Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 45 (6.11.1903)
- Date
- 1903-11-06
- Page
- Seite 644 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 644 Israelitische Wochenschrift. Nr. 46. aufrichtig überzeugt waren, daß sie dadurch zugleich Gott und dem Zaren eine Osterfreude bereiten. . . Wie die Juden über die Schuld dieser naiven Barbaren denken, geht daraus hervor, daß die Vertreter der hiesigen jüdischen Gemeinde die bestimmte Absicht hatten, den angeklagten Arbeitern einen der hervorragendsten russischen Rechtsanwälte als Verteidiger zur Seite zu stellen. Diese Absicht ist aber, mit Recht, aufgegeben worden und die antisemitische Partei hat dann ihrerseits für die Verteidigung gesorgt. Der bekannte Rechtsanwalt Lehmakow aus Moskau, ein beredter Antisemitenführer, wird die Angeklagten verteidigen. Auf der anderen Seite werden als Vertreter der Privatkläger mehrere angesehene Petersburger Rechtsanwälte auftreten: Karabtschemski, Larudni, Sokoloff, Grusenberg und mehrere andere. Mit einer oder zwei Ausnahmen sind die Rechtsvertreter der Geschädigten Christen, die sich aus eigenem Antriebe der jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellt und eine Entschädigung für ihre großen Zeitverluste — die Reise von Petersburg nach Kischinew allein dauert über zwei Tage — von vornherein abgelehnt haben. Das ist bezeichnend für den Eindruck, den die Kischinewer Vorgänge auf den russischen Anwaltsstand gemacht haben. Die gerichtlichen Verhandlungen werden unter Ausschluß der Oeffent. lichkeit geführt werden. Es wird wohl nur das Urteil bekannt gegeben werden. Die öffentliche Meinung ist übrigens mit ihrem Urteil schon längst fertig und der Ausschluß der Oeffentlichkeit ist gewiß am wenigsten geeignet, dieses Urteil zu erschüttern. Warschau, 1. November. (Jüdische Handwerkers) Eine sehr interessante Statistik über die Beschäftigung der jüdischen Bevölkerung im Westgebiet veröffentlicht der halbamtliche „Warschawski Dnewnik". Es erweist sich, daß die Zahl der jüdischen Arbeiter auf den Fabriken im Ansiedelungsrayon des Nordwestgebiets 22 279, des Südwestgebiets 9596 und in Südrußland 2058 Mann beträgt. Was das Handwerk betrifft, das die Juden der genannten Gebiet«: betreiben, so entfällt der stärkste Prozentsatz mit 38,71 pCt. auf die Schneider, alsdann folgen Schuster mit 17,04 pCt. und diverse Gewerke mit 11,57 pCt. Der Prozentsatz der jüdischen Fabriken wird im Nordwestgebiet auf 51, im Südwestgebiet auf 33,9 und in Südrußland auf 23,9 pCt. veranschlagt. Ueber die Verbreitung des Ackerbaues unter den Juden werden folgende Angaben gemacht: Die Zahl der landwirtschaftlichen Kolonien beträgt 301 mit einem Landbesitz von 100,107 Deßjatin Land und 68 959 Seelen. Das Wachstum der jüdischen Bevölkerung finden wir durch folgende Zahlen ausgedrückt: in der Periode von 1850 bis 1860 wuchs die jüdische Bevölkerung um 11 pCt., 1870 um 13,4 und 1897 um 14,01 pCt. In den 114 Städten des,Weichselgebiets belief sich die jüdische Bevölkerung in 66 Städten auf 50 pCt. und in Warschau auf ein Drittel der Bevölkerung. Kapstadt, 1. Oktober. (Neujahrsgottesdienst auf hoher See.) Nur 2 Grade vom Aequator entfernt war es den jüdischen Passagieren des Schiffes „Saxon" durch die Freundlichkeit des Kapitäns I. Morton ermöglicht worden, auf hoher See einen Neujahrsgottesdienst abzuhalten. Es waren fast 200 jüdische Passagiere an Bord, und obgleich ein großes Zelt auf einem Teil der Kommandobrücke auf Befehl des Kapitäns abseits von der großen Masse der gewöhnlichen Passagiere errichtet worden war, konnten nicht alle Platz finden. Der Gottesdienst wurde von den Herren Jack Marks aus Kapstadt, Gordon aus Johannesburg und Maisels aus London mit Ernst und Würde geleitet. Schofar wurde von einem Passagier der dritten Klasse geblasen. Die temporäre Synagoge war mit den Fahnen aller Länder geschmückt. Der Altar war mit der englischen Nationalflagge bedeckt. Die Spenden erreichten den Betrag von über 400 Mark. Ein Teil dieser Summe wurde unter arme und unglückliche Glaubensgenossen an Bord verteilt, der Rest wurde dem Rabbiner Bender in Kapstadt für die jüdischen Wohltätigkeitsanstalten übergeben. Glücklicherweise war die See ruhig und das Wetter kühl, obgleich das Schiff dicht am Aequator war. Vor Verlassen des Schiffs wurde dem Kapitän eine Dankadresse überreicht. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Eine Stiftung für die Kinder seiner Angestellten hat der Kommerzienrat Philipp Freudenberg aus Anlaß seines 70jährigen Geburtstages gemacht. Es handelt sich, wie der Kons, erfährt, hierbei um den Betrag von 60 000 Mark, der direkt zur Verteilung gelangt. — Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Frankfurt a. M. eröffnet seine Saison mit einem Vortrag des Herrn Rabb. Munk-Marburg über die Ausbreitung des Islam und seine Stellung zum Judentum. — Der Bruder des kürzlich verstorbenen Dr. Plotke in Frankfurt a. M., der hiesige Arzt Dr. Ludwig Plotke, ist zum Sanitätsrat ernannt worden. Vakanzen. Schweidnitz i. Schl. Rel.-L,K.,Sch. 1800M. Anfangsgeh., 500 M. gar. Nebeneink. Meld. an Vorst. Brief- und Fragekasten. Herrn K. in P. Auslandnachrichten sind uns sehr erwünscht und werden auch nach dem üblichen Modus honoriert. Ich erwarte Ihre Vorschläge. Besten Gruß. — Frl. L. M. in L. Ihre poetische Sendung ist eingetroffen, der brauchbare Teil ist bereits verwendet worden. — Herrn Dr. I. I. in L. Wann führen Ihre Studien Sie wieder nach B.? Und wann trifft das versprochene Bild ein? — Frl. M. A. in L. Warum kein Beitrag von Ihnen in der L'schen Sendung? Bitte zu beachten! Wir haben der schnelleren Versendung wegen sämtliche Exemplare unsren Lesern durch die Post überwiesen. Sollte eine Nummer nicht ankommen, so sind wir zu deren Nachlieferung gern bereit, bitten aber dringend, sich auch sofort an Sie vestellenür Postanstalt zu wenden. Der Verlag der Israelitischen Wochenschrift Berlin, Ross-Strasse 3. Babel und Bibel »der Babel gegen Bibel Von Kabbiner Dr. Ludwig A. Rosenthal. Eine Antwort an Professor Delitzsch. Zweite Auflage. M. Poppelauer, Berlin C., Neue Friedrichstrasse 59. Preis 60 Pf. Von jeder Buchhandlung zu beziehen. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. A. Klausner, für den Inseratenteil: Arthur Scholem in Berlin. Druck und Verlag von Arthur Scholem, Berlin C., Roßstraße s. t. X V,*