Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 8 (20.2.1903)
- Date
- 1903-02-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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t..-- v^y ) Zeitschrift für die Gchnitintkreffen des Iudentms. Webst öem Weibtatt: Züöifcbes LittercetuvSoatt. Verantw.7^edakt.: M. A. Klausner, Berlin XV, Tanenzienftr. 19 a. Telephon: Amt IX, Ar. 5567. Verlag: Arthur Schalem Berlin 6., Roßstraße 3. Telephon: Amt 1, Ar. 5729. Post-Zeitungsliste Ar. 3934. Bezugspreis vierteljährlich: Deutschland u. Oesterreich-Ungarn 3,0ttMK. alle anderen Länder 3,50 MK. Nr. 8. Berlin, 20. Hebruar \903. Jahrgang XII. Erscheint an jedem Freitag, das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal. Zu beziehen durch die Post oder unsere Expedition: Berlin 6.19, Roß-Straße 3. Anreigen für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 30 Pf. Bei Wiederholungen Preisermäßigung. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen entgegen. Für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitte ich an die.Adresse: Berlin^., Tauenzienstr. 19a. M. A. Klausner. —-? Die heutige Nummer enthält das Jüdische Litteraturblatt 4kr. 8. Inhalt. Artikel: Der Vortrag „Babel und Bibel" in seinen Konsequenzen für Judentum und Christentum. Von Rabbiner Dr. B. Seligkowitz-Cöthen. — Der ethische Gehalt in Hartmanns „Armem Heinrich" und die Bibel. Von Dr. Max Beermann-Jnsterburg. — Bei einem Wunderrabbi. — Literarisches: Das zionistische Phantom Von Dr. med. Mechanik. — Politik: Moralblind. — Aus dem Land Sodom. — Die ehrlichen Bojaren. — Dreyfus-Märchen. — Wochenchronik. Wochenkalender. — Berlin: Ein neuer Termin. — Repräsentantensitzung. — Vortrag. — Besuch des Kaisers in der Löweschen Maschinenfabrik. — Arbeiterkolonie Weißensee. — Jüdische Lesehalle. — Viel versprochen. — Eine Rickertstiftung. — Frankfurt a. M.: Vortrag. — Aus dem Literaturverein. — Posen: Amtsjubiläum. — Wien: Jüdische Künstler. — St. Petersburg: Baron Horace Günzburg. — Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. — Vakanzen. — Inserate. Der Dortrag „Dkl and Kadrl" i« seinen Konseqnenstn für Judentum und Christentum. Von Rabbiner Dr. B. Seligkowitz-Cöthen. Wer eine auch nur oberflächliche Vertrautheit mit den Ergebnissen der wissenschaftlichen Theologie und insbesondere der biblischen Kritik sich verschafft hat, der konnte wohl Einzelheiten der Delitzschftchen Vorträge über Babel und Bibel überraschend finden, aber weder staunen, als hätte die Assyriologie den Stein der Weisen gefunden, noch sich ereifern, als sei aus dem Schoße des gelehrten Dünkels eine neue Ketzerei geboren worden. So ist z. B. die Vermutung des verdienstvollen Gelehrten, der Name Jehova sei babylonischen Ursprungs, weder neu noch von entscheidender Bedeutung. Seit länger als zwei Jahrzehnten hat diese Hypothese den Gegenstand eingehender wissenschaftlicher Erörterungen gebildet. Neu sind nur einige Argumente, die auf Grund neuerer Ergebnisse der babylonischen Forschung scheinbar zu gunsten dieser Annahme geltend gemacht werden. Die dogmatische Tragweite dieserJFrage ‘ ist übrigens durchaus nicht von so einschneidender Bedeutung. Denn mag der Name Jehova den Babyloniern oder einem andern Stamm entlehnt sein, oder mag er zum ersten Mal von den Lippen des Mose gesprochen worden sein, dies hat schlechterdings nichts zu thun mit der Thatsache, daß der reine geistige Monotheismus sich in Israel ausgebildet hat. Dieses ist die weltgeschichtliche Mission des israelitischen Volks. Und wenn die Wissenschaft alten Steintrümmern, die am Euphrat und Tigris noch begraben sind, die Gabe der Rede verliehen hat, so wird dieser Ruhm Israels noch ebenso unanfechtbar sein, wie heute. Wenn nun Delitzsch ferner die Ursprünglichkeit israelitischer Kulturformen, des Sabbats und anderer Dinge, bestreitet, so kann auch das am allerwenigsten dazu beitragen, die wirkliche religiöse Originalität Israels oder die religiöse Idee, die sich in diesem Volk dokumentierte, in Zweifel zu stellen. Die Unterscheidung zwischen dem Judentum nach^seiner religiösen Idee und nach seiner allmählichen Entwicklung in Kulturformen soll uns zur Ueberzeugung führen, daß das Judentum auf einem jeden Stadium seines Entwicklungsganges als ein Glied der Menschheit betrachtet sein will, das wegen seiner ununterbrochenen Teilnahme an dem regen Leben des menschheitlichen Organismus die Bewegungen zeigen mußte, die es im Lauf der Weltgeschichte darstellte. Es ist daher für die Entwicklung der Kulturformen Israels von hoher Bedeutung, daß das Judentum entstanden ist und sich befestigt hat inmitten der Länder, die damals die ersten Blüten des Geisteslebens hervorgebracht hatten: Egypten, Phönizien, Syrien, Assyrien, Babylonien, mit diesem in lebhaftesten Beziehungen stand, und daher sicher ihren geistigen Einfluß abzuwehren nicht vermochte, dennoch in seiner religiösen Originalität unabhängig von ihnen blieb und allein blieb, daß es in späterem Verkehr mit dem Persismus Verschiedenes aufnahm und eigentümlich verarbeitete, dann, mit dem Griechentum sich vermählend, den Alexandrinismus erzeugte, später mit den Arabern im engsten Verein, in sich selbst zu einer hohen Blüte sich entfaltete.