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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-02-01 · 5 (1.2.1901) · p. Seite 68

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
5 (1.2.1901)
Date
1901-02-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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Seite 68. Israelitische Wochenschrift. Nr. 5 schließen wollte, so würde er thöricht, undankbar, unpatriotisch, > mit einem Wort: antisemitisch handeln. Denn man muß! antisemitisch verblödet und verkommen sein, um den zähen, ß germanisierenden Charakter der Juden im Osten zu verkennen. Die „Bamberger" sind in kurzer Frist bis aus den letzten Rest polonisiert worden, obwohl sie, wie ihr Name sagt, aus dem Süden Deutschlands nach Posen gekommen waren, die Juden dagegen haben über 600 Jahre ihr Deutschtum in Polen gewahrt. Ob der oben erwähnte Herr Blumenthal Jude ist, wissen wir nicht. Sein Name klingt jedenfalls mehr deutsch, als der Name Kropatschek. Die Schlußwendung der „Kreuzzeitung" erinnert ganz an die Aera des Freiherrn von Hammerstein. Es hat sich auch in der „Kreuzzeitung" — abgesehen von Aeußerlichkeiten — seitdem nichts geändert, gar nichts. * * (Versammlungsverbot.) Der Regierungspräsident von Horn in Marienwerder hat in Schlochau die Abhaltung einer antisemitischen Hetzversammlung verboten. — In Pyritz darf der bekannte Pastor Kroesell, der die Verwegenheit hat, als ein Ignorant den Talmudkenner zu spielen und den „wissenschaftlichen Nachweis" zu versprechen, daß es einen Ritualmord gebe, seinen unerhörten Unfug weiter treiben, ohne behördlich gehindert zu werden. * * * (So sind sie Alle.) Der Kaufmann Friedrich Pape, Vorsitzender des Gaues Brandenburg vom Verband deutscher Handlungsgehilfen, ein Säulchen des Antisemitismus, ist wegen Unterschlagungen verhaftet worden. — So sind sie Alle, Alle ohne Ausnahme. * * * Die Juden in England.) Der ersten Sitzung des Staatsrats (Privy Council) unter dem neuen König Eduard VII. habeu der Staatsrat Lord Pirbright und die beiden Stadträte Sir George Faudel-Phillips und Sir Markus Samuel beigewohnt. Zum erstenmal in England ist bei dieser Gelegenheit die Proklamierung des Königs von drei Juden unterzeichnet worden. In der mehr als sechzigjährigen Regierungszeit der Königin Victoria hat das natürliche Recht der Juden in dem öffentlichen Bewußtsein stetig zunehmende Anerkennung gefunden. Im Jahr 3 837 wurde Moses Montefiore zum Sheriff von London gewählt und von der Königin zum Richter gemacht. Zwei Jahre später erlangte David Salomons die Würde eines High Sheriff von Kent. Wiederum zwei Jahre später ernannte die Königin den ersten jüdischen Baronet (Jsaac Lyon Goldsmid). Im Jahr 1845 wurden die Juden, die Munizipalämter erhielten, von der Ablegung von Eiden befreit, die ihrem Gewissen zuwiderliefen; auch wurde Moses Montefiore zum Baronet ernannt. Im Jahr 1849 wurde Baron Lionel Rothschild für die City von London ins Parlament gewählt, 1851 erhielt Stadtrat Salomons das Mandat für Greenwich. Beiden wurde der Sitz im Unterhaus entzogen, weil sie den Eid in der üblichen Form nicht leisten konnten. Ein Gesetzentwurf, der dieses Hindernis beseitigte, scheiterte wiederholt an dem Widerspruch des Oberhauses. Erst im Jahr 1858 konnte Baron Lionel Rothschild sein Parlamentsmandat ausüben. Vorher, 1855, war Stadtrat David Salomons als der erste Jude zum Lord Mayor von London gewählt worden. Zur selben Zeit, da Baron Lionel Rothschild im Unterhaus unangefochten sitzen durfte, erlangte Sir Francis Goldsmid als der erste Jude die Würde eines Queens Counsel. Im folgenden Jahr trat mit Salomons das zweite jüdische Mitglied ins Unterhaus. Noch ein Jahr verging, bis das Gesetz, das die spezifisch-christliche Eidesformel für die jüdischen Mitglieder abschaffte, in Geltung trat (1860.) Zehn Jahre später wurde das Gesetz veröffentlicht, das den am Sabbat feiernden Juden gestattet, am Sonntag zu arbeiten. In demselben Jahr (1870) wurde Sir George Jessel zum zweiten Kronanwalt (Solicitor-General) ernannt, mit welcher Würde er als erstes jüdisches Mitglied in das englische Ministerium eintrat, und im Jahr 1873 wurde er Master os the Rolls, das ist die dritte richterliche Würde in England. Kurz daraus wurde Sir Barrow Ellis zum Mitglied des Londoner Staatsrats für Indien gewählt und erhielt den Kommandeur-Orden des Sterns von Indien. Im Jahr 1875 wurde der bisher als Kolonialschatzmeister, Generalpostmeister und Premierminister in Neuseeland thätig gewesene Julius Vogel als Generalagent für Neuseeland nach London berufen und geadelt. Er hat von 1876—1881 als Generalagent in London gewirkt. Im Jahr 1880 wurde Sir Saul Samuel, der vorher Vizepräsident der Gesetzgebenden Körperschaft von Neu- Süd-Wales, Finanz-, Handels- und Postminister gewesen, zum Vertreter von Neu-Süd-Wales ernannt. Fünf Jahre später trat mit Sir Nathaniel Mayer von Rothschild, jetzt Lord Rothschild, der erste Jude in das Oberhaus. Gleichzeitig wurde Baron Henry de Worms zum Parlamentssekretär des Handelsamts gemacht. Dieser wurde 1838 Unterftaatssekretär im Kolonialministerium und Mitglied des Staatsrats (Privy Council.) Jnl Jahr 1893 kam Sir Julian Goldsmid zur Würde des Vorsitzenden (nicht: Sprecher) des Unterhauses. Im Jahr 1895 wurde Baron Henry de Worms als Lord Pirbright ins Oberhaus berufen, ebenso Sydney Stern als Lord Wandsworth. Zur nämlichen Zeit ernannte die Königin Sir Julian Goldsmid zum Mitglied des Staatsrats. Die sonstigen Nobilitierungen und Auszeichnungen von Juden können ihrer großen Zahl wegen nicht einzeln aufgeführt werden. Es ist hiernach begreiflich, daß beispielsweise in der Lodge of Israel um die Königin wie um eine Mutter das Kaddisch-Gebet gesagt wurde. Der Chief-Rabbi Dr. Adler, der dem König den Ausdruck schmerzlicher Teilnahme übermittelt hatte, erhielt die telegraphische Antwort: „Der König dankt dem Chief-Rabbi aufrichtig für die freundliche Kundgabe der Huldigung und Teilnahme." Die Mn in Rumänien. Bukarest, Januar 1901. Als im vergangenen Juni Herr Carp, der als Judensreund galt, Ministerpräsident wurde, versandte der Minister * des Innern Herr Olanesco einen Runderlaß an die Prä-

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