Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 46 (15.11.1901) Unterschiedliche Ausgabe zu Heft 46
- Date
- 1901-11-15
- Page
- Seite 735 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 46. Israelitische Wochenschrift. Seite 735. zugleich einen Abriß der Geschichte der deutschen Juden. Er hob die Verdienste des verstorbenen Abgeordneten Wiggers um das Zustandekommen des Gesetzes von 1869 hervor, das den Juden die vollen staatsbürgerlichen Rechte — auf dem Papier — zuspricht. Der Vortragende ging natürlich auch auf die betrüblichen neuesten Erscheinungen ein, die zu Recht und Gesetz in schreiendem Gegensatz stehen. Wien, 12. November. (Total mesch. . . .) Der antisemitische Abgeordnete Schneider fährt fort, sich lächerlich zu machen. Sein neuester Angriff gegen die Juden hat in folgendem Vorschlag Ausdruck gesunden: Die Regierung möge zum Schutz des Staats verschiedene Maßregeln trcffen; 1. Zur Errichtung neuer Synagogen und zur Begründung neuer jüdischer Gemeinden ist die gesetzliche Genehmigung erforderlich. 2. Alle Juden müssen vor den Cwilbehörden einen Eid ablegen, daß sie die Konstitution und alle übrigen Landesgesetze nicht antasten wollen, und müssen gleichzeitig beschwören, daß ihr Eid keine Reservation enthält, wie sie mit den von Kol Nidre annullierten Eiden verbunden ist. 3. Die für politische Vereine geltenden Vorschriften sollen auf die Juden und jüdischen Gemeinden ausgedehnt werden. 4. Juden und Jüdinnen sollen von jedem Lehramt ausgeschlossen werden. London, 12. November. (Jubiläum der Wochenschrift Jewish Chronicle.) Die bekannte vortreffliche Zeitschrift „Jewish Chronicle" feiert has Jubiläum ihres sechszigjährigen Bestehens. Am 12. November 1841 ist die erste Nummer dieses Blattes erschienen, deren Kopf, wie ein in der vorwöchtgen Ausgabe der Jewish Chronicle abgedrucktes Facsimile zeigt, vor 60 Jahren fast ebenso aussah, wie der der heutigen Nummer. Außer dem Kopf wird auch das Vorwort reproduziert, mit dem seiner Zeit das neue Unternehmen in die Welt geschickt worden, und einige der interessantesten Mitteilungen, die das neue jüdische Wochenblatt in den ersten Nummern veröffentlicht hat. In der Ausgabe vom 12. November finden wir u. A. die Ankündigung, daß aus Anlaß der glücklichen Entbindung der Königin von einem Prinzen in den Synagogen ein feierlicher Dankgottesdienst stattfinden wird. Der neugeborene Prinz ist der nunmehrige König Eduard VII., dessen 60. Geburtstag dieser Tage vom ganzen Land gefeiert worden ist. Die Nummer vom 14. Januar enthält folgende der „Augsburger Allgemeinen Zeitung" entnommene Nachricht: „Wie verlautet, sollen die bestehenden Gesetze bezüglich der Juden in Preußen einer Aenderung unterzogen werden. Wie wir hören, soll den Juden nicht nur die volle Ausübung ihrer Religionsvorschriften und ihres Gottesdienstes gewährleistet, sondern es sollen ihnen auch all die Rechte gewährt werden, die ihnen bisher entzogen worden sind." Petersburg, 10. November. (I. A. Wawelberg.) Einer der vornehmsten jüdischen Bürger Petersburgs ist dieser Tage in Wiesbaden, wo er Erholung von seinen Leiden suchte, gestorben. Hippolyt Andrejewitsch Wawelberg wurde 1844 in Warschau geboren. Sein Vater war der Begründer des berühmten Bankhauses Wawelberg, das in Petersburg und Warschau zu den ersten Firmen zählt. I. A. Wawelberg hat in Warschau Gymnasium und Universität und später das Novoalexandrisk Landwirtschaftsinstitut besucht. Nach Absolvierung seiner Studien trat er in das väterliche Bankg.schüft in Warschau ein und übernahm später die Leitung des Petersburger Geschäfts, bis der Tod seines Vaters beide Filialen unter seine Verwaltung brachte. Der Verstorbene war ein tüchtiger Geschäftsmann und hat seine Firma zu großem Ansehen bebracht. Für seine jüdischen Mitbürger und für seine armen Glaubensgenossen aber hat er mit nimmer müder Fürsorge und mit offener Hand gesorgt. Er war Vorstandsmitglied der hiesigen jüdischen Gemeinde, des Vereins zur Verbreitung von Bildung unter den russischen Juden, seit Begründung der Jewish Colonisation Association (1891) deren Vertreter in Rußland. Für die Ansiedlung der Juden in Argentinien hat er fleißig gewirkt, Pläne ausgearbeitet, Studien gemacht und die beschwerlichsten Reisen nicht gescheut. Die vielen wissenschaftlichen Stiftungen, die er in früheren Jahren in Warschau gemacht, deren Benutzung hauptsächlich für Polen bestimmt und deren Verwaltung Polen anvertraut gewesen, sind gegen den Wunsch ihres Stifters den Juden nicht in gleichem Maße zu Gute gekommen, wie den nichtjüdischen Polen. Deshalb hat wohl der menschenfreundliche Mann seine späteren Stiftungen ausdrücklich für Juden bestimmt. Er hat den Verein zum Bau billiger Wohnungen für jüdische Arbeiter begründet und hat in Wilna zwei Gebäude errichtet, die 200 jüdischen Arbeiterfamilien Unterkunft geben. Petersburg, 11. November. (Judenkommission.) Unter dem Vorsitz des Ministers des Innern, Herrn Durnowo, ist eine von sämtlichen Ministerien beschickte Kommission zusammengetret^n, um die Gesetze, Verordnungen und Lokalbeftimmungen zu revidieren, die für die Juden Rußlands innerhalb und außerhalb des Ansiedlungsgebiets in Geltung sind. Der von der Kommission auszuarbeitende Bericht wird vor Schluß des Jahres nicht beendet sein. Bisher haben alle die Juden betreffenden Angelegenheiten dem sogenannten „Kirchendepartement für fremde Konfessionen" unterstanden. Die Juden in Rußland haben keine großen Hoffnungen aus Besserung ihrer Situation durch die Ueberantwortung an eine neue Instanz. Sie befürchten sogar, der Minister des Innern könnte, wenn er nur aus eigene Verantwortung vorzugehen hat, den Juden gegenüber eine strengere Politik einführen, als sie in den letzten zehn Jahren in Uebung gewesen. Christiania, 12. November. (Erwiderung.) Sehr geehrter Herr Redakteur! Unter der Überschrift „Richtigstellung" ist in der „Israelitischen Wochenschrift" Nr. 44 ein Artikel erschienen, dessen Ursprung trotz seiner Anonymität erkennbar ist. Der Artikel enthält persönliche Angriffe gegen den Unterzeichneten und Kollegen in der Repräsentantschast von Det mosaiske Troesamsund, d. i. der mosaischen Glaubensgenossenschast. Auf diese Angriffe will ich nur so weit eingehen, als das öffentliche Interesse es verlangt, das darin besteht, daß wahrheitswidrig die Meinung verbreit werde, als ob unsere Gemeinde aus minderwertigen Elementen zusammengesetzt sei, während sie von ruhigen Bürgern und Kausleuten gebildet wird. Zunächst muß ich richtig stellen, daß unsere Gemeinde nicht einschließlich der Unverheirateten nur etwa 30 Mitglieder, sondern über 230 Köpfe zählt. Sodann bin ich zu meinem Bedauern gezwungen, gegenüber der Berufung des Herrn L'