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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-04-05 · 14 (5.4.1901) · p. Seite 212

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
14 (5.4.1901)
Date
1901-04-05
Page
Seite 212 (sequence 4)
Language
German
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Seite 212. Israelitische Wochenschrift. Nr. 14. Besprechung kommen. Herr Dr. A. Friedemann-Berlin hat hierüber das Referat. Herr Dr. R gensburger-Mannheim das Korreferat. Ueber die jüdische Kolonialbank wird Herr D. Wolffsohn-Köln Mitteilungen machen. Die etwa noch verbleibende Zeit soll der Erörterung von Anträgen und Resolutionen gewidmet sein. — Jede zionistische Ortsgruppe soll wenigstens einen Vertreter nach Berlin entsenden. Die ruiuiinischkll Inden nnter dem fiirflftt und giöing Karl. Unter duftm Titel ist bei Mahlau L Waldschmidt in Frankfurt a. M. eine Broschüre von Julius Plotke erschienen, die mit erstaunlicher Sachlichkeit und in aller Knappheit die Geschichte erzählt, wie rumänisches Gaunertum der rumänischen Barbarei den Sieg über Gesittung und Europas Willen verschafft hat. Kurz nach dem Regierungsantritt des Fürsten Karl von Rumänien brach ein Aufruhr gegen die Juden aus. Den Anlaß hatte ein Regierungsvorschlag gegeben, der aus Emanzipation der eingeborenen Juden abzielte und lautete: „Die Konfession ist kein Hindernis zur Naturalisation in Rumänien". „Was die (bereits in Rumänien ansässigen) Israeliten anlangt, so wird ein Speziatgesetz ihre stufenweise Zulassung zur Naturalisation (und damit zu den bürgerlichen Rechten) regulieren". Im Sommer 1866 äußerte Fürst Karl dem in Bukarest anwesenden französischen Minister Cremieux gegenüber: „Diese Vorurteile sind schmachvoll; ich setze meine Ehre darein, sie zu bekämpfen. Die vollständige Emanzipation der Juden wird bei unr die lebhafteste und hingebendste Unterstützung finden". Im Mai nächsten Jahres hielt der englische Konsul Green in Jassy dem Fürsten Karl Vortrag über die inzwischen stnt» gehabte Vertreibung von mehreren hundert jüdischen Familien. Der Fürst erklärte, daß es sich dabei nicht um Judenverfolgungen, sondern um Ausführung einzelner hygienischer und polizeilicher Maßregeln gehandelt hatte, „die vielleicht mißbräuchlich angewendct worden wären". Allein der Fürst verhehlte nicht, daß die Anordnung, die die Vertreibung veranlaßt hatte, ein großer Fehler gewesen sei, und versicherte, daß er seit Beginn seiner Regierung Beweise von seinem Entschluß gegeben habe, alles zu verhindern, was aus eine Verfolgung der Juden Hinzielen könnte. Die rumänische Regierung aber l o g gleichzeitig, daß sie die Religionsfteiheit schütze, und rechnete sich zum Ruhm an, daß der Fürst aus seiner Chatulle 25 000 Francs zur Wiederherstellung der vom Pöbel zerstörten Bukarester Synagoge beigesteuert hatte. Der Fürst selbst bekennt in seinen Memoiren, daß die von der Regierung gegen die umherziehenden „Fremden" getroffenen Anordnungen nur gegen die Juden angewendet würden. Angesehene Bojaren, an ihrer Spitze Demeter Stourdza, der jetzt genau solcher Schuft ist, wie alle anderen, versicherten in einer Petition dem Fürsten, daß die Judenverfolgungen anar chistische Erscheinungen seien, und daß man ihn betrüge, wenn man ihm die Dinge in anderem Licht zeige. Am 28. Juni 1867 versprach Fürst Aarl dem Konsul St. Clair in Jassy, daß er den Verfolgungen ein Ende machen und die Verfolger schwer bestrafen werde. Dabei hatte der rumänische Bojarenpöbel den Einzug des Fürsten Karl in Jassy, ihm zum Hohn, (mit einer solennen Judenmißhandlung gefeiert. Weitere Akte rumänischer Barbarei folgten. In der Thronrede vom 10./22. Januar 1868 sagte Fürst Karl wörtlich: „Wenn früher die rumänische Nation sich von den Prinzipien der Menschlichkeit und der religiösen Duldsamkeit niemals entfernt hat, so wird sie heute im neunzehnten Jahrhundert unter meiner Regierung diese geheiligten Grundsätze gewiß nicht verletzen, und wenn unter dem Vorwand wirtschaftlicher Mißstände einige Individuen die Frage auf das religiöse Gebiet hinüber zu spielen suchten und Empfindungen der Feindseligkeit gegen die Israeliten im allgemeinen zu erwecken sich an maßten — wie man dies bei den letzten Ereignissen von Verlad und Calarach sah, — so können Sie sicher sein, daß diesen Versuchen ein Ende gemacht werden wird". Die Antwort der edlen Bojaren war, daß 31 von ihnen in der Kammer einen Antrag stellten: „Juden dürfen in den städtischen Gemeinwesen nur mit Genehmigung des Gemeinderats, in den ländlichen Gemeinden dagegen unter keinem Vorwand und nicht einmal zeitweilig sich niederlassen". „Unbewegliches Eigentum dürfen sie weder in den Städten noch auf dem Lande erwerben; Kauf und Verkauf desselben zu ihren Gunsten ist null und nichtig". „Ebenso ist es ihnen verwehrt, Landgüter, Weinberge, Schenken, Gasthöfe, Brennereien, Mühlen, Brücken u. s. w. in Pacht oder Betrieb zu nehmen, und weder Staat noch Gemeinden dürfen ihnen Lieferungen übertragen. Um Handel zu treiben, bedürfen sie eines von dem betreffenden Gemeinderat ausgestellten Gewerbescheins, doch sollen sie Nahrungsmittel und Getränke nur an ihre Glaubensgenossen, nicht an die Christen absetzen dürfen. — Vorstehendes Gesetz erhält rückwirkende Kraft; alle Gesetze und Verordnungen, die mit demselben in Widerspruch stehen, sind aufgehoben". *?: Dieser Antrag, von der Regierung lau bekämpft, zeitigte weitere Barbareien, die den Konsuln von England, Oesterreich, Frankreich, Griechenland, Preußen und Rußland nachstehenden, Jassy,^5. April 1868 datierten Protest diktierten: .„Die Unterzeichneten erkennen einstimmig an, daß es nicht für sie zweifelhaft ist, daß die Maßregeln der Quälerei und der Vertreibung, die gegen die Israeliten heute verübt wurden, durchaus wirkliche und vollständige Thatsachen sind. j Infolgedessen sind die Unterzeichneten zu ihrem Bedauern dazu gelangt, sich zu überzeugen, daß die'so kategorische Ableugnung, die den Agenten und Konsuln durch die rumänische Regierung entgegengestellt wurde, in flagrantem Widerspruch zu den Thatsachen steht, die sie selbst zu konstatieren in der Lage waren". Die rumänische Regierung nahm den Vorwurf der Verlogenheit als eine Schmeichelei aus. Um dieselbe Zeit schrieb der Fürst von Hohenzollern, Vater des Fürsten Karl, an Berthold Auerbach: „Verehrter Freund! Schon längst würde ich ihre inhaltschweren Briefe beantwortet! haben, wenn ich nicht in der Zwischenzeit eingehende Recherchen I gepflogen hätte, um über die sehr alarmierenden Gerüchte wegen

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