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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1903-11-20 · 47 (20.11.1903) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
47 (20.11.1903)
Date
1903-11-20
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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r t \y LM Zeitschrift flir die Gesamtintereffen des Judentums. Webst dem WeibtatL: IüöisiSes LitteraturSoatt. verantw.Redatt.: LN. A. Klausner, Lettin W., Tauenzienftr. 19 a. Telephon: Amt IX, Ar. 5567. Verlag: Arthur Schalem Berlin 6., Roßstraße 3. Telephon: Amt I, Ar. 5729. Post-Zeitungsliste Ar. 3934. Bezugspreis vierteljährlich: Veutschland u. Oesterreich-Ungarn 3,V0MK alle anderen Länder 3,50 MK. Nr. 47. Berlin. 20. November J(903. Jahrgang XII. Erscheint an jedem Freitag, das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal. Zu beziehen durch die Post oder unsere Expedition: Berlin 0.19, Roß-Straße 3. Anreigen für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 30 Pf. Bei Wiederholungen Preiserrpäßigung. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen entgegen. Für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitte ich an die Adresse: Berlin^., Tauenzienstr. 19 a. M. A. Klausner. Die heutige Nummer enthält das Jüdische Litteraturblatt Nr. 21. _ Inhalt. Artikel: Jüdisch-Ostafrika in näherer Beleuchtung. — Sprechsaal: Bedeckten Hauptes. — Die Synagoge in -3ne et. SS. — Politik: Verdienter Segen. — Die feindlichen /öüder. — Par nobile fratrum. — Das Blutmärchen auf der »stkarte. — Präsident Roosevelt über die Einwanderungsfrage. Herr v. Plehwe und die Mandschurei. — Wochenchronik. Wochenkalender. — Berlin: Repräsentantensitzung. — Der Rabbiner-Verband in Deutschland. — Mädchenstist. — Dessau: Die Nachlassenschaft der Baronin Cohn. — Köln: Vom israelitischen Asyl. — Gleiwitz: Die Einweihung des neuen Friedhofs. — Paris: Die Alliance-Schule in Tanger. — London: Protestversammlung gegen Einwanderung. — Baltimore: Der letzte Wille des verstorbenen Rabbiners Dr. Marcus Jastrow. — Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. — Vakanzen. — Feuilleton: Ein Frauenleben. Von C. Berg. (Fortsetzung.) — Brief- und Fragekasten. — Geschäftliche Mitteilung. — Inserate. Jüdisch-Mastika in niihrm Kkleuchtnng I. Am letzten Sonntag hat Herr Dr. Max Bernstein im Verein der „Makkabäer" in London einen längeren Vortrag gehalten über „Die Verbreitung des Zionismus und die Ostafrika-Frage". Dem ausführlichen im „Jewish Chronicle" erschienenen Bericht entnehmen wir jenen Teil des Vortrags, der sich mit der Möglichkeit einer Verwirklichung des Ostafrikaprojekts beschäftigt. Der Redner, ein aufrichtiger Anhänger des Zionismus, leitete seine Ausführungen mit einem Bericht über den Eindruck ein, den das Anerbieten (!) der englischen Regierung auf dem Basler Kongreß hervorgerufen. Der Fernerstehende wird die ungeheure Aufregung nicht begreifen können, die sich bei dieser Mitteilung der Versammlung bemächtigte. Man muß sich zunächst vorstellen, was der Zionismus in den sechs Jahren seines Bestehens schon geleistet hat: er hat eine mächtige Organisation geschaffen, den Kongreß begründet, die Kolonialbank ins Leben gerufen, den Nationalfonds gestiftet, der Geld zum Ankauf von Land zu sammeln bestimmt ist, hat eine große Bewegung zur Wiederbelebung der hebräischen Sprache und ihres Gebrauchs als Umgangssprache hervorgebracht, hat die Massen organisiert und diszipliniert, hat eine eigene Presse geschaffen — und alles das auf der Basis seines Programms, die praktische Wiedererwerbung Palästinas, nur auf Palästina, die alte Heimstätte des jüdischen Volks. Auf der Basis von Palästina hatte der Zionismus alle Elemente des Judentums um sich vereint: die Gebildeten und die Ungebildeten, die Frommen und die Nichtfrommen, die Zweifler und die Rabbinen. Da stürmte das neue Projekt ganz plötzlich in die Beratungen hinein, drückte Palästina und alle damit verwobenen Hoffnungen an die Wand und verlangte alle Aufmerksamkeit, die größte Eile, den ersten Rang. Zu jeder anderen Zeit wäre dieser Plan sofort und energisch abgelehnt, mit Spott und Lachen verworfen worden. Aber jetzt war die Zeit nicht geeignet dazu. Die Schrecken von Kischinew, die Einwanderungsfrage, die den Juden überall verschlossenen Türen erzwangen dem Vorschlag Aufmerksamkeit. In allen jüdischen Gemeinden mußte man über die traurige Lage der Brüder Nachdenken, überall mußte man die Blicke hilfesuchend und ratheischend umhergehen lassen. Und diese Blicke fielen natürlich auf die Zionisten, das einzige Völkchen, das bereits organisiert und hilfsbereit war. Wenn noch ein Beweis dafür erforderlich gewesen, wie zeitgemäß und wie recht am Platz die vom Zionismus und von Dr. Herzl geschaffene Nationalversammlung ist, die plötzliche Anerkennung ihrer Autorität von Jedermann und nicht nur von jüdischer Seite, hätte ihn erbracht. Aber der Zionismus ist keine Institution, die einer plötzlichen Panik oder ihren Folgen abhelfen kann, und er hatte nie die Absicht, als eine Art Sturmglocke zu gelten, die geläutet werden muß, wenn der Judenheit Gefahren drohen. Wir haben oft genug wiederholt, daß wir vorbeugend tätig sein und den Juden eine gesicherte Heimstätte bieten wollen in Zeiten der Bedrängnis. Aber wer ist uns zu Hilfe gekommen? Nur die Armen haben ihr Scherflein gebracht, und die Reichen haben uns ausgelacht. Jetzt ist man beunruhigt über den heranschleichenden Judenhaß und schreit nach organisierter Auswanderung. Man wäre sogar schon geneigt, vor-

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