Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 5 (31.1.1902)
- Date
- 1902-01-31
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mebst dem Weiblcrtt: Iüöiscbes Littevclturbtcrtt. verantw.Redatt.: K. A. Klausner, Berlin W., Tauenzienstr. 19 a, Telephon: Amt IX, Ar. 5567. Verlag: Arthur Schalem Berlin C.f Roßstraße 3. Telephon: Amt 1, Ar. 5 729. Poft-Aeitungsliste Ar. 379^. Bezugspreis vierteljährlich: Deutschland n. Oesterreich-Ungarn 3,V0MK. alle anderen Länder 3,50 MK. Nr. 5. Berlin, 3s. Äanuar \902. Erscheint an jedem Freitag, das jüdische Litteraturblatt monatlich einmal. Zu beziehen durch die Post oder unsere Expedition: Berlin C. 19, Roß-Straße 3. Anzeigen für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 30 Pf. Bei Wiederholungen Preisermäßigung. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen entgegen. Für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitte ich an die Adresse: Berlin W., Tauenzienstr. 19a. M. A. Klausner. Der heutigen Nummer liegt das Jüdische Litteraturblatt Nr. 1 bei. Inhalt. Artikel: Die Politik. (Aus dem Reichstag. — Aus Frankreich. — Interpellation.) — Das jüdische Glaubensbekenntnis. Von Rabbiner Dr. B. Seligkowitz-Cöthen. — Zum zeitigen Stand der Verbands - Pensions - Kassen - Frage. Von Ad. Peritz-Königsberg i. Pr. — Protestversammlung. — Michael Lebensohn. Von Leon Scheinhaus-Memel. — Rabbiner Dr. Münz an Liebermann von Sonnenberg. — Sprechsaal: Aufruf. — Wochenchronik: Wochenkalender. — Berlin: Revision des Gemeindestatuts. — Gemeindebibliothek. — Aus dem Literaturverein. — Von der zionistischen Kolonialbank. — Frankfurt a. Main: Verein für jüdische Krankenpflegerinnen. — Wien: Das Rothschild-Krankenhaus. — Kaiserbildnis. — London: Tod einer hundertjährigen Jüdin. — Petersburg: Niederlassung von Juden in Sibirien. — Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. — Vakanzen. — Feuilleton: Spinnen und Fliegen. Von Gregorij Bogrow. (Fortsetzung.) — Brief- und Fragekasten. — Inserate. (Aus dem Reichstag.) In der Sitzung des deutschen Reichstags vom 25. d. M. hat der konservative Abgeordnete v. Massow eine Rede gehalten, die wir nach den Berichten der Tagesblätter im Folgenden wiedergeben: „Wir wollen die Freizügigkeit nicht beseitigen, aber wir wünschen nicht, daß die Leute vom Osten nach dem Westen ziehen, dort krank werden und der Osten dann die Kosten tragen muß. Die Landwirtschaft behält ihre Arbeiter das ganze Jahr; wenn die Industrie dasselbe thäte, dann würde es keine Arbeitsnot geben. Die Kommunen sollen jetzt helfen gegen die Arbeitsnot. Wie das geschieht, zeigt ein Erlaß des Berliner Bürgermeisters, nach dem das Dienstverhältnis der Arbeiter gelöst werden soll, wenn die Arbeiter eingezogen werden. Auf dem Land arbeiten die Leute 14 Tage für ihre Wohnung,' sin den Städten 100 Tage. Bei uns sitzen Männer, die Preußen groß gemacht haben, hier sitzen Nachkommen von Schwerin und Winterseld, hier sitzt der Sohn des großen Reichskanzlers, in unseren Reihen sitzen die Nachkommen verdienter Generale und Minister, die Preußen und Deutschland groß gemacht haben; ihre Namen sind in die ehernen Tafeln der Geschichte eingegraben. Namen wie Bebel und Singer sind auf Schiefertafeln geschrieben, da wird die Weltgeschichte kommen und einfach mit dem Finger darüber wischen, daher das Wort: „Schwamm drüber!" (Großes Heiterkeit.) Wie wollen Sie demgegenüber den Grafen Mirbach angreifen, der durchaus ein Ehrenmann ist! Wenn Herr Singer auf Gummirädern oder in Gummigaloschen hier angegondelt kommt, oder diese Leute im Theater sitzen und sich von der Bühne zu hinsingen lassen: „Komm herab, o Madonna Theresa", so rufen wir ja auch nicht: „Da kommt der Jude!" WaA rufen Sie denn immer: „Da kommt der Junker!?" Davon bin ich überzeugt, Tausende von Thränen wären nicht vergossen worden, wenn das Rote Meer so vernünftig gewesen wäre und bei Zeiten die Klappe zugemacht hätte. Wir auf dem Lande arbeiten fleißig; und wenn wir unsere Söhne Offiziere werden lassen — mein Sohn steht auch bei den Kürassieren — so müssen sie da auch fleißig arbeiten. (Große Heiterkeit links.) Die Leute wollen auf dem Lande gar nicht anders behandelt werden, als wir es thun. Wenn ich die Abgeordneten Bebel und Singer so behandeln wollte, wie sie es verdienen, so würde ich mir einen Ordnungsruf zuziehen; mir fällt aber die ^Geschichte von dem Lohnkutscher ein, dem sein Herr sagt, wenn er nicht anders würde, müsse er ihm nächstens grob kommen/ und der ihm darauf entgegnet: Ach Gott, so grob können Sie ja gar nicht werden, wie ich es vertragenkann.!'(Großes Heiterkeit.) Wir arbeiten, aber während unseres Kavallerieoffiziere um sechs Uhr früh die Rekruten einexerzieren, sitzen im Nachtcafö die Leute, denen auch eine tausendjährige Vergangenheit nicht^das Kainszeichen^von der geschwungenen Nase abwischen kann. (Große Heiterkeit.) Aber ich hoffe, daß der Abgeordnete7Bebel für^die'TeileIeiner Rede, auf die ich mich bezog, auch einstehen wird; daß er nicht wie der Pharisäer sagen wird: Herr, ich danke dir, daß ich nicht bin wie andere Leute, sondern daß er wie der Zöllner in seinem Kämmerlein an seine Brust schlagen ^wird und/rufen: Gott sei? mir Sünder gnädig!"