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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1904-04-29 · 18 (29.4.1904) · p. Seite 249

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
18 (29.4.1904)
Date
1904-04-29
Page
Seite 249 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 18 Israelitische Wochenschrift. Seite 249. zu sein. Man will uns nämlich die „Schechita" verbieten, und nun begreifen Sie, weshalb er so mißgestimmt ist". Diese Eröffnung machte mich stutzig. Der Hausherr aber, in seiner Eigenschaft als Stadtverordneter, bemühte sich, die Ehre seiner Kollegen in der Stadtverwaltung zu retten, indem er bemerkte: „Sie dürfen nicht glauben, daß die Agitation gegen die Schechita bei uns in Schweden ebenso wie bei Ihnen in Deutschland eine Frucht des Antisemitismus sei. Im Gegenteil, die Schweden verabscheuen diese finstere, schmachvolle Bewegung und betrachten die Antisemiten als böse Narren. Nur sind die Schweden bibelkundige Leute, und da in der Bibel von der Schechita nichts erwähnt ist, so glauben sie, da sie wirklich große Tierfreunde sind, ein gutes Werk zu begehen, wenn sie für eine leichtere Todesart der Tiere eintreten. Das sage ich natürlich nur zu ihrer Rechtfertigung. Für uns aber, die wir die Schechita als ein humanes göttliches Gebot betrachten und heilig halten, gibt es nur einen Weg: Wir müssen uns bemühen, unsere christlichen Mitbürger nach dieser Richtung aufzuklären und ihnen unsere Ueberzeugung beizubringen, daß unser Schächtverfahren eine unübertrefflich leichte Tötungsart ist. Gelingt uns dieses, woran ich nicht zweifeln möchte, so bin ich fest davon überzeugt, daß unsere Tierschützler die ersten sein würden, die für die Beibehaltung, ja vielleicht gar für die obligatorische Einführung der Schechita in Schweden eintreten werden." Und haben Sie nach dieser Richtung etwas unternommen? „O, ja — erwiderte er, wir tun alles, was in unseren Kräften steht." Der Schochet aber seufzte und — stärkte sich mit einem Gabelbissen. Dann sagte er: „Ich blicke nicht so rosig in die Zukunft wie der Herr Stadtverordnete. Der einzige, der seinen Einfluß zugunsten der Schechita geltend machen könnte, wäre Herr Rabbiner Professor Dr. Klein in Stockholm, allein dieser bestreitet die religiöse Verbindlichkeit der Schechita." „Das ist nicht wahr", rief der Bewunderer des „kliegen Russen" entrüstet, „das ist eine aus Malmö herrührende infame Verleumdung. Das ist auch die Meinung des Herrn Schmocksens. Herr Professor Dr. Klein, obwohl selbst ein großer Reformer, hat bis jetzt mehr als wir alle zusammen für die Ehrenrettung der Schechita getan. Er hat die von dem Berliner Abwehrverein herausgegebenen Gutachten berühmter Professoren und Tierärzte über die unübertreffliche Art des jüdischen Schächtens ins Schwedische übersetzt und ein Vorwort dazu geschrieben, das in den Tierschützler-Kreisen das größte Aufsehen erregt hat. Sie fahren doch, sagte er an mich sich wendend, nach Stockholm, lassen Sie sich nur dort dieses Vorwort für „die Zeitungen" geben. Es ist, sage ich Ihnen, ein Kiddusch Haschern und verdient, auch in Deutschland gelesen zu werden." Der Schochet wollte etwas erwidern, allein er mußte es unterlassen, da der freundliche Gastgeber mich im selben Moment an den Abgang des Zuges erinnerte. Begleitet von der ganzen Tischgesellschaft begab ich mich nach dem Bahnhof, und nach kaum einer viertel Stunde befand ich mich auf dem Weg nach Stockholm. Litercrriscbes. H»httantHropin 1804-1904. Festschrift zur Jahrhundertfeier. Verlag von Joseph Baer & Co. in Frankfurt a. M. Der frühere Direktor des Philanthropins Dr. H. Baerwald und der jetzige Direktor Dr. S. Adler haben sich vereinigt, die hundertjährige Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt a. M. zu schreiben. Es ist ein prächtig ausgestatteter Quartband von 574Seiten, mit Illustrationen reich geschmückt, und mit Bildertafeln versehen. Ein Stück Kulturgeschichte und Geschichte der Pädagogik zugleich. Eine reizvolle Erinnerung für alle, die dem Institut angehört haben, und ein literarisches Denkmal fortgesetzten freudigen und zweckbewußten, gemeinnützigen Schaffens. Den zweiten Teil des Bandes füllen wissenschaftliche Abhandlungen, von Lehrern der Anstalt beigetragen. Oberlehrer I. Blum hat über „Formal als Konservierungsmittel für Schulsammlungen" geschrieben, Dr. Hermann Dobriner die „Theorie der Flächen mit ebenen und sphärischen Krümmungslinien" entwickelt, Prof. Dr. Th. Epstein „die Sonnenstecke" zum Gegenstand einer Untersuchung gemacht, Prof. Dr. Kuttner den „Religionsunterricht am Philanthropin im ersten Vierteljahrhundert seines Bestehens" geschildert, Prof. Joseph Herz eine Abhandlung über „Adverbien und adverbiale Redensarten im Neufranzösischen" als Beitrag zur französischen Stilistik beigesteuert, Dr. Oswald Cohn über Shakespeares „Kaufmann von Venedig" eine Studie geliefert, Prof. Dr. I. Kracauer die „Geschichte der Judengasse in Frankfurt a. M." dargeboten. Die mathematische Arbeit ist eine Hinterlassenschaft des früh verstorbenen Dr. Hermann Dobriner, von Dr. Paul Epstein in Straßburg mit den notwendigen Ergänzungen versehen. Ein Werk der Pietät ist die Festschrift, eine der schönsten, die wir gesehen, und der Pflege der Pietät, des Zusammengehörigkeitssinnes, des wissenschaftlichen Strebens gewidmet. Jüdische Sagen und Legenden. Von Dr. Bernhard Kuttner. HI. Bändchen. Verlag von I. Kauffmann in Frankfurt a. M. Preis 1 M. Die Vorzüge, die den Schmuck des ersten Bändchens bildeten, sind auch dem dritten erhalten geblieben. Das Merkchen spricht zu der Jugend, wie der Mann zur Jugend sprechen soll: klar und wahr, deutlich und bedeutsam. Aus Vergangenheit und Hegenwart der jüdischen Gemeinden in den 'Mosener Landen. Von Rabbiner Dr. A. Heppner-Koschmin und Lehrer I. Herzberg-Bromberg. Verlag von Israel Tuch in Koschmin. Preis,75 Pf. für jede Lieferung. Das zweite Heft des verdienstlichen Werkes, eben zur Versendung gelangt, führt bis zu den Tagen der Vier-Länder- Synode. Die Vorgeschichte der Posener Judengemeinden wird ausführlich, doch ohne Weitschweifigkeit erzählt. Das ist um des Verständnisses der Gegenwart willen notwendig. Künstliche Nährpräparate und ihre rituelle Zulässigkeit. Von Dr. P. Münz. Verlag der Jos. Wirthschen Hofbuchdruckerei A.-G. in Mainz. Der Titel der Schrift gibt ihren Inhalt an. Sie führt die verschiedensten Nährpräparate auf und kategorisiert sie nach ihrer Zusammensetzung vom Standpunkt der rituellen Zulässigkeit aus. Der Schlußsatz sei hier wiedergegeben: „Die gewissenhafte Prüfung und Entscheidung über die Frage, ob ein Präparat, das aus nichtrituellen Stoffen hergestellt ist, genommen werden darf, ist nicht etwa, wie bei anderen religiösen Fragen, einem jüdischen Schriftgelehrten überlassen, sondern ruht in den Händen eines jeden Arztes, der auch die religiösen Empfindungen Anderer wohl zu würdigen weiß." Der Jüdische Student. Vierteljahrsschrift der Vereine Jüdischer Studenten. Herausgegeben von Dr. Emil Cohn. Erster Jahrgang. Erstes Heft. Eine ernsthafte Bierzeitung. — Kein Spaß!

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