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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1903-12-25 · 52 (25.12.1903) · p. Seite 738

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
52 (25.12.1903)
Date
1903-12-25
Page
Seite 738 (sequence 8)
Language
German
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Seite 738. Israelitische Wochenschrift. Nr. 52. Klage gegen einen Darlehnsempfänger der Fürsorgekommission, der die vereinbarten Ratenzahlungen von je 5 Mark auf die erhaltene Summe von 50 Mark böswillig zurückhält. — Nachdem inzwischen die erforderliche Anzahl von 17 Mitgliedern zusammen gekommen ist, werden die Abänderungen des Gemeindestatuts in 1. und 2. Lesung einstimmig angenommen. Ueber Nova, die in das Statut ausgenommen wurden, ist in diesem Blatte schon berichtet. Nur ist noch eine auf Antrag des Herrn Ignatz Cohn ebenfalls einstimmig beschlossene Aenderung des Artikels II zu erwähnen, der folgende Fassung erhält: „Die Vorschriften des Artikel I treten mit dem Tage der öffentlichen Bekanntmachung dieses Nachtrages durch die Aufsichtsbehörde in Kraft, jedoch mit der Maßgabe, daß für die zur Zeit im Amt befindlichen Stellvertreter des Vorstandes und der Repräsentanten bis zum Ablauf ihrer Amtsperiode die bisherigen Bestimmungen maßgebend bleiben. Das Dienstalter der Stellvertreter des Vorstandes bestimmt sich aber vom Inkrafttreten des Nachtrages an nach der Vorschrift des Artikel I, § Bla, Absatz 3 (nämlich durch die Zeit, welche sie ohne Unterbrechung im Amte sind, ohne Rücksicht auf inzwischen vollzogene Neuwahlen.) Herr Geheimrat Blumenthal regt an, statt des bisherigen Systems der Listenwahl zu Bezirkswahlen überzugehen, gibt jedoch zu, daß eine solche einschneidende Aenderung erst bei einer großen, allgemeinen Statuten-Revision eingeführt werden könne. — Es folgen noch einige Rechnungsabschlüsse. Die alte Synagoge hat von ihren Einnahmen, die 35 158 Mark betragen, nur 30 855 Mark verausgabt, also einen Ueberschuß von 4303 Mk. erzielt. Die Synagoge Kaiserstraße konnte an die Gemeinde-Hauptkaffe 4217,47 Mark zurückzahlen; die Kommission zur Beschaffung des Koscherfleisches 3600 Mark, während die Verwaltung des Quellbades einen Mehrverbrauch von 136,48 Mark ausweist. — Die Mitglieder der Friedhofskommission werden ohne Debatte wiedergewählt. Alle anderen, Personalia betreffende Punkte der Tagesordnung werden in die sich anschließende geheime Sitzung verlegt. Schluß der öffentlichen Sitzung 121/2 Uhr. W erlitt) 20. Dezember. (Die Programm-Treue.) Wie aus dem obigen Bericht über die Sitzung der Repräsentantenversammlung zu ersehen ist, haben die sogenannten konservativen Repräsentanten wieder einmal ihren Programm- Versprechungen entgegengehandelt. Herr Geheimrat Blumenthal allein machte wenigstens die Konzession, an die Einführung von Bezirkswahlen zu erinnern. Die anderen verschlangen wortlos ihre feierlichen Zusagen. Der Wortbruch ist, scheint es, bei ihnen Maxime. — Die Wähler müßten Cretins sein, wenn sie diese rückgradlösen Menschen wiederwählen, wenn sie die Listen aus denselben schmutzigen Händen wie früher entgegennehmen würden. Das neue Statut ist, wie früher schon gesagt, formal gut gearbeitet. Inhaltlich ist es eine großartige Leistung, indem es das ohnehin blödsinnige Wahlsystem noch blödsinniger gestaltet. Das haben die nicht gemerkt, die dafür gestimmt haben. Der Ignatz Cohn'sche Zusatzantrag, der einstimmig angenommen worden, bildet den Gipfel. Soweit er überhaupt etwas sagt, ist er ungiltig!- Werti«, 20. Dezember. (Professor Dr. Maybaum.) Herrn Rabbiner Dr. Maybaum ist vom Unterrichtsminister der Professortitel verliehen worden. — Diese Auszeichnung ist die erste ihrer Art. Werkitt, 20. Dezember. (Mädchenstift.) Im Jüdischen Mädchenstift fand am 17. d. M. anläßlich der Chanukafeier im Beisein des Vorstandes und einiger Freunde und Gönner der Anstalt neben der üblichen Bescherung auch die feierliche Entlassung der demnächst scheidenden und in den Dienst tretenden Zöglinge sowie eine Prämien - Verteilung für längere treue Pflichterfüllung im Dienst statt. Im ganzen haben bisher von den aus dem Stift entlassenen 58 Zöglingen bereits 12, die sich 2—9 Jahre lang in derselben Stellung gut bewährt hatten, die Prämie zuerkannt erhalten, ein sprechender Beweis für die ersprießliche Wirksamkeit der segensreichen Anstalt. Bei der Feier hielt der Vorsitzende Direktor Dr. Strelitz eine eindrucksvolle Ansprache an die versammelten gegenwärtigen und ehemaligen Zöglinge. Werkin, 22. Dezember. (Vortrag.) Am Mittwoch, den 30. d. Mts. abends 8% Uhr, wird Herr Rabbiner Dr. Ackermann aus Brandenburg a. d. H. in der Gruppe 8. W. des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Lindenstraße 105 bei Damm, einen Vortrag halten. Das Thema ist: „Was lehrt das Judentum über das Verhalten zum Andersgläubigen?" Wertin, 23. Dezember. (Chanukafeier bei den Taubstummen.) Am 20. d. Mts. hielt der „Verein zur Förderung der Interessen der israelitischen Taubstummen in Deutschland" in seinem Hauptsitz Berlin in seinen Vereinslokalitäten (Neue Friedrichstraße 30) die Chanukafeier. Zuerst sprach der I. Vorsitzende Herr Willy Oppenheimer ein kurzes Gebet, sowie eine Predigt nebst einer Erklärung über Chanuka in der Laut- und Geberdensprache. Darauf fand die Bescherung für Bedürftige statt. —g— Arankfurt am Main, 20.Dezember. (Vortrag.) Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach am 14. d. M. Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher aus Berlin über die Verbreitung der Lehren des Judentums zur Zeit der Entstehung des Christentums. Schon ein Jahrtausend vor diesem hat sich das Judentum als eine Religion erwiesen, die unabhängig von nationalen Schranken ihre Kraft zu entfalten vermag. Die nach Babylon weggesührten Juden blieben unter einer mächtigen heidnischen Bevölkerung Juden im vollsten Sinn. Von dort verbreiteten sie sich nach allen Weltgegenden bis nach Spanien, Rom und Griechenland. Ihre Lehren übten überall eine starke Anziehungskraft. Schon in Babylon traten viele Heiden über. Die Siege der Makkabäer hoben das Ansehen der Juden bedeutend und gewannen besonders die heidnischen Bewohner von Galiläa und Jdumaa. Noch stärker war die Anziehungskraft in den Ansiedlungen, die sie mitten unter den Heiden hatten. Namentlich in den von Hellenen bewohnten Ländern waren die Übertritte sehr zahlreich. Sie dauerten trotz der unglücklichen Kämpfe gegen Rom bis zum Ende des 2. nachchristlichen Jahrhunderts, wie aus Plinius, Seneca, Dio Cassius u. a. zu ersehen. Es ging damals ein mächtiger Zug nach Trost und Seelenfrieden durch die Welt, man suchte eine Religion, die Erkenntnis eines höchsten Gottes und reine Sittlichkeit lehrte, und man fand sie im Judentum. Varro, Strabo und Tacitus müssen die Reinheit der jüdischen Lehre anerkennen. Das Verdienst, den Griechen und Römern deren Kenntnis überliefert zu haben, gebührt den hellenistischen Juden in Kleinasien und Egyten, vorzüglich dem Alexandriner Philo. Sein Bibelkommentar ist offenbar aus Predigten entstanden. Griechen und Römer hatten religiöse Belehrung nicht gekannt, erst das Judentum brachte Vorträge, die Deutungen der heiligen Schrift gaben. Starke Entlehnung aus Philo zeigen alle Kirchenväter bis zu Ambrosius. Diese allgemeinverständlichen Vorträge führten viele Heiden in die Synagoge, die dann einen reinen Gottesglauben und manche Gebote annahmen und damit „Judengenossen" wurden. Viele traten auch vollständig über. Im Talmud werden verschiedene große Lehrer genannt, die Prosolyten oder Pro-

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