Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 15 (12.4.1901)
- Date
- 1901-04-12
- Page
- Seite 240 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 240. Israelitische Wochenschrift. Nr. 15. wie unsere frommen Brüder in Palästina: wenn sie ihre Bücher und heiligen Gesetzesrollen nicht mehr gebrauchen können, vertrauen sie sie der Erde an, wie man ihr den Ueberrest derer anvertraut, die uns teuer sind und die wir nie mehr Wiedersehen sollen". Nach diesen Worten zog der Mönch ein Grabscheit unter seinen Kleidern hervor und benutzte das Werkzeug dazu, den Boden auszutiesen. Einige Marannen thaten ein Gleiches und bedienten sich dabei der Hände oder der Schwerter, die sie als Edelleute stets bei sich trugen; die Andern hatten sich um sie gruppiert und blieben stumme Zuschauer der eigentümlichen Szene. In kurzer Zeit hatte man eine ziemlich tiefe Grube hergestellt, der Mönch legte die Gebetbücher auf die Erde und auf sie die fünf Bücher Mosis, über alles breitete er sodann das weißwollene Tuch aus und bald war alles wieder mit Erde beoeckt, die man vollkommen ebnete, um auch nicht durch die geringste Spur die Handlung, die man eben vorgenommen hatte, zu verraten. In Palästina waren diese Arten der Beerdigung früher ziemlich häufig und hatten nichts Trauriges an sich; der Boden, dem man diese Rollen anvertraute, war auch ohnedies geweiht, und dann, wenn man sich die lange Reihe der Jahre ins Gedächtnis zurückrtes, während der das heilige Buch zur Verlesung des Gotteswortes gedient hatte, freute man sich sozusagen über das schöne Lebensende desselben, daß es friedlich, ohne jede Gewalt, ohne jeden Unfall von hinnen schied; hier aber drückte diese schon an sich feierliche Zeremonie den Verhältnissen einen Charakter tiefer und grausamer Bitterkeit auf. Für die Marannen, die schon so lange in fortwährendem Kampf ihren Glauben gegen die Allmacht der Inquisition verteidigten, bedeutete die erhabene Handlung, die sie soeben vollführt hatten, das Verschwinden jeglicher Hoffnung und die sichere Aussicht auf einen gewaltsamen Untergang innerhalb der Grenzen des spanischen Vaterlands. Sie entsagten nicht ihrem Glauben, wohl aber diesem schönen Lande, an das sie durch so viele Bande der Liebe gefesselt waren. Alle Anwesenden waren ties gerührt, die Meisten vergossen bittere Thränen, und selbst Enriquez, der Mann des eisernen Willens, konnte keine Worte zu ihrem Trost finden. Er begnügte sich damit, ihnen die Hand zu drücken und ihnen noch einmal durch ein Zeichen Vorsicht und Verschloffenheit anzuempfehlen. 7. Während diese Ereignisse fernab von jedem entheiligenden Blick in der Tiefe der „Ruinen" vor sich gingen, fand ganz in der Nähe eine andere nächtliche Unterredung statt, im Schutz der dichten Gebüsche, die den Zugang zu diesem vom Volksaberglauben allgemein gefürchteten Ort abschnitten. Die beiden Männer, die diesen Platz zu ihrer Zusammenkunft gewählt hatten, waren Matteo, der Provinzialhauptmann in der Gardunja, und Alonzo, der Sohn des Grasen von Ramira. Was sie sich zu sagen hatten, mußte geheim bleiben, und gerade dort hatten sie, vollends bei Nacht, am wenigsten unberufene Zeugen zu befürchten. „Was wollt ihr von mir"? fragte der Kapatoz, nachdem er sich die Ueberzeugung verschafft hatte, daß er wirklich den jungen Mann vor sich habe, der ihn hierher bestellt hatten „In Saragossa lebt ein Mann, der mir im höchsten Grade unangenehm ist . . ." „Nun, also?" „Und dessen Tod für meine Pläne notwendig ist". „Eine Verdunklung", murmelte der Kapatoz in der Gaunersprache der Gardunja, in der man hierunter den Meuchelmord verstand, „das ist teuer!" Der junge Graf glaubte in diesen Worten eine Anspielung aus die zerrütteten Vermögensverhältniffe seines Vaters zu erblicken. „Ich bezahle bar", antwortete er. „Wieviel?" Der Kapatoz flüsterte dem jungen Mann die Summe die er forderte, leise ins Ohr, als ob dadurch die Höhe der Ziffer gemildert würde. „Gut", antwortete der junge Mann, „ich habe npch mehr bei mir. Nehmt, ihr könnt morgen nachzählen, es fehtt kein Deut". ■ „Wir werden sehen", antwortete der Kapatoz, indem er das Geld in Empfang nahm. „Um wen handelt es sich?" „Um Diego d'Almora". „Um Diego?" rief der Kapatoz, „niemals! Nehmt euer Geld zurück". „Ihr wollt nicht?" „Nein". „Warum?" „Während ich nicht zu Haus war, haben meine Frau und mein kleiner Esteban Schutz und Hilfe im Hause Diegos gefunden. Niemals!" Wenn der Kapatoz die reine Wahrheit hätte erzählen wollen, hätte er sagen müssen: als ich zehn Jahre aus den Galeeren war. Dort hatte er nämlich erst den Rang eines Räuberhauptmanns empfangen; aber der gute Mann wollte ja dem jungen Grasen hier nicht seine Lebensgeschichte zum Besten geben. (Fortsetzung folgt). Brief- und Lragekaslen. Herrn Dr. C. in M. Es muß gehen! Die Schrift werde ich mir besorgen. Die Einsendung erwarte ich. Herzlichen Gruß. I« Preislagen von Mk. 1,20, 1,40, 1,50, 1,60, 1,70, 1,80, 1,90, 2,00 per */* Ko Als anerkannt vorzüglichste Marke empfohlen. HDD Vj? unter Aufsicht Sr. Hochwürden des Herrn Rabbiners Dr. Plato, Köln 6ebiMnte KötTccs Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. A. Klausner, für den Inseratenteil: Max Schäffer in Berlin. »erlag Siegfried Tronbach, Berlin W. 67. — Druck: Arthur Scholem, Berlin 6., Roßstr. *.