Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 26 (24.6.1904)
- Date
- 1904-06-24
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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fiSlsrl Zeitschrift für die Grsarntintereffen des Judentums. Webst öem WeibkclLt: Iüöiscbes LittevcrLuvbL'cllt. Verantw. Redakt.: LR. A. Rlausner, Serliu W., Tanenzienstr. 19 a. Telephon: Amt IX, Ar. 5567. Verlag: Arthur Schalem Berlin 6., Noßstraße 3. Telephon: Amt I, Ar. 5729. post-HHtungsliste Ar. 393^. Bezugspreis vierteljährlich: Deutschland u. Gesterreich-Ungaru 3,V0MK alle anderen Länder 3,50 MK. Nr. 26. Berlin. 2\. Äuni J904. Jahrgang XIII. Erscheint an jedem Freitag, das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal. Zu beziehen durch die Post oder unsere Expedition: Berlin 0.19, Roß-Straße 3. Anzeigen für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 30 Pf. Bei Wiederholungen Preisermäßigung. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen entgegen. r N)ir bitten die geehrten Post™ das Abonnement auf das III. (Huartol bei ihrem Postamt gefl. sofort zu erneuern. Die Abonnenten, die die Zeitschrift direkt beziehen, erhalten sie fortlaufend zugesandt; Abbestellungen können nur oor Krginn des neuen Quartals berücksichtigt werden. Berlin» Ende Juni 190*. K Verlag der Israelitischen Klothen schritt ritt. <. Für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitte ich an die Adresse: Berlin W., Tauenzienstr. 19a. M. A. Klausner. Inhalt. Artikel: Verstand und Gefühl in der Religion. Von Rabbiner Dr. B. Seligkowitz-Cöthen. — Biblische Einflüsse auf die Alexandersage. Von Dr. B. — Amerikanische Antisemiten-Schmerzen. — Verband der Rabbiner Oberschlesiens. — Menschen-Liebe — Menschen-Haß. Von Kurt Singer. — Die Reisebeschreibungen des Rabbi Benjamin von Tudela. — Literarisches: Die Erzählungskunst der Bibel. Von Professor Dr. Adolf Schwarz. — Politik: Die Verfassungstreuen. — „Bewußte Unwahrheit." — Antisemitische Bedenken. — Wochenchronik: Wochenkalender. — Berlin: Frauenbund. — Frauenverein Hanna. — Geschäftsbericht. — Frankfurt a. M.: Verein Lemaan Zion. — Lehnitz: Genesungsheim. — Ahlem: Gedächtnisfeier. — Bremen: Ergänzung. — London: Einwanderungsgesetz. — Neues Jargontheater. — Manchester: Eröffnung des jüdischen Krankenhauses. — Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. — Vakanzen. —Feuilleton: Ein Frauenleben. Von C. Berg. (Fortsetzung.) — Brief- und Fragekasten. — Umland und Gefühl in der Religion. Von Rabbiner Dr. B. Seligkowih-Köthen. Wir Menschen sind nicht bloß körperlich, sondern auch seelisch Doppelwesen. Wie jeder Mensch eigentlich aus zwei Hälften zusammengesetzt ist, wie er eine rechte und eine linke Gehirnhemisphäre sein eigen nennt und die wichtigsten Organe, wie Hände und Füße, Augen und Ohren usw., doppelt besitzt, so wohnen auch zwei Seelen in seiner Brust. Damit soll keineswegs auf las fragwürdige psychologische Problem des sogenannten „Doppel-Jch" angespielt werden, sondern nur die Tatsache hervorgehoben werden, daß Vernunft und Gefühl jene Doppelseelen sind, die seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte um den Vorrang streiten. Wie bei einzelnen Menschen, so ist bei ganzen Geschlechtern bald die Vernunft, bald das Gefühl im Uebergewicht. Was uns die Märchen von gutem und bösem Geist, von Engel und Teufel, von Licht und Finsternis usw. als Weltprinzipien zuraunen, das alles wohnt in unserer eigenen Brust. Die eine Seele, Vernunft, strebt unablässig aufwärts zum Licht, die andere, das Gefühl, ebenfalls unablässig abwärts zum Halbdunkel. Die eine lebt in der Welt der logischen oder historischen Beweisführung, die andere im traumhaften Zwielicht des dämmernden Ahnens. So gibt es nun logisch gerichtete Naturen, die sich nur in der Welt des streng exakten Beweises heimisch fühlen, und mystisch gestimmte, die nicht überzeugt, sondern überredet, nicht belehrt, sondern erbaut sein wollen. Und so ganze Generationen. Das schließt natürlich nicht aus, daß diese gegensätzlichen Stimmungen im gleichen Individuum platzgreifen können. Denn in jedem Menschen ist ein metaphysisches Bedürfnis rege; jeder will über das Vorzeitliche und Nachzeitliche möglichst viel erfahren. Diesem metaphysischen Bedürfnis entspringen die Philosophie und die Religion. Beide sollen alle jene Fragen beantworten, die der menschliche Geist in drei Probleme untergebracht hat: Gott, Seele, Welt. Wären diese Fragen minder wichtig, als sie es sind, so hätten die Menschen sie als schätzbares Material für eine zukünftige Zeit der Forschung bei Seite geschoben, wie z. B. die Frage nach der Bewohnbarkeit des Mondes bis jetzt noch kein Kopfzerbrechen gemacht hat.