Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 32 (9.8.1901)
- Date
- 1901-08-09
- Page
- Seite 512 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 512. Israelitische Wochenschrift. Nr. 32 Erregung seine Toilette. Jule war sprachlos vor Schreck, es kam ihr alles wie ein Traum vor. Auf ihre Frage, wohin er denn wolle, sagte er erregt: „Zum Roschhakohol, eine „Reziche" (Mord) habe ich begangen, Gott verzeihe mir" — und er war in die Nacht hinausgeeilt. Jule ging es eiskalt über den Rücken. So viele Jahre hatte ihnen der gütige Himmel geschenkt, hatten sie fleckenlos ihr bescheidenes Dasein geführt, und nun im späten Alter sollte ihr Kalme, der doch keinen Wurm zertreten konnte, zum Mörder geworden sein! Sie kleidete sich an, nahm die Tchine zur Hand und sandte unter heftigem Schluchzen inbrünstige Gebete zum Himmel. Sie konnte noch immer den Gedanken nicht fassen: Kalme ein Mörder! Geraume Zeit verging, dann wurde es vor dem Fenster immer bewegter: mehrere Handlaternen wurden sichtbar. Der Roschhakohol mit dem Wächter und mehreren Gemeindemitgliedern hatten sich eingefunden und suchten alles ab, doch den Getöteten konnten sie nicht finden. Der Vorsteher war ärgerlich über Kalme, denn er glaubte sich von diesem zum Besten gehalten, und der Wächter schalt ihn einen Hasenfuß, der Gespenster gesehen. Während die Männer vor dem Fenster debattierten, machte sie ein leises Kichern, das von oben kam, stutzig. Der Wächter leuchtete in die Höhe und erblickte bei einer Dachluke zwei Jungen. Der eine hielt eine Strippe in der Hand, an der der „Tote" hing, denn Kalme erkannte, ihn sogleich, der andere Junge hielt den „Mann" beim Bein, um ihn auf ein verabredetes Zeichen 1h - -Hs—Tisfr zu- -schlendern^—^-Dieser. neuerdings beabsichtigte Streich der verderbten Jungen wurde doch durch das Einschreiten des Wächters vereitelt. Wie eine Zentnerlast siel es Kalme vom Herzen, als er sein Opfer sah, dem nicht ein Tröpfchen Blut aus den Adern floß. Der Roschhakohol konnte das Lachen nicht verbeißen, und sein anfänglicher Aerger zerfloß in den an Kalme gerichteten Worten: „Wenn du auch glaubst, den „Chomezdigen Borchu" umgebracht zu haben, lieber Kalme, so nützt es dir ja doch nichts, denn im nächsten Jahr giebts wieder neues Stroh, und ein alter Rock wird sich auch für den Mann wieder finden". Kalme kehrte in sein Stübchen zurück, wo Jule die Tchine wieder von vorn zu lesen begonnen hatte. Ihre Augen strahlten vor Glückseligkeit, als sie Kalme wieder frohgemut in die Stube treten sah. „Nicht wahr, Kalme, das war ein böser „Cholem"; du bist kein Rezeach". Mit diesen Worten eilte sie ihm entgegen. „Wie kannst du nur so was denken, gute Jule? Den ich umgebracht zu haben glaubte, wird immer leben, es ist der „chomezdige Borchu", antwortete Kalme frohen Herzens und drückte Jule innig an seine Brust. * * * Ein Jahr darauf war's und Kalme ging am „Erew Pessach" ins Reich der Geister ein. Am letzten Pessachtag wurde der „Chomezmann" wieder durch die Gasse getragen, doch am Fenster Jules zog die fröhliche Jugend gebeugten Hauptes und in stiller Teilnahme vor der trauernden Witwe vorbei! Brief- und Lragekasten. Herrn Dr. F. in P. Besten Dank. Warum nicht direkt? — Herrn I. Z. in Fr. a. M. Das 2. Exemplar war für Dich. Gruß! — Herrn L. O. in F. a. M. Daß ein Manuskript nicht erlebt, gedruckt zu werden, kommt öfter vor; daß aber ein Zeitungsmanuskript das Gedrucktwerden überlebt, ist noch nicht dagewesen. Sie müssen nun schon den Abdruck für das Autogramm nehmen. untz m Gebrannte Koffccs ln Preislagen von Mk. 1,20, 1,40, 1,60, 1,60, 1,70, 1,80, 1,90, 2,00 per V2 Ko Allen Freunden eines guten Getränkes als voriügliche Marke empfohlen. Verantwortlich für Den redaktionellen Teil: M. A. Klausner, für den Inseratenteil: Max Schäffer in Berlin. Berlin, Meineckestr. 3, am Zoolog. Garten. Wollmannsches Tochter-Pensionat — Fortbildungs-Kurse. 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