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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-03-08 · 10 (8.3.1901) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
10 (8.3.1901)
Date
1901-03-08
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Zeitschrift für die Gchmtintereffen des Judentums. Webst dem Weibfatt: Iüöifcbes Litteraturbl'crtt. Berantw. Redatt.: N. A. Klausner, Berlin W., Tanenzieuftr. 19 a. Telephon: Amt IX, Ar. 5567. Verlag: Siegfried Lronbach Berlin W.f Steinmetzstr 78. Telephon: Amt VI, Ar. 796. Poft-Zeitungsliste Ar. 370H. Bezugspreis vierteljährlich: Deutschland u. Oesterreich-Ungarn 3,00MK., alle anderen Länder 3.50 Mk. Hr* 10. Berlin, 8. März im Jahrgang X. Erscheint an jedem Freitag, das jüdische Litteraturblatt monatlich einmal. Zu beziehen durch die Post, den Buchhandel oder unsere Expedition. Anzeigen für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 30 Pf. Bei Wiederholungen Preisermäßigung. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen entgegen. Für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitte ich an die Adresse: Berlin Vf., Tauenzienstr. 19a. M. A. Klausner. Der heutigen Nummer liegt das Jüdische Litteraturblatt Nr. 2 bei. Inhalt. Artikel: Die Politik. (Pastor Krösell aus Klockzin. — Utilitätstaufen. — Der allgemeine deutsche Judentag. — Ein neuer Pückler-Prozeß. — Verurteilung. — Der Handfertigkeits- und Gartenbau-Unterricht. Von A. M. Simon. — Zur Geschichte der russischen Juden im 19. Jahrhundert. Von Leon Scheinhaus-Memel. (Fortsetzung.) — Generalversammlung der israelitischen Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau. — Sprechsaal: An die Herren Rabbiner. — Literarisches: Gedenkrede. Von Rabbiner Dr. Carlebach. — Wochenchronik: Wochenknlender. — Berlin: Vorlesung. — Semesterschlußkneipe. — Vom Turnverein „Bar Kochba". — Israelitisches Lehrerinnenheim. — London: Beileidskundgebung. — Heim für unheilbare Kranke. — Rom: Finanzminister Wollemborg. — Jerusalem: Trauergottesdienst für die Königin Victoria.— New-Iork: Jüdische Ackerbauer. — Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. — Vakanzen. — Feuilleton: Juanita. Eine Erzählung aus der spanischen Marannenzeit. Bon D. S. (Fortsetzung.) — Brief- und Fragekasten. — III. Liste der Spenden für die Pensions- und Reliktenkasse der Preußischen Rabbiner. — Inserate. (Pastor Krösell aus Klockzin.) In der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom vorigen Samstag brachte der Abgeordnete Dr. Barth zur Sprache, daß der Pastor Krösell aus Klockzin in Pommern Brandreden gegen die Juden halte, in denen er seiner angeblichen Ueberzeugung von dem Vorkommen von „Ritualmorden" Ausdruck gebe, daß er in Versammlungen vor Frauen und Kindern diese angebliche Ueberzeugung „wissenschaftlich" zu begründen behaupte, daß er die Ermordung des Gymnasiasten Winter als einen „Ritualmord" hinstelle, daß er die Behörden der Parteilichkeit gegenüber den Juden beschuldige, und daß für alle diese Verleumdungen und Lästerungen ihm die Schulsäle zur Verfügung gestellt worden seien. Der Herr Unterrichtsminister Dr. Studt erwiderte, daß Beschwerden gegen den Pastor Krösell an das Konsistorium und nicht an ihn zu richten seien, und daff der zuständige Regierungspräsident aus Beschwerde die Hergabe von Schulräumen für die Kröseü'schen Vorträge untersagt habe. Im Uebrigen kein Wort der Mißbilligung gegen Herrn Krösell, kein Wort der Mißbilligung gegen die Schuldirektoren, die wider Anstand und Pflicht die Schulräume in den Dienst einer schmachvollen und lügnerischen Verhetzung gestellt haben. Die „Deutsche Tageszeitung", ein antisemitisch-agrarisches Organ, berichtet über die Verhandlung in folgender Weise: „Pastor Krösell aus Klockzin hatte — es ist unerhört! — sich unterfangen, seiner Ueberzeugung, daß in Könitz ein Ritualmord vorliege, in öffentlichen Reden Ausdruck zu geben. Und dazu hatte er — wem sträuben sich da nicht die Haare! — noch die Kühnheit, einmal für seinen Vortrag ein Schullokal zu benutzen. Ja, er ging noch weiter; er ließ — entsetzlich! — eine spanische Wand daraus entfernen, weil das Zimmer für die vielen Zuhörer zu klein war". Die innere Ueberzeugung eines Menschen entzieht sich natürlich der Nachprüfung. Wenn also Herr Krösell vom „Ritualmord" überzeugt sein will, so kann man ihm nicht Nachweisen, daß er wider besseres Wissen spricht. Man muß sich darauf beschränken, zu sagen, daß jene „Ueberzeugung" nur auf der Basis einer vollkommenen Verblödung oder nicht zu überbietender sittlicher Verwahrlosung gewonnen werden kann, und daß Schulleiter, die derartige verbrecherische Lästerungen und Verleumdungen in den Schulräumen verbreiten lassen, der moralischen Qualifikation für das Lehramt entbehren. * * *

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