Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 4 (25.1.1901)
- Date
- 1901-01-25
- Page
- Seite 64 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5369809-9607691-9605241-9605242--8039-9605268- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
V; Seite 64. Israelitische Wochenschrift. v. \ / '«TV und fand bald heraus, daß der Zug erst in 1 Vs Stunden abführe. Darum ließ sie den Gatten ein kurzes Brieschen an Herrn Delvin schreiben, hängte ein dunkles Cape um, setzte einen einfachen Strohhut auf und begab sich — wir dürfen es verraten — mit pochendem Herzen zu dem stellvertretenden Herrn. Dieser saß noch beim Morgenkaffee, lehnte sich behaglich in seinem Lehnstuhl zurück und schaute den blauen Wölkchen seiner Havanna nach. Herr Delvin (alia5 Levin) war natürlich deutscher Abstammung und hatte sich von einem pfenniglosen Clerk zu einem der reichsten und angesehensten Kaufleute der Stadt emporgearbeitet. Sein jüdisches Wissen hatte er im elterlichen Haus einer kleinen Stadt Posens erworben. „O, Herr Delvin", ries Grace aus, als sie in das Zimmer des Magnaten trat, „ich muß noch einmal Ihre Gefälligkeit n Anspruch nehmen!^Mein armer Mann . . ." „Was, wieder krank?" knurrte er. „Nein, dieses Mal nicht, aber eine Tante" . . . „Sooo . . . also eine Tante . . .?! Das klang nicht gerade ermutigend für die arme Grace, aber sie war eines Reverends Frau und hatte sich die schwere Kunst angeeignet, zu lächeln, wenn auch ihr Herz schmerzhaft zuckte. Sie erzählte also aufrichtig den Sachverhalt, und da es sich um Geldangelegenheiten handelte, fand sie bei dem Herrn volles Verständnis. Seine mürrische Miene heiterte sich etwas aus. Dann fragte er: „Des Pudels Kern ist also: ich soll wieder einmal vertreten?" „Gewiß, Herr Delvin, und Sie wollen nicht?" lächelte Grace bittend. Herr Delvin dachte nach: „Könnte denn kein Anderer einspringen? Herr Lipman, hm, der spricht zu sehr durch die Nase — Herr Morrison mit seiner Fistelstimme — Herr Lipsky mit seinem russischen Accent — nun wohl, ich sehe, ich muß mal wieder einspringen!" Er unterbrach sein im halblauten Ton geführtes Selbstgespräch: Also Frau Sternsield, sagen Sie Ihrem Gatten, daß ich ihn vertreten will, aber nur unter der Bedingung, daß er sich das Geld nicht entgehen läßt". So reiste denn Sternsield mit leichtem Herzen ab und war wieder einmal überzeugt, daß die Welt noch nicht aller Güte und alles Mitleids bar sei. Grace aber unterzog sich der dornenvollen Aufgabe, die Vorsteher auszusuchen, um ihnen mitzuteilen, daß ihr Gatte in dringenden Familienangelegenheiten verreist sei, und daß Herr Delvin ihn vertreten würde. Diese Nachricht wurde mit bezeichnender Kälte entgegengenommen, aber die Gemeindegewaltigen konnten sich dem Einfluß weiblicher Anmut und Schönheit nicht entziehen. Obwohl sie sich das Gegenteil vorgenommen, als Sternsield seine Grace heimsührte, hatte sich die liebliche Frau in ihr Herz geschmeichelt, und um ihretwillen^hatten sie manchmal die natürliche Neigung, zu nörgeln und zu brummen, unterdrückt. Aber als um V2l0Uhr am Sabbatmorgen ein junger fremder Reverend, dessen Namen sie nicht einmal wußten, die Kanzel bestieg, wurde die Langmut der Gemeide und ihrer würdigen Vertreter auf eine härtere^Proben denn je gestellt. Aller Stirnen runzelten sich, jedes Auge heftete sich in unwilliger Frage auf den unbekannten Eindringling, und Mr. Levy, ein in bürgerlicher und pekuniärer Beziehung ausgezeichnete 1 Verlag Siegfried Cronbach, Berlin W. 57. Herr, flüsterte mit im ganzen Raum vernehmlicher seinem Nachbar zu, daß die Kanzel der Gemeinde Ewer»* doch kein Taubenschlag sei, und daß dafür Sorge getraZ werden müsse, um den unerträglichen Zuständen abzuhelfen. Was bedeutete das? Wo war Herr Delvin? Und wer war dieser Grünling mit dem Knabengesicht, dem rötlichen Haar und mit dem seidig schimmernden Talar. nicht in Amerika, wo es für Romantik und Geheimnv keinen Raum gab? Und so liebte man auch nichts° meldete unbekannte Fremde, die Gott weiß woher kamen, \ für Gesinnungen hegten und was für eine Vergangenheit^ hatten. Herr Levy hatte Recht — die Kanzel war keine » Tummelstätte für Laien und Knaben, da mußte gründlich Ab, , Hilfe geschaffen werden. 1’ l J t Der Prediger, dessen „Nam' und Art" der Gemein», fl ein Rätsel war, schien sehr erregt und nervös zu sein. Sein» Züge waren bleich, seine Stimme mußte durch öfteres Rä^r erst vernehmlich werden — sie klang demnach leise und er tern — seine Hände zitterten, als sie die Bibel öffneten,, er der Text der Predigt verlesen werde. Der Aermste -n sich des ungünstigen Eindrucks, den sein unerwarteten, scheinen aus die Gemeinde ausübte, wohl bewußt zu^r- Seine Lippen bebten, die Augen blickten starr, und'^^ gar der obenerwähnte Herr Levy mit Würde aussi"^ mit einem vernichtenden Blick aus den Unglücklichen^^x goge knarrenden Schrittes verließ, da schien er Fassung verlieren zu wollen; glühende Röte wechs^/un? Bläffe und fest umkrampften seine Hände das P (F°rtschur«>b. : __ . H, j!! /gkund Brief- und LragekastE M°-d. Herrn Dr. S. in B. Schönsten Dank für die | Jetzt aber könnte die Besprechung doch nur ein N/Neben^ / — Herrn E. D. in L. Die Auskunft verzögckchwejz/, / erhalten sie, sobald sie bei mir eingegangen / NAbe-en/ Dr. L. in A. Besten Dank für die ZusendurD«^^ von dem Original Kenntnis gehabt. Mir erscheirstsd^ € beweislose Behauptung des ungenannten BriesjE- @e*4,5' eine frivole Unverschämtheit, die dadurch n*$r^nn daß sie in diesem Fall nicht von antisörmtisch/tz )e,5,4| Schönsten Gruß! — Herrn Dr. K. in Nummer. Gruß. — Herrn Dr. R. in Th. üchefl, Herrn L. S. in M. Dank und Gruß. Meld/ an Be^bend^ 'deh.^ ei Ver-? Ja* Her^ rech^mlunxf napn DL! _ E a ffitzenM /V 4 4 iNzMaMnf htak V r; ^Nischen Motiv frei bearbeiUö^^ F. Saphra, Annaberg. iw^hlne an Nr.chdru/JyL rege. Ewen haeser zu P—hiUwurden , Hrem geistlichen Oberhaupt n^ch Redan dem. Die Mitglieder der ehre^ ji Thema noch lieb — lieber vielleicht^x^n Rest Druck: Arthur oollten, aber die ursprünglich 7 i } ' 7. ln Preislagen von Ulk. l,J? Allen Freunden eii>tNde Verantwortlich für r _t . i < r :r"