Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 18 (3.5.1901)
- Date
- 1901-05-03
- Page
- Seite 286 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 286. Israelitische Wochenschrift. Nr. 18. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Der Vorsitzende des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller Geheimer Kommerzienrat Goldberger in Berlin hat vom Präsidenten Loubet den Orden der Ehrenlegion erhalten. — Dem Ehepaar Wilhelm Weisstein in Berlin, LennMraße 4, ist anläßlich seiner Goldenen Hochzeit vom Kaiser die Ehejubiläums- Medaille verliehen worden. — Der Breslauer Stadtverordneten- Vorsteher Geh. Justizrat Wilhelm Freund hat am 1. Mai sein 60jähriges Juftizdienstjubiläum gefeiert. — Frau Baronin Cohn- Oppenheim ist zur Ehrenbürgerin von Dessau ernannt worden. — Kommerzienrat Heinrich Vlumenthal in Darmstadt ist gestorben. — Der König von Griechenland hat Herrn W. Aronsberg in Korfu das Großkreuz des Heilandsordens verliehen. — Der Direktor der rumänisch-deutschen jüdischen Knabenschule in Botoschani, Hillel Kahani, ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Er war ein großer Gelehrter und hat verschiedene bedeutende Werke veröffentlicht. — Herr F. D. Michaelis in Melbourne hat dem dortigen Alfred- Krankenhaus 1000 L. St. geschenkt. — Der erste Kantor der jüdischen Gemeinde in Hamburg, N. I. Süßkind, hat das Jubiläum seiner 25 jährigen Wirksamkeit in dieser Stellung gefeiert. Vakanzen. Laufenselden bei Bad Schwalbach. Sem. geb. Rel.-L., K., Sch., P00 M. Geh., 300 M. Nebeneink. Meld. an Salomon Frank. — Bischofswerder, W.-Pr. Rel.-L., K., Sch., 1100 M. Geh., fr. W., 100 M. Nebeneink. Meld. an M. Lichtenfeld. — Trabelsdorf bei Bamberg. Sem. geb. Rel.-L., K., Sch. (led.), 700 M. Geh., fr. W., 3-400 M. Nebeneink. Meld. an Schia Habermann. — Neidenstein. Rel.-L., K., Sch., 1000M. Geh., 600 M. Nebeneink., fr. W. und Gart. Meld. an Dr. Pinkuß in Heidelberg. — Lengfeld i. O. Rel.-L., K., Sch., 600 M. Geh., fr. W., 300 M. Nebeneink. Meld. an Hermann Lehmann. — Auerbach b. Schweinfurt. Friedhossverw. und Sch., 200 M- Geh., 400 M. Nebeneink. Meld. an S. Grünebaum in Niederwerra bei Schweinfurt. — Ettlingen bei Karlsruhe. Nel.-L., K., Sch., 700 M. Geh., 100 M. Wohnungszusch., 300-400 M. Nebeneink. Meld. an Dr. Mayer in Bühl (Baden). — Berncastel a. d. Mosel. Rel.-L., K., Sch., 800 M. Geh., fr. W. Meld. an G. Thal. — Heßloch, Kreis Worms. Sem. geb. Lehrer, Chorl. und Sch., 650 M. Geh., fr. W. und Heiz. Meld. an Bernh. Dreifuß. — Langenlonsheim bei Bingen am Rhein. Sem. geb. Rel.-L, K., Sch., (verh.), 700 M. Geh., fr. W., 300-360 M. Nebeneink. Meld. an Emil Natt. — Gräfenhausen bei Darmstadt. Rel.-L., K., Sch., 600 M. Geh., fr. W., 400-450 M. Nebeneink. Meld. an Gustav Kahn. — Schulitz. Kultusb., 1200 M. Eink. und fr. W. Meld. an M. Friedländer. — Ueckermünde (Vorpommern). K. u. Sch., 1000 M. Eink. Meld. an S. Pleß. — Odenheim. Rel.-L. und Sch, 700 M. Anfangsgeh., 200—300 M. Nebeneink. Meld. an Rabb. Dr. Doctor in Bruchsal. — Treptow a. d. Rega. Lehrer, K, Sch., 1200 M. Geh., 300 M. Nebeneink. Meld. an Rudolf Wolff. — Münster i. W. Seminarlehrer für Mathem. und Naturw. Meld. an I. Stern. — Hillesheim <Rheinhessen). Rel.-L., K., Sch., 700 M. Geh., fr. W. und Heiz., 250—300 M. Nebeneink. Meld. an Großherzl. Rabbinat in Alzey. Feuilleton. iuanüit. Eine Erzählung aus der spanischen Marannenzeit. Von D. S. (Fortsetzung.) „Es ist gut", antwortete jener, der jetzt keinen Zweifel mehr über die Absichten des Unbekannten hegte, „es ist gut". Der Unbekannte verbeugte sich leicht, leerte langsam das vor ihm stehende Glas und schien sich um Mateo nicht mehr zu kümmern. Dieser erhob sich, warf einen schnellen Blick auf die Anwesenden und machte ein für den Uneingeweihten unmerkliches Zeichen. Einige Trinker, die in einer Ecke des Saales zusammen saßen, hatten wohl darauf geachtet. Dann entfernte sich der Hauptmann schnell. Eine Viertelstunde später trafen die vier Personen, denen der stumme Ruf des Kapatoz gegolten hatte, ihren Vorgesetzten in einer gewissen Entfernung von der Herberge, an dem gewöhnlichen Versammlungsplatz. Diese noch ganz jungen Leute nannte man in der Gardunja Floreadores d. h. Strauchräuber. Sie waren gewandte Spitzbuben, die aus den Bagnos von Sevilla, Malaga oder Mellila entkommen waren. Sie trugen auch den Namen „Gesellen", weil, sie erst das Noviziat als „Chivatos" durchgemacht hatten. Sie mußten dann noch zwei Jahre der Gesellschaft „treu und redlich" dienen, ehe sie zum Rang eines „Guapo" oder wirklichen Mitglieds der Gardunja emporstiegen. Kein öffentliches oder heimliches Unternehmen war so gefahrvoll, das ein Floreador aus Befehl des Kapatoz nicht versucht hätte, um seinen Schutz zu erhalten und schneller den Rang eines Guapo zu erhalten. Diese Leute standen dem Provinzialhauptmann jederzeit unbedingt zur Disposition, und Mateo hatte auf ihre Ergebenheit gerechnet, um das Rettungswerk, welches ihm die Dankbarkeit gegen Diego einflößte, vollbringen zu können. Er setzte ihnen also auseinander, daß er ihrer zu einer geheimen Expedition bedürfe, die ihnen außer seiner besonderen Gunst eine bedeutende Belohnung einbringen würde, unter der Bedingung, daß sie das tiefste Stillschweigen über die Sache inne hielten. Das war für die Floreadores ein doppelter Gewinn, da sie nicht, wie die anderen Guapos, ein Anrecht an die Einnahmen der Gesellschaft hatten und nur von zufälligem Nebenverdienst leben mußten. Ebendeshalb verfehlten sie auch keinen Abend, sich in der „roten Herberge" etnzufinden, um beständig der Befehle Mateos gewärtig zu sein. Der Kapatoz gab ihnen nun genaue Instruktionen über alles und schickte sie fort, nachdem er für den folgenden Tag Ort und Stunde zu einer neuen Zusammenkunft festgesetzt hatte. An demselben Abend saß Diego in seinem Zimmer neben seiner lieben Juanita. Inmitten der Traurigkeit, die seit Fernandos Abwesenheit rings um sie herrschte, suchte der arme Vater seine Tochter zu trösten und über das Schicksal des