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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1904-07-29 · 31 (29.7.1904) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
31 (29.7.1904)
Date
1904-07-29
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Zeitschrift für die Gesilintilitereffeu des Iudeutnins. Webst öem WeiStcrlti Iüöilcbes Liltevcltuvbtcltt. verantw. Redakt.: M. A. K lausner, Serlin W., Tanenzienstr. 19 a. Telephon: Amt IX, Är. 5567. Verlag: Arthur Schalem Berlin C , Noßstraße 3. Telephon: Amt 1, Nr. 5729. Poft-Aeitungsliste Nr. 393^ Bezugspreis vierteljährlich: Dentschlaud n. Oesterreich-Ungarn 3,00MK alle anderen Länder 3,50 MK. Nr. 31. Berlin. 29. Juli Jahrgang XIII. Erscheint an jedem Freitag, das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal. Zu beziehen durch die Post oder unsere Expedition: Berlin 0.19, Roß-Straße 3. Anzeigen für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 30 Pf. Bei Wiederholungen Preisermäßigung. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen entgegen. Für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitte ich an die Adresse: Berlins., Tauenzienftr. I9a. M. A. Klausner. Inhalt. Artikel: Ein neuer Prophet. Von L. Tauber. — Theodor Herzl und der Zionismus. Von Maximilian Paul-Schiff. — Der Entwurf zu einem Fremden- Kriminalgesetz in England. — Moses und Hammurabi. Vortrag von Arnold Rosenbacher-Prag. — Literarisches: Meyers Großes Konversationslexikon. — Politik: Der Rücktritt des Justizministers Schönstedt. — So sind sie alle. — Mit der Macht. — Wochenchronik: Wochenkalender. — Berlin: Von der Alliance Jsraelite Universelle. — Schllle Pückler. — Prag: Der alte Friedhof. — Tunis: Rabbiner- Jacob Silvera. — Newyork: Intoleranz. — Personal Nachrichten und kleine Mitteilungen. — Vakanzen. — Feuilleton: Ein Frauen leben. Von C. Berg. (Fortsetzung.) Inserate. Lin neuer bropbet. „Denn der Ewige verläßt nicht sein Volk"; so oft es sich in Drangsal befindet, schickt er seine Propheten, die ihm helfen sollen. Auch jetzt hat er ihm einen Propheten geschickt, Elias den Zweiten, der Talmudist und Philosoph zugleich ist. Schon in seiner Jugend beschäftigte ihn die wunderbare Erscheinung, daß das kleine Häuflein Juden, trotz jahrtausendelanger Verfolgung durch Feuer und Schwert, sich bis heute erhalten hat. Natürlich kann die Antwort, die im galizischen Cheder gegeben wird, dem Philosophen nicht genügen. Auch die Antwort der europäisch gebildeten Juden hält der scharfen Kritik des philosophischen Geistes nicht stand. Er ist auf sich selbst angewiesen, und zehn lange Jahre hat er gebraucht, um zu einem Ergebnis zu kommen. Der „Zukunft" vertraut er seine Vision über die Zukunft Israels an. „Das Wesen des Judentums" nennt er seine Abhandlung, an deren Schluß er einen Rat erteilt: Untertauchen! Ich will hier nur eine persönliche Antwort geben, nicht eine Warnung aussprechen, die eine Überschätzung des neuen Elias zur Voraussetzung hätte. Auch mir hat die Mutter an der Wiege das Thoralied gesungen, auch ich wurde für das Cheder auserkoren, auch ich bin später in die Schule der Philosophie gegangen. Als Landsmann will ich dem anderen Elias erwidern: Herr Jacob wendet sich zunächst an die deutschen Juden, denn er weiß, daß der Prophet in seinem eigenen Land nichts gilt. Dr. Jacobs Argumentation ist folgende: Da die deutschen Jaden die Gesetze nicht mehr beobachten, vom Talmud sich längst losgesagt haben, mithin jeden Anrechts auf das Paradies, an das sie ohnehin nicht glauben, verlustig sind, jedoch des bloßen Namens wegen Schmach und Unterdrückung von ihren Mitbürgern erdulden müssen, so sehe er nicht ein, warum sie auf seinen Rat nicht eingehen sollen. Durch das Untertauchen gingen sie einer glänzenden Zukunst entgegen, sogar in die Burschenschaft würden sie ausgenommen werden und auf der Schulbank neben dem Christenknabcn unbehelligt sitzen können. — Die Voraussetzung ist irrig, die Folgerung falsch, man mag sie philosophisch oder talmudisch betrachten. Der Glaube an das Dasein und die Einheit Gottes hat mit der Beobachtung der Zeremonialgesetze nichts zu tun. Heißt es doch schon im Talmud: „Jude wird der genannt, wer sich vom Götzendienst abwendet". In Galizien freilich gibt es noch Anhänger eineranderen Auffassung. Dort, so erzählt man, habe eine Frau ihrem Mann, der an einem Festtag Kreppchen zu essen sich weigerte, zugerufen: „So wollen wir uns doch lieber gleich scheiden lassen! Wer von dem heiligen Kreppchen nichts hält, geht doch bald zur Taufe!" Das war aber in Galizien, wo es am dunkelsten ist. Dort ist am Ende eine solche Verkehrtheit denkbar; in Galizien hat für manche Leute alles die gleiche Größe, das Wesentliche und das Unwesentliche haben den gleichen Rang. Der deutsche Jude dagegen — und auch der hellere galizische Jude — weiß Unterscheidungen zu machen. Für ihn sind der Glaube an Gott und die uneingeschränkte Menschenliebe die Grunddogmen, an denen er hält und die er verteidigt, und auch damit steht er auf dem Boden des Talmuds, der sagt: „Die Nächstenliebe ist das Grundgebot in der Thora". Das Uebrige sind nur die vorgeschobenen Forts einer Festung. In und nach diesen Dogmen erziehen die deutschen Juden ihre Kinder; sie schicken sie mit keiner Lüge in die Welt, denn dies ist ihr heiliger Ernst. Die jüdische Menschenliebe kann durch die christliche nicht ersetzt werden. Wenn auch jene

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