Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 33 (12.8.1904)
- Date
- 1904-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitschrift für die Grsamtintereffen des Judentums. Webst öem Weiblatt: Züöifcbes Littevaturblatt. Verantw. Redatt.: L!I. A. R lausner, Verlin W., Tanenzienstr. 19 a. Telephon: Amt IX, Ar. 5567. Verlag: Arthur Schalem Berlin C., Roßstraße 3. Telephon: Amt 1, Ar. 5729. Post-Zeitungsliste Ar. 3934. Bezugspreis vierteljährlich: Deutschland u. Gefterreich-Uugara 3,0VMK> alle anderen Länder 3,50 MK. Nr. 33. Berlin, \2. Huguft \904(. 3at}t0Cm(J XIII. Erscheint an jedem Freitag, das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal. Zu beziehen durch die Post oder unsere Expedition: Berlin 0.19, Roß-Straße 3. Anreisen für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 30 Uf. Bei Wiederholungen Preisermäßigung. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen entgegen. SM" Die geehrten Abonnenten machen wir darauf aufmerksam, daß wir uns erlauben werden, den Abonnementsbetrag am 15. August per Nachnahme zu erheben. Bei vorheriger Einsendung werden 10 Pfg. gespart, da die Postanweisung nur 10 Pfg., die Nachnahme aber 20 Pfg. beträgt. Die Expedition der „Israelitischen Wochenschrift" Berlin O.is, Rost-Straße 3. Für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitte in; an die Adresse: Berlin W., Tauenzienstr. 19a. M. A. Klausner. Inhalt. Artikel: Der Begriff der „Entwicklung" in der jüdischen Religion. Von Rabbiner Dr. B. Seligkowitz- Köthen. — Der Jahresbericht der Jüdischen Kolonisati ons- Gesellschast. (Schluß.) — Mein Vater Von Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal. — Sprechfaul: kro domo. Von Phil. Kieferndorf-Jerusalem. — Politik: Minister von Plehwe. — Was erwartet Rußland von Plehwes Nachfolger. — Die Judenpässe an der russischen Grenze. — Falsches Gerücht. — Ein seltsames Legat. — Ein vorurteilsloser Antisemit. — Wochenchronik: Wochenkalender. — Berlin: Hilfsverein der deutschen Juden. — Eine Herzl-Rummer von „Ost und West". — Zionistische Lesehalle. — Frankfurt a. M.: Karl Weigert. — Karlsruhe: Ernennung. — Göppingen: Max Herz. — Wien: Jüdische Grabsteine. — Paris: Direktor Adam Reblaub. — Rom: Synagogeneinweihung. — Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. — Vakanzen. — Feuilleton: Ein Frauenleben. Von C. Berg. (Fortsetzung.) - Inserate. Der Begriff der „Entwicklung“ in der jüdischen Religion. Von Rabbiner Dr. B. Seligkowitz-Köthen. Im Fortschritt der neuern Wissenschaft hat sich kein Prinzip so fruchtbar erwiesen, wie das der Entwicklung. Alle Zweige der modernen Wissenschaft wetteifern in seiner Anwendung und haben damit die erfreulichsten Resultate zu Tage gefördert. Die Geologie deutet die aufeinander gelagerten, erhärteten Schichten der Erdkruste im Sinn einer Entwicklungsgeschichte des Erdballs. Die Biologie reiht die lebenden und versteinerten Exemplare von Pflanzen und Tieren aneinander und konstruiert die Entwicklungsgeschichte des organischen Lebens unserer Erde. Die Sprachforschung stellt den Stammbaum der menschlichen Sprachen auf und sucht in ihnen nach Merkmalen, die auf die vorgeschichtlichen Zeiten des Menschengeschlechts Licht werfen und Tatsachen enthüllen, für die seit Jahrhunderten keine Erinnerung mehr bestand-. Die Anthropologie findet in Gestalt und Gesichtsausdruck des Menschen rudimentäre Anzeichen, die auf seine Entwicklung aus niederen Lebensformen schließen lassen. Die Geschichte endlich bringt die Kulturentwicklung der Menschheit seit historischen Zeiten zur Darstellung. In allen diesen Wissenszweigen zeigt es sich, daß wir die Erscheinungen erst dann richtig verstehen, wenn wir ihr Werden richtig begriffen haben. Darum sagt schon der alte Heraklit: „Vielwisserei erzeugt nicht Vernunft, nicht in der Erkenntnis des einzelnen Gewordenen, sondern in der des Werdens liegt die Vernunft". Diesen Gesichtspunkt müssen wir festhalten, wenn wir die positiven Religionen überhaupt und die jüdische Religion insbesondere verstehen und begreifen wollen. Keine positive Religion, die je die Menschheit bewegt hat, hat die Fähigkeit besessen, einen neuen Anfang zu machen und sich so darzustellen, als ob hier zum erstenmal Religion zur Erscheinung käme. Vielmehr mußten sich die positiven Religionen auf einer Grundlage ausgestalten, die bereits durch die altern religiösen Anschauungen und Bräuche in Anspruch genommen war; sie mußten davon verdrängen, was sie sich nicht anpassen konnten. Mochten sie aber die alten Bestandteile der alten religiösen Anschauungen und Bräuche verwerfen oder in sich aufnehmen, in jeder Hinsicht hatten sie mit ihnen zu rechnen und ihnen gegenüber feste Stellung einzunehmen. Um daher das Judentum, sowohl nach seiner geschichtlichen Grundlage und Gestalt, wie nach seinem innern Grundgedanken und nach seinem innern Wesen richtig zu verstehen, müssen wir uns zur Ueberzeugung führen, daß das Judentum auf einem jeden Stadium seines Entwicklungsganges als ein Glied der Menschheit betrachtet sein will, das wegen seiner ununter-