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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-12-22 · 51 (22.12.1899) · p. Seite 815

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
51 (22.12.1899)
Date
1899-12-22
Page
Seite 815 (sequence 24)
Language
German
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Israelitische Wochenschrift. Seite 815. Nr. 51. Lautlos verbeugten sich die beiden Mönche und verließen das Gemach. Kaum war die Thür ins Schloß gefallen, da raunte Ignatius: „Höre, Sixtus, der alte Narr hat doch noch schärfere Augen, als wir gedacht haben; es heißt doppelt vorsichtig sein, soll nicht unser ganzer Plan zu Schanden werden. Noch hat er nichts von unserem Anschlag auf die schöne Rachel erfahren . . ." „Still, Ignatius", flüsterte Sixtus und spähete mit scheuen Blicken umher, „hier haben die Wände Ohren. Komm laß uns in die Zelle treten, die der Prior uns angewiesen hat, und überlegen wir dort, was zu thun ist. . . . So, hier stört uns kein Lauscher . . . Nun vor Allem, was bringst Du für Nachrichten aus Prag; der Befehl des Priors rief uns sofort nach Deiner Rückkehr zu ihm und hinderte Dich, mir zu berichten. Du begreifst meine Spannung". „Ich bringe vorzügliche, ganz vorzügliche Nachrichten", zischelte Ignatius und rieb sich vergnügt die Hände. „Halb sitzt das Täubchen im Netz und bald soll es ganz drin sein. Höre zu! Du weißt, daß Einer unserer Spione, der Klosterdiener Eberhard, den Kutscher des Juden Israel in einem hiesigen Gasthose entdeckte und durch arglos schlaues Fragen zu der Mitteilung verleiten, daß er, der Kutscher, hierher gekommen sei, um zu erfahren, wie es um die Sache seines Dienstherrn stehe. Leider konnte Eberhard nur noch erkunden, daß sich Michel Israel und seine schöne Schwester in Prag bei Verwandten aufhalten, wo sie Unterkunft gefunden haben, wagte Eberhard, aus Furcht sich zu verraten, nicht zu fragen. Aber diese Mitteilung genügte mir vollkommen, und ich machte mich nach Prag auf. Es war nicht leicht, in die Stadt zu kommen! die Hussiten lagen davor, und wir Diener der katholischen Kirche erfreuen uns zu allerletzt der Gunst dieser Ketzerbanden; aber als Bauer verkleidet kam ich glücklich durchs Thor und fand im Benediktiner-Kloster freundliche Aufnahme. Den Prior, meinen Jugendfreund, zog ich in's Vertrauen und fragte ihn, ob vielleicht unter den Klosterinsassen jemand sei, der mit dem Judenquartier und seinen Bewohnern genau vertraut ist. Und nun Sixtus, höre, was für Glückskerle wir sind! Der Prior führt mir einen Burschen vor, Kilian heißt er, der bis vor wenigen Tagen bei dem Juden Jeiteles bedienstet und von diesem wegen einer Veruntreuung entlassen war, aber weil man ihn gegen die Juden gebrauchen kann, im Kloster Aufnahme gefunden hatte. Nun denke Dir mein freudiges Erstaunen, als mir dieser Kilian mitteilt, daß sich gerade in dem Hause des Juden Jeiteles das Mädchen befindet, das wir suchen. Ja, ja, Rachel, des reichen Israel reizende Nichte". „Unmöglich", triumphierte Sixtus; „das ist ja ein ganz herrlicher Zufall. Und ihr Bruder, der Michel Israel? Teilte Dir nicht der Stadtschreiber von Liegnitz mit, daß ev denselben ins Gefängnis werfen wolle, weil er als Jude kein Recht hat, sich in Liegnitz aufzuhalten?" „Ja, auch ich vermutete den Burschen hinter Schloß und Riegel", antwortete Ignatius, „und war nicht wenig erstaunt, als mir Kilian mitteilte, daß auch er beim Juden Jeiteles sich aufhalte. Aber Kilian, der sich vorzüglich auf's Horchen versteht und eine Unterhaltung zwischen Michel und Jeiteles erlauschte, gab mir zugleich die Aufklärung. Als der Büttel auf Anordnung des Stadtschreibers im Hause des Rabbis von Liegnitz, wo Michel Zuflucht gefunden hatte, erschien, um den Jüngling zu verhaften, war derselbe verschwunden; erst nach langem Untersuchen erfuhr Bitschen, daß des Herzogs Truchseß — ich glaube, es ist ein Ritter von Zedlitz — Michel auf's Schloß entboten hat, und hier auf herzoglichem Gebiete war die Macht des Stadtschreibers zu Ende. So entkam Michel, aber Ambrosius Bitschen ist entschlossen, nunmehr den Rabbi von Liegnitz, der dem fremden Juden Unterschlupf gewährt hat, zur Verantwortung zu ziehen. . . . Aber das interessiert uns jetzt weniger: zunächst heißt es, die schöne Rachel zu ergattern, und mit wenigen Worten gesagt, wir werden sie — entführen. Du scheinst erstaunt, wie wir das anfangen werden, nun, du sollst es später erfahren. Jetzt wollen wir zum Verhör schreiten; vielleicht hat die dreimonatliche Kerkerhaft das Judenpaar mürbe gemacht, und sie ziehen einen schnellen Tod den Qualen der Gefangenschaft vor. Aber, weißt Du, Sixtus, auch da Hab' ich mein Plänchen fertig! Herzog Albrecht arbeitet uns unbewußt in die Hände; es ist zunächst noch gut, sehr gut, daß er die Folter verboten hat. Wenn wir unserm Liebchen Rachel beweisen, daß das Schicksal ihres Oheims in unserer Hand liegt, daß wir ihm die Folter ersparen können, wird sie sicher unseren Wünschen gefügiger sein". Ein widerliches Grinsen verzerrte die Züge der beiden Mönche, die mit einem verständisinnigen, lauernden Blicke einander ansahen und dann die Zelle verließen, um zu den Gefangenen in den Kerker hinabzusteigen. Tief unter der Erde lag der fürchterliche Kerker, in dem das Jnquisitionstribunal seine Opfer auf das Schicksal vorbereitete, das ihrer wartete. Ewige Nacht umfing diese unglücklichen Opfer, denn dessen feuchte Mauern atmeten todtbringende Dünste und widerlichen Modergeruch aus, und die Bejammernswerten, welche teuflische Verfolgungswut hinabgestoßen in dieses weite Grab, wären dem Erstickungstode erbarmungslos verfallen gewesen, häte nicht eine schmale Oeffnung an der Decke einen spärlichen Lufthauch eindringen lassen, der kaum genügte, das ersterbende Leben zu erhalten, geschweige denn dem dahinsiechenden Leibe neues Leben zuzuführen. Wie Wenige mochten ihren Verfolgern diese Gnade danken! War nicht ein schneller, wenn auch gräßlicher Tod dem langsamen Sterben tausendfach vorzuziehen! (Fortsetzung folgt.) Brief- und Lragekasten. Herrn Dr. E. T. in H. Besten Dank. Bleibt für die nächste Nummer. Die Fortsetzung erbitte ich recht bald. — Herrn L. S. in M. Dank für die Einsendung. — Ungenannter in Arnswalde und Herrn I. B. in Fr. a. M., Grünstr. Sie haben ganz recht. Ich habe es zu spät gesehen. — Herrn Dr. R. in M. Es scheint, wir werden uns fortab durch den Briefkasten unterhalten. Schönsten Gruß und Dank für die Einsendung. — Herrn L. Sch. in M Besten Dank und Gruß. — Herrn L. W. in A. Sie haben Ihrem Verleger mehr versprochen, als ich zu halten gesonnen bin. Sie werden

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