904)
- Date
- 1904-08-12
- Page
- Seite 464 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 464. Israelitische Wochenschrift. Nr. 33. ernannt werden würde, erfüllte sich nicht. Er legte im Groll seine Leipziger Professur nieder und übernahm die Leitung des pathologischen Instituts der hiesigen Senkenbergschen Stiftung. Aus dieser anfangs sehr bescheidenen Stellung schuf Weigert eine medizinische Unterrichts- und Forschungsstätte, die sehr bald in der wissenschaftlichen Welt große Anerkennung fand. Durch seinen Namen angelockt, suchten zahlreiche Aerzte nicht nur Deutschlands, sondern auch des Auslandes dort eine gründliche Einführung in die pathologische Wissenschaft. Weigert, dessen frühere Arbeiten über die Färbetechnik der Gewebe und Bakterien schon vor dreißig Jahren grundlegend waren, setzte seine Forschungstätigkeit mit bestem Erfolg fort. Er ist der Urheber der nach ihm benannten Färbungsmethode zur Erkennung von Bakterien und feinen Nervenfasern, lieferte bedeutsame Untersuchungen über die Erkrankungen der Blut- und Lymphgefäße, über den Bau des Gehirns, über die Bakterien, und insbesondere die Erforschung der Tuberkulose ist durch ihn mannigfach gefördert worden. Die vor fünf Jahren erfolgte Verlegung des Instituts für experimentelle Therapie nach Frankfurt a. M., zu dessen Ehrenmitglied Weigert alsbald ernannt wurde, brachte ihm noch eine Erweiterung seines Wirkungskreises, und wenn jetzt in der alten Mainstadt die Begründung einer Akademie für praktische Medizin geplant wird, so ist das Feld hierfür durch Karl Weigerts methodisches Wirten vorbereitet worden. Karlsruhe, 7. August. (Ernennung.) Der Oberrat der Israeliten Badens Geheimer Regierungsrat Dr. David Mayer ist zum Vorsitzenden Rat beim Verwaltungshof ernannt worden. r. Happingen, den 7. August. (Max Herz.) Im hohen Alter von 89 Jahren starb am 2. d. M. Kirchenrat Max- Herz, Rabbiner a. D., der 52 Jahre hindurch das Rabbinat Jebenhausen resp. Göppingen bekleidete; seit 9 Jahren lebte er hier in Pension. Seine Lehrtätigkeit begann er in dem Hofrat Pfeifferschen Haus in Stuttgart. Dort durfte er die anregende Förderung seitens des verst. Knchenrats Dr. r. Maier, über den er auch einen erschöpfenden Nekrolog in „Schwäbischen Merkur" verfaßte, erfahren. Seine religiöse Richtung neigte der Reform zu. Er verstand es, durch seine Persönlichkeit und seine Wirksamkeit sich die Achtung aller Kreise und die Anerkennung seiner Vorgesetzten Behörde in hohem Maaße zu erwerben; das zeigten die mannigfachen Ehrungen, die ihm zu seinem Dienstjubiläum (25., 40. und 50.) sowie zu sonstigen Gelegenheiten entgegengebracht wurden. Er war Besitzer des Friedrichordens II. Klasse und der „Erinnerungsmedaille" in Silber. Zu seinen: 50jährigen Amtsjubiläum erhielt er den Titel Kirchenrat. Der Beerdigung auf dem Friedhof in Jebenhausen ging ein Trauergottesdienst in der hiesigen Synagoge voraus, bei dem Herr Rabbiner Straßburger die Gedächtnisrede hielt. Die Verehrung, die der Verstorbene allenthalben genoß, zeigte sich in der großen Beteiligung an der Leichenfeier. U. a. waren anwesend mehrere Kollegen, die Vertreter des Oberamts und der Stadt, der evangelischen Geistlichkeit, des Oberamtsphysikats, der Bahnverwaltung, der hiesigen Presie, sowie des leitenden Vorstands der hiesigen Heilanstalt Dr. Länderer, wo der Verstorbene seit ihrem Bestehen pastoriert hatte. Auf dem Friedhof sprach Rabbiner Dr. Kahn aus Heilbronn im Namen der Kgl. Jsr. Oberkirchenbehörde und Fabrikant S. Fleischer im Namen des Göppinger israelitischen Kirchenvorsteheramtes. Die hiesige israelitische Kirchenpflege verwaltet zwei seinen Namen tragende Stiftungen, die er durch letzwillige Zuwendungen bedachte. Wien, 7. August. (Jüdische Grabsteine.) Bei Ausbesserungsarbeiten in der Hofburg sind jüdische Grabsteine aufgefunden worden. Einer von ihnen trägt die Jahreszahl 5121, ist somit 543 Jahre alt. Waris, 7. August. (Direktor Adam Reblaub.) Der langjährige Direktor der hiesigen jüdischen technischen Schule ist ziemlich plötzlich, 68 Jahre alt, gestorben. Adam Reblaub hat die Ecole de Travail seit 1876 geleitet und sie durck' seinen Fleiß und seine Intelligenz immer weiter entwickelt und auf d:e jetzige hohe Stufe gebracht. Wie sehr die Schüler dieser Anstalt ihren Lehrer und Direktor verehrten und liebten, ist daraus zu erkennen, daß sie in späteren Jahren immer in regen Beziehungen und in stetem Briefwechsel mit ihm blieben. Für die in Paris ansässigen armen Russen und Rumänen hat Adam Reblaub immer lebhaftes Interesse bewiesen und hat als Mitgled des Comite de Bienfaisance Gelegenheit gehabt, ihnen nützlich zu sein. Der Verstorbene war auch Vorstandsmitglied der Synagoge in der Rue les Tournelles und des jüdischen Obdachs in Plessis-Piquet. Seiner Wirksamkeit ist ein dauerndes dankbares Gedenken gesichert. Nom, 7. August. (Synagogeneinweihung.) Das unlängst vom König besichtigte neue israelitische Gotteshaus am Tiber (unweit der Tiberinsel) wurde soeben feierlich eingeweiht. In seiner Festrede erinnerte der Präsident der israelitischen Gemeinde, Cavaliere Sereni, daran, daß der Tempel genau an der Stelle stehe, wo die Vorfahren einst so viel geduldet, und ermahnte die Anwesenden zu stetem Dank gegen das Haus Savoyen, wie gegen Cavour, Garibaldi, Mazzini und alle die großen Patrioten, die die Juden auf eine Stufe mit den übrigen Bürgern gestellt. Der Rabbiner Kazan schloß mit einem Gebet um den Segen des Himmels für den jungen König und seine Familie. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. In Hamburg starb Rechtsanwalt Dr. H. B. Levy, der jahrelang als Vertreter der Bürgerschaft und in Ehrenämtern der jüdischen Gemeinde verdienstlich gewirkt hat. Er ist siebzig Jahre alt geworden. — Es ist ein interessanter Zufall, daß bei der Eröffnung der demokratischen Nation ko nvention «eine Art Provinziallandtag) in St. Louis der Rabbinrr Sale das Einleitungsgebet gesprochen hat. — Der Kaiser von Rußland hat dem in Rom lebenden jüdischen Gelehrten Dr. Ludwig Pollack den Stanislaus-Orden verliehen. — Graf Hi er schel de Min er bi, ehemaliger italienischer Botschaftsrat bei der Botschaft in London, hat sich vom diplomatischen Dienst zurückgezogen und bei seinen: Abschied vom König von Italien den Großcordon des Ordens der italienischen Krone erhalten. Vakanzen. Kirrweiler, Pfalz. Rel.-L., K., Sch., 600 M- Geh., fr. W. Meld. an Herrn Moses Rubel. — Niederohmen, Oberhessen. Hilfst', für Jomk. Meld. an Vorst. Brief- und Fragekasten. Dr. I. K. in Fr. Bitte um gefällige Mitteilung, ob die durch die Post nachgeschickten Schriftstücke an Ihre Adresse gelangt sind. — L. N. in I. Können Sie uns einen längeren Aufsatz über die Geschichte der Juden in Ihrer Residenz liefern?