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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 6. (1904) · p. Seite 22

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 6. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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diente er zum Aufbewahren verschiedener Gegenstände1): Reisende versteckten im Gürtel ihre Geldkatze2 3), Schreiber ihre Federn8) und Krieger einen Teil ihrer Ausrüstung4). Vor dem Essen wurde in der Regel der Gürtel abgelegt, wenigstens teilweise gelöst; daher das Lösen desselben als Zeichen zum Beginn der Mahlzeit galt5). Auch Trauernde lösten den Gürtel von ihren Lenden. War der Gürtel gelöst, dann fiel das Gewand sackartig hernieder6). Persische Großwürdenträger beschenkten ihre Lieblingsdiener mit Ehrengürteln7); daher die Agada Israel am Sinai mit Ehrengürteln geschmückt erscheinen läßt8). Aus Keuschheitsgründen trugen jüdische Frauen Leibbinden, die sich nach vorn und hinten fest an den Körper legten, so daß der Unterleib von ihnen festgehalten wurde9). (Fortsetzung folgt.) Zu Pesach. Maimunis Entscheidungen in seinem Mischne- Thora werden oft nur dann erklärlich, wenn man von den Erörterungen der Gemara absieht und auf die Mischna, losgelöst von allen amoräischen Ansichten, zurückgeht oder in der Gemara selbst den Unterschied macht zwischen früheren und späteren Bestandteilen, indem man jene berücksichtigt. Hilchoth Therumoth 106 sagt Maimuni, wer gesäuerte Hefe am Pesach genießt, sei von jedem Ersatz befreit. Die Mischna Pesachim 31b unterscheidet die absichtslose Uebertretung, wobei außer der Therumah noch ein Fünftel ersetzt werden muß, und die absichtsvolle, wobei man, ob die Therumah rein oder unrein gewesen, von jedem Ersatz frei ist. (Die Gründe dafür s. Gemara das.) Raschi z. St. und Rabed entscheiden gegen Maimuni. Auch Tossafoth Jomtow ist über des Letzteren gegenmischnische Entscheidung erstaunt. Ein Blick in die Gemara macht alles klar. Ist denn Chamez am Pesach ein Gegenstand, dem ein Wert innewohnt? Wenn der Geldwert (לפי דמים) maßgebend ist, kann die Mischna nur nach Jose Haglili, der am Pesach die Nutznießung des Chamez gestattet, entschieden haben, daß ein Ersatz notwendig ist. Und Abbaji entscheidet י) Matth. 11,9; vgl. Sifre Balak 131: die heidnischen Frauen verwahrten in ihren Gürteln Götzenbilder, tropisch für die mit dem Götzendienst verbundene Unsittlichkeit. 2) יאפונדא/פלנדא funda, Geldkatze, Sabb. 10,3; Tos. Ber. 7; B. b. 16d; M. sch. 4,9,12; Matth. 10,9; die Geldkatze wurde mittelst einer Schnur an dem Gürtel befestigt und in dessen Falten aufbewahrt, 2. K. 5, 23. 3) Ez. 9.2. 4) Ri. 3,16; 2. Sam. 18,11; 20,8; Ez. 23,15; J. Sanh. 28d. 5) Lev. r. 13; Sabb 9 b. 6) Gen. r. 98; bei שק wird חגר und יפתח bei כתנת aber לבש und פשט gebraucht. 7) Sabb. 59b; vgl. Xen. Anab. 1,4,9. 8) Hhl. r. s. v. יכמגדל Tanch. י7 תצוה s■ Buber z. St. 9) יסינר k■ 82 a; als Einrichtung Esras, J. Meg. 75a; vgl. mein ״Das Jahrh.“ usw. S. 143, A; יהתדת הסינר J• Sota 16 c. לפי דמים משלם, da er die Möglichkeit dieses Satzes festhält (in dem Ausdruck לעולם). (Der מזיר der Mischna muß nach Nechunia und dem קים לי‘ בדרב׳ מיניה beurteilt werden.) Nun werden zwei einander entsprechende Baraithoth angeführt, wo R. Akiba und dann R. Elieser ben Jakob in jedem Fall den Therumath-Chamezgenuß am Pesach für ersatzfrei halten. R. Jochanan ben Nuri und R. Eleasar Chisma verlangen die Be- Zahlung. Nach Abbaji entscheiden sich alle (mit Ausnahme des Eleasar Chisma), daß Chamez am Pesach keinen Geldwert darstellt. Außerdem nimmt R. Akiba und wohl auch R. Elieser ben Jakob an לפי דמי׳ משלם. Demnach kann die entgegengesetzte Ansicht, die in der Mischna vertreten ist (gegen R. Akiba und gegen R. Elieser ben Jakob), nur die des R. Jose Hagelili sein, wonach חמץ בפסח מותר בהנא׳ und deshalb ein Ersatz nötig ist. Das לפי מרה hat Maimuni nicht für nötig befunden, zu berücksichtigen, da nur R. Jochanan ben Nuri in einer späten Bemerkung der Gemara diese Ansicht untergelegt wird und R. Eleasar Chisma jedenfalls לפי רמנם annimmt, so daß selbst Abbajis Worte Pes. 32b (oben) uns immerhin zeigen, daß eine Minderheit, die der Mischna entspricht, R. Jose Haglilis Ansicht haben konnte. Hatte nun Maimuni die Wahl zwischen einer Erörterung der späteren und wäre es Abbaji selbst, und zwischen einer einfachen Deutung, so wählte er stets die letztere, selbst wenn eine Mischna nichthalachisch wurde. Er entschied nach R. Akiba und R. Elieser ben Jakob gegen die Mischna, indem er nach den Andeutungen der Gemara diese auf R. Jose Hagelili zurückführt. Wäre nicht die Geißelstrafe auf den absichtsvollen Genuß der Therumah gesetzt, so hätte auch der מויד den Ersatz bieten müssen, meint Maimuni in seiner Mischnaerklärung, ganz im Gegensatz zur Gemara (die hier eine Ansicht Nechunias über כרת heranzieht). So ging Maimuni auch hier seinen eigenen Weg, indem er den Quellenforschern der Zukunft die Bahn wies. Solche Fälle hatte ich im Auge, als ich in der Vorrede zu meinem ״Die Mischna; Aufbau und Quellenscheidung“ (Trübner, Straßburg) angab, daß die Gemara ganz andere Aufgaben habe, als auf den Ursprung und die ältesten Quellen der Mischna zurückzugehen. Einiges über Heine. IV. Heine und Deutschland. Und wie oft blickt aus dem Spotte die Sehnsucht nach Deutschland, nach der Heimat mit ihren einfachen Verhältnissen hervor! Die Reise von Paris nach Hamburg in dem übermütigen Wintermärchen mit ihren so greifbaren Schilderungen des Rheinlands und Westfalens konnte nur aus einem Gemüte hervorgehen, das an der Heimat mit Sehnsucht hing — alle Scherze über die Wirtshäuser, die landesüblichen Speisen, die Eigentümlichkeiten der

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