Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-05-31 · 22 (31.5.1901) · p. Seite 348

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
22 (31.5.1901)
Date
1901-05-31
Page
Seite 348 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9605241-9605431--8204-9605443
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 348 Israelitische Wochenschrift. Nr. 22. Glaubensgenossen, und zwar insbesondere auch im östlichen Europa und in Asien fördern". Das alles für 5 Mark jährlich, was in der That spottbillig ist. Die konstituierende Versammlung hat gestern stattgesunden. An der Spitze stehen die Herren Willy Bambus und Generalkonsul Eugen Landau. Berlin, 26. Mai. (Liederbuch für jüdische Vereine.) Der hiesige jüdische Turnverein „Bar Kochba" beabsichtigt die Herausgabe eines Liederbuchs, das für jüdische Vereine jeder Art (Studenten-, Gesangs-, Geselligkeitsu. s. w. Vereine) bestimmt sein soll. Die jüdischen Vereine werden gebeten, ihre Bundes- oder Vereinslieder zur event. Aufnahme einzusenden. Adresse: Berlin, Schönhauser Allee 182a. Berlin, 26. Mai. (Verein zur Förderung der Bodenkultur.) Der 3. Jahresbericht des Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands pro 1900/01 spricht in großen Worten von recht kleinen Ergebnissen. Daß in Jahresfrist die Zahl der Mitglieder von 451 auf 1006 gestiegen ist, mag ganz erfreulich sein — Dauer der Mitgliedschaft vorausgesetzt —; auch daß 2123 Mark aufgewendet werden mußten, um 450 Mark Vermögenszuwachs zu erzielen, mag noch hingehen; daß aber im Grunde nichts, rein gar nichts geschehen ist, das giebt Anlaß, daran zu zweifeln, ob in der rechten Weise gearbeitet wird, ob der Verein nicht am letzten Ende blos ein Verein mehr ist. Berlin, 29. Mai. (Wahlvorbereitungen.) Zwei östliche Synagogenvereine hatten aus gestern Abend zu einer „kombinierten Versammlung" eingeladen, in der die kommenden Repräsentanten-Wahlen zwar nicht aus der Tagesordnung standen, aber eifrig erörtert wurden. Die Herren Wedell und Chaim versuchten in trautem Verein mit dem Leichenbitter des seligen Centralvereins Herrn Weinberg ein abgekartetes Spiel. Man wollte die Privatgemetnden zu einer Vereinigung mit dem Leichnam des Centralvereins verlocken. Herr Weinberg versprach großmütig, die Herren von den Privatgemeinden bei der Ausstellung der Kandidatenliste zu „hören", und die Herren Wedell und Chaim versicherten, s i e würden dem toten Centralverein ihren Stempel ausdrücken, s i e würden die Wahlen machen! Redakteur Klausner verdarb den Herren einigermaßen das Konzept durch Beleuchtung des Centralvereins und seiner Leute und durch die Versicherung, daß es für die jüdische Gemeinde Berlin besser sei, vom Liberalismus erschlagen, als in dem stinkenden Schlamm des Centralvereins erstickt zu werden. Stolp i. P., 23. Mai. (Grundsteinlegung der neuen Synagoge.) Am Dienstag, den 21. Mai, Vormittags 11 Uhr, hat bei strahlendem Frühlingswetter die feierliche Grundsteinlegung der neuen Synagoge staltgesunden, deren Errichtung eine Notwendigkeit geworden, da der bisherige Tempel für die Zahl der Besucher nicht mehr ausreichte. Die Feier wurde mit einer eindrucksvollen Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Kalischer eröffnet, die große Begeisterung hervorries. Die Ansprache lautete: „Hochgeehrte Versammlung! Zur feierlichen Handlung der Tempelgrundsteinlegung'^hier^vereint, preisen wir den Lenker der Geschicke, der uns ausersehen hat, zu vollbringen, was fast ein Menschenalter hindurch vergebens angestrebt worden. Nächst dem Allgütigen gebührt unser Dank den treuen Verwaltern und Beratern der Gemeinde, deren zielbewußtes Schaffen das Wollen der voraufgegangenen Geschlechter nunmehr zur That gestaltet. Der lichte Frühling bestrahlt diesen in der Geschichte unserer Gemeinde so denkwürdigen Augenblick und freudige Frühlingshoffnung erhebt uns das Herz. „Der Weg des Lebens führt nach oben" (Spr. 15, 24). Die nämliche Frühlingssonne, die jetzt noch den Grundstein beleuchtet, einst wird sie die Zinnen des Tempels vergolden, und die starken Gottesmauern, die hier emporwachsen sollen, sie werden, das hoffen wir, Jahrhunderte hindurch unerschüttert ragen. So lange Frühlingsglanz und Sommerglut und Herbststürme und Wintergraus in buntem Wechsel sie umkreisen werden, werden sie ein rühmendes Zeugnis bleiben der Frömmigkeit, die ihre Begründer beseelt hat, und ein ernster Schmuck und eine ehrwürdige Zierde der Stadt, in deren Mitte sie aufsteigen werden. Also hoffen wir, und die Hoffnung stärkt und kräftigt uns. Denn wenn irgend eine Gemeinschaft, so ist es die Israels, die von der Zukunft Gnaden lebt und im Licht der Hoffnung sich sonnt. An der Stätte, an der das Allerheiligste aufragen wird, legen wir den Grundstein des Hauses, das dem Einig-Einzigen geweiht ist, dem Lichtgott, vor dessen Angesicht selbst die Finsternis sich aufhellt, dessen Lehre eine Lehre der Wahrheit und Gerechtigkeit ist, dessen Satzungen alle ohne Ausnahme makel- und fleckenlos sind und in jedem Augenblick bereit, der strengsten Wahrheitsforschung Stand zu halten, die sie bis in ihre Tiefen ergründen möchte. Wir legen den Grundstein an der Stätte des Allerheiligsten, das, in unfern Tagen der Aufbewahrungsort für die Thorarollen, in alter Zeit die Steintafeln mit den Zehngeboten barg, an deren Niederstammung vom Sinai das nahe bevorstehende Fest der Offenbarung uns erinnert. Es ist das weltgeschichtliche Verdienst des israelitischen Genius, daß er der Menschheit diese unsterblichen Zehngebote geschenkt hat, die nicht blos für Israel, sondern für die gesamte Kulturwelt ewig bindende Kraft haben, und diese unvergänglichen Grundgesetze des Menschentums bleiben in Ewigkeit auch der Grundstein des israelitischen Gottesglaubens, der seine Bekrönung erreicht in der Befolgung der altbiblischen Vorschrift: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" Also sind die Satzungen beschaffen, die wir innerhalb wie außerhalb unserer Gotteshäuser lehren und bewähren. Darum ist die Begründung eines israelitischen Gotteshauses nicht eine That der Trennung und Sonderung, sondern der Versöhnung und Bereinigung mit unfern Menschenbrüdern, und darum ist unser Herz dankerfüllt gegen die hochverehrten Männer, die, obwohl außerhalb unserer Glaubensgemeinschaft stehend, uns ehren, indem sie die Friedensthat dieser Grundsteinlegung gemeinsam mit uns vollbringen. „Der Weg des Lebens führt nach oben": zu Licht und Frieden und allumfassender Menschenliebe empor. Du aber, o Herr in den Höhen, schaue gnadenvoll auf das Thun deiner Getreuen hernieder! Segne vor allem unfern erlauchten Herrscher Kaiser Wilhelm II., unter dessen weisem und gütigen Schutz die Werke des Friedens in unserm Vaterland gedeihen und wachsen! Segne unser teures Vaterland und laß alle Bekenntnisse und Gesellschaftskreise in einmütigem Streben für das Höchste sich zusammenschließen! Segne diese Stadt und ihre Verwaltung! Segne unsere Gemeinde und ihre Leitung! Segne die Begründer dieses Gotteshauses und laß ihr edles Vorhaben gelingen! Segne den Leiter des Baues und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.