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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1901-01-01 · No. 2. (1901) · p. Seite 10

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 2. (1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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סו auszugleichen in der Gemeinschaft gottesfiirchtiger, edler Frauen. Alle waren beseelt von dem Gedanken: Amnutli ist trügerisch, Schönheit vergänglich. Nur mit Gottesfurcht vereinigt sind Schönheit und Amnutli ruhmeswürdig21־). In der Zeit der Verfolgung aber war das Handwerk den Juden unzugänglich geworden; obsclion, ja weil man sich dessen bewusst war, dass das Handwerk einen goldenen Boden hat. Hat. doch die Armuth während siebenjähriger Hungersnot!!, vielleicht unter Herodes I. Herrschaft, an den Pforten des Handwerkers nicht zu pochen vermocht22). Nur in einer Zeit im Ganzen gesetzlich gesicherten und nur durch die IJngunst der Regierenden oder der Regierten getrübten Lebensstellung waren die Juden bestrebt, durch Werke des Kunstgewerbes den Herrschern, durch Arbeit, welche des Bürgers Zierde ist. dem Volke gerechtes Wohlwollen einzuflössen. Solche Zeiten nun waren der Entwickelung des Gewerbes auf der einen und der Arbeit der Wissenschaft auf der anderen Seite recht günstig. Die Lehrer und Gelehrten der Glaubensgemeinschaft waren an Stelle der Dichter und Denker getreten. Auf den Trauerweiden hing die verstimmte und verstummte Harfe Zions23). Indess adelte die intellektuelle Kraft das Handwerk, arbeiteten mit künstlerischem Bewusstsein Tanaim und Amoraim am Ausbau des Lehrgebäudes des Judentliums. Auf sechs Säulen erhebt sich nun die Architektonik der jüdischen Rechtslehre, des Talmuds: auf dem Naturrecht, Staatsrecht, Kirchenrecht, Ehe- und Familienrecht, Civilrecht und Strafrecht. Der Grundstein des Gebäudes ist Gottesfurcht, die Throne., am. Gebende das Heil, die Pforten, weiche zum Gebäude führen, heissen Glauben und Wissen21). Seitdem tausend Schmiede und Schlosser mit dem Könige Jehojakim durch Nebukadnezar, den baby- Ionischen Herrscher, in die Gefangenschaft geführt wurden2״), hat die Arbeit nicht den Hochstand erreichen können, welchen sie in der talmudischen Zeit erreicht hatte. DieWeisen der Mischnah lernen und lehren die Liebe zur Arbeit26). Die Talmudweisen hatten solch hohe Achtung vor dem Berufe des Handwerkers, dass der Meister während der Arbeit von dem Beweise der Ehrerbietigkeit für den Gottesgelehrten durch Erhebung von dem Sitze befreit war27). Ging doch die wissenschaftliche mit der gewerblichen Arbeit bei so manchem Weisen Hand in Hand. So kam’s auch, dass die wissenschaftliche Arbeit im Bilde der gewerblichen Thätigkeit dargestellt ward. Die Lernenden, sagen die Weisen, haben die vierfache Aufgabe von den Lelirenden übernommen: erstens, den Lelirgehalt schwammartig aufzusaugen; zweitens triehterförmig durch dass eine Ohr das Gelernte aufzunehmen und durch das andere Ohr ausströmen zu lassen, den Lelirgehalt einerseits in der Wissenschaft zu verinnerliehen und andererseits nach Aussen hin auf das Leben sittlich einwirken zu lassen. 1111 Bilde des Hebers gewinne drittens der Hörer die Kraft, den Wein des Gedankens aufzunehmen und die Hefe der Leidenschaft 21) Taanith 26 b (Sprüche Salam. 31,30). 22) Svnhedrin 29 a. 23) Ps. 137,2. 21) Vgl. Sabbath 31a (Jesajah I, 33,6).ף2״ n. Könige 42,16. 26) Pirke Aboth 1,9. 27) Kidduscliin 33a. versinken zu lassen. Dem Siebe gleich lerne viertens der Lehr begierige kritisch zu sondern zwischen unedlem und edlem Wissensstoff28). Nicht nur waren manche Weisen des Talmud selbst Vertreter des Handwerkstandes, sondern es war auch in der talmudischen Zeit bei den Juden im Allgemeinen das Handwerk ausgebildet und verbreitet2״). Unter den Talmudweisen, welche Handwerker waren, seien genannt: R. Joclianan. der Schuhmacher30), R. Jizchak, der Schmied31) und die Weidmänner Josef und R. Papa ben Abu32). In Alexandria waren die Bäcker und Parfümeure berühmt33), deren Gewerbe in Aegypten in der talmudischen Zeit einen ungleich günstigeren Stand hatte, als die arbeitenden Chissen dort in der jesajanischen Zeit erreichen konnten. Damals seufzten die Fischer, waren beschämt die Weber, war mit dem Segen der Natur der Segen der Arbeit versiegt31). Dass Gewerbefreiheit in der talmudischen Zeit geherrscht hatte, gellt daraus hervor, dass man rechtlich unterschied zwischen Meistern und Laien des Gewerbes (אומן und 35הדיוט). Auch stand die Technik in religiöser Hinsicht höher, als die handwerksmäßige Arbeit36). Die Lieblingsbeschäftigung der Männer war der Gartenbau (die Olivenpflanzung), die der Frauen die Weberei37). An das Spinnrad weist R. Elieser die Frau, deren Beruf die häusliche Arbeit ist38). Legt doch die edle Frau ihre Hand, welche sie willig den Armen öffnet, au den Rocken und versteht die Spindel zu führen39). Handwerker, deren Gewerbe in der Familie ererbt ist. sind stets anderen Arbeitnehmern vorzuziehen. Hatte doch König Salomo beim Tempelbau einen Meister der Metallarbeit siel! erwählt, der von väterlieber Seite aus dem Stamme Naplitali und von mütterlieber aus dem Stamme Dan (des im Kunstgewerbe begnadeten -Ahaliab) herstammte.10) Bei Ertlieilung von gewerblichen Aufträgen sowohl an Handwerker, als auch Hirten und Kaufleute, sollen nur Fachleute erwählt werden, welche auf ihre Leistungen bereits erprobt worden sind.11) Unter den Handwerkern waren die Conditoren (Parfümeure) ganz besonders beliebt. Die. Weissgerber waren nicht beliebt.12) Kupferschmiede und Weissgerber durften an den Wallfährten zum Heiligthume in Jerusalem nicht theilnehmen.43) Gerbereien und Badeanstalten waren vom Schriftheiligthume der Thürpfosten (Mesusah) befreit.11) Weissgerbern und anderen Handwerkern haben in der talmudischen Zeit offenbar Trübungen angehaftet, welche in der Gegenwart geschwunden sind. Unter den Gewerbetreibenden, aus deren Mitte der König und Hohepriester nicht gewählt wurden, waren: Goldschmiede,Weissgerber,Wäscher,Friseureu. a. (Kidduscliin 82a). So erklärt es sich, dass der Unterricht im Gewerbe des Eseltreibens, des Hirten, des Schiffers, des Töpfers und des Krämers untersagt wurde.15) Audi sollte kein Segen verbunden sein mit Winkelfirmen, (nicht gesetzlichen Mitgliedern der Kaufmannschaft), 28) Pirke Aboth 5,15. 29) Abodah sarah 71 a. 30) Pirke Aboth 4, 14. 31) Joma 70 a, Chagigah 26a. 32) Chulin 54a. 33) Joma 38a. 34) .Tesajali I, 19,8 u. f. 35) Baba karna 99b. 36) Rosch hasch an ab 29 b. '37) Nidak 67 b. 38) Joma 66 b. 39) Sprüche Salam. 31, 19 n. 20. 40) Erachi 16b (I. Könige 7,14). 41) Bezah 29b. 42) Pesachim 65a. 43) Chagigah 4a. 44) Joma 1! a. 45) Sofrim 15,10.

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