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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 10. (1904) · p. Seite 40

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 10. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 40 (sequence 4)
Language
German
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40 Kleidung im biblischen und talmudischen Schrifttum. Von Dr. Adolf Rosenzweig, Rabbiner der jüdischen Gemeinde Berlin. (Fortsetzung.) Der Morgenländer kennt für die Bekleidung der Füße infolge der großen Hitze nur Sandalen, eine einfache Sohle (gr. pedila), die mittelst eines Riemens1) zwischen der großen und der ihr nächsten Zehe und mittelst eines anderen Riemens um die Ferse an den Fuß geschnürt wird. Man bediente sich der Sandalen nur auf dem Wege. Ehe man ein Haus hetrat, wurden sie abgelegt, worauf die Füße gewaschen wurden2). Auch beim Betreten heiliger Stätten, so des Tempelberges in Jerusalem, wurden sie abgelegt3). Nach einer talmudischen Tradition gingen die Leviten während der Wüstenwanderung, wenn sie die heiligen Geräte der Stifthütte trugen, barfuß4). An einzelnen Orten war es Brauch, daß Angeklagte, ehe die Gerichtsverhandlung begann, ihre Schuhe ablegten5). Am Versöhnungstage war das Tragen der ledernen Fußbekleidung verboten; nur Wöchnerinnen durften sich derselben bedienen 6). Auch an Fasttagen durften Lederschuhe innerhalb des Ortsgebietes nicht getragen werden, wohl aber auf der Landstraße7). Leidtragende, auch solche, über die der Bann verhängt wurde, gingen barfuß, erstere zum mindesten nicht in der gewöhnlichen Beschuhung8). In all diesen Fällen war aber das Tragen von Schuhen aus Tuch und Wollstoffen9), auch aus geflochtenen Weiden10), zum Gebrauch gestattet. Barfuß gehen galt als Zeichen der Armut; daher die Agada von Noemi erzählt: als sie reich war, wurde sie in ein einer Sänfte getragen; als sie aus Moab zurückkehrte, ging sie barfuß11) Wenn der Sohn barfuß geht, dann erinnert er sich des Wohl- Standes im Elternhause12); daher die Mahnung: enthalte dich der Sünde, damit du nicht barfuß gehen mußt13). — Mit Schuhen schlafen galt als Peinigung, J)שרוך נ׳ Gen• 19,23; יארקתא Jeb. 102a;רצועה, Sabb. 54b. Diese Schuhriemen waren verschieden von denen der Heiden, weswegen sie von Einzelnen in Zeiten der Verfolgungen geändert und gleich denen der Heiden getragen wurden. 2) Gen. 18,14; שלף, die Schuhe ausziehen, Ruth 4, 7; ינשל die Schuhe abwerfen, Ex. 3, 5; יחלץ den Fuß vom Schuhe befreien, namentlich vom Schuh des Levir, יחלוץ ר,נ׳ Deutr. 25,10; התרת הרצועה, Riemen lösen, Jer. Jeb. 32c; פרר, מנעל M. k. 2,1. 1 3) Ex. 3,5; Jos. 5,15; Tos. Ber. 7,1. 4) Num. r. 5. 5) Jalk. Ex. 352. 6) נעילת הסנדל, Tos. J. hakkip. 5,1; Joma 73 b. 7) Tos. Tan. 1, 6; vgl. Tan. 12 b, wonach die Gelehrten auch an Fasttagen Schuhe trugen. 8) 2. Sam. 15,3; Jes. 20,2; Ez. 24,17; vgl. J. Sanh. 28 b wo 1 ,אט• Kön. 21,27 mit יחף barfuß (vgl. 2. Sam. 15,30) erklär^ wird; M. k. 15b, vgl. Gen. r. 10, wo dieses den Gelehrten nicht unbedingt verboten wird. 9) Joma 78 b; J. Joma 44 d; אמפלוא, impilia, Kel. 27,6. 10) Joma 78b; vgl. J. Joma 44d: R. Nachmann kam zu R. Jos. b. Lewi am Versöhnungstage, da kam dieser ihm mit Schnürsohlen auf den Füßen entgegen; vgl. Jer. Taan. 64c. ״) Ruth r. s. v. ותלכנה• 12) Thr. r. s. v. *זכרה 3ג) Joma 78 b. bei der der Vorgeschmack des Todes verspürt wird1). — Beim Anziehen der Schuhe ward empfohlen, mit dem rechten, beim Ausziehen mit dem linken zu beginnen2). _ (Fortsetzung folgt.) Geschichtliche Arbeiten. (Schluß.) Dr. Siegnmnd Salfeld. Bilder aus der Vergangenheit der jüdischen Gemeinde Mainz. Festgabe zum 50jährigen Synagogenjubiläum (11. März 1903). Mainz, Herzog. 1903 Als Festschrift bietet sich uns in anspruchsloser Weise die Arbeit Dr. Salfelds über die Vergangenheit der jüdischen Gemeinde in Mainz dar. Sie führt vom zehnten Jahrhundert bis in die Gegenwart. Dr. Salfeld steht eine ansprechende Darstellungsgabe zu Gebote, und er weiß aus dem unübarsehbaren Stoff die Punkte herauszufinden, die uns ein lebensvolles Bild bieten, ohne dem Ganzen die Vollständigkeit zu rauben. Die Liebe zu seinem Gegenstand hat ihn nicht zu haltlosen Vermutungen verleitet, etwa der Mainzer Gemeinde dasselbe Alter wie der Kölner und Wormser zu verleihen, so nahe die Sache zu liegen scheint. Verfasser schildert den von Mainzer Juden im 10. Jahrhundert betriebenen Welthandel, er ist in der Lage, arabische Quellen zur Darlegung der Mainzer Verhältnisse heranzuziehen. Die erste Blütezeit der Gemeinde fällt in den Uebergang der karolingischen Zeit in die der sächsischen Kaiser. Bischof Kurzmann bezeugt 1084 die Tüchtigkeit der Mainzer Judenschaft. Die Gemeinde wird eine Pflanzstätte zugleich der Thora, R. Gerschom, aus Frankreich eingewandert, wirkt daselbst als ״Leuchte der Verbannung“, neben ihm werden Namen wie Simon bar Isaak der Große und Eleasar ben Juda genannt, die Verfasser des Rokeach und des Orchoth Chai'm treten hervor, Gelehrte und Dichter erheben ihre Stimme, und man lernt die Bedeutung der Gemeinde aus diesen Schilderungen doppelt schätzen. Wie wirksam mischen sich mit einemmal Bilder des inneren Gemeindelebens mit seinen kleinen Zügen in das große Geschichtsgemälde — an anderer Stelle werden wir mitten in den Schlußauftritt des Reucblinschen Prozesses hineinversetzt —, da ist die große Gemeinde allerdings verschwunden, deren Neugründung erst im Jahre 1583 wieder vor sich geht. Wir werden an der Hand von sehr eingehenden Belegen (Anlage bürgerlicher Schätzung von 1660, Visitatio der Häuser in der Stadt Mainz vom 26. Nov. 1644, Bericht über Beleuchtung und Ausschmückung der Judenstadt beim Einzug des Coadjutors, Erlaubnis der Munizipalverwaltung, das Tor der Judenstadt einlegen zu lassen u. a.) der Neuzeit nähergeführt; das Vereinsleben tritt sehr deutlich geschildert hervor, bis die hessische Zeit und in ihr die Einweihung der neuen Synagoge den Abschluß macht. Es ist dem Verfasser gelungen, von den alten Sagen bis zu den genauen Nachweisen der letzten Zeit, von Rabbenu Gerschom bis zu Rabbi Herz Scheuer die Bedeutung der Gemeinde Mainz auch dem Laien klarzulegen. Hier haben wir nicht die oft trostlosen Akten kleiner Gemeinden vor uns, sondern das Leben einer Gemeinschaft, die maßgebend war für die gesamte deutsche Judenheit. Auch der Kenner wird hier viel des Neuen finden, nicht nur in den sorgfältig gesammelten Nachrichten über alle Einzelheiten des Gemeindelebens, sondern auch bezüglich der Leiden und Verfolgungen. Dankenswert sind auch die übersetzten Piutim wiedergegeben, und endlich ist es wohltuend, daß die Kämpfe zwischen den Alten und Neuen kaum gestreift sind, so daß die Schrift auch in dieser Beziehung dem Besten auf dem Gebiet der Gemeindegeschichte sich anreiht. 1j Sabb. 61a. 2) Joma 77a. Inhalt der Nummer 9. Wissenschaftliche Aufsätze: Nochmals Professor Dr. Ludwig Blau und mein Buch ״Die Mischna; Aufbau und Quellen- Scheidung. Von A. Rosenthal. (Schluß.) — Kleidung im biblischen und talmudischen Schrifttum. Von Dr. Adolf Rosenzweig. (Fortsetzung.) — Geschichtliche Arbeiten. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosentha1 in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.

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