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Israelitische Wochenschrift · 1899-12-01 · Wissenschaftliche Beilage Nr. 12 (12.1899) · p. Seite 96

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
1899 (1899)
Issue
Wissenschaftliche Beilage Nr. 12 (12.1899)
Date
1899-12-01
Page
Seite 96 (sequence 8)
Language
German
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- W - 4. (Kurz) bevor sich die Sonne verfinstert und das Licht, der Mond und die Sterne, und die Wolken wiederkehren nach dem Regen. 5. Am Tage, da erzittern die Wächter des Hauses und sich krümmen die Männer der Kraft, und die Mahlenden feiern, weil sie wenig werden und die Sehenden sich verdunkeln in den Luken. 6. Und da verschlossen werden die Thüren nach Außen, indem niedrig (geschwächt) der Mühle Geräusch erscheint und (die Stimme versagt, die sich nur) erhebt zum Laute des Vogels und tief gedämpft erklingen alle Töchter des Gesanges. 7. O, da fürchten sie sich (die Menschen) vor dem Hohen und Beängstigungen empfinden sie auf dem Wege, da läßt sie in Zorn geraten die Blüte der Mandel, (die sie nicht mehr riechen), da geht schwer der hüpfende Puls und zerstört ist der Lusttrieb, denn jetzt geht der Mensch zu dem Hause seiner Welt (Grab), während draußen die Trauernden ihn umringen. 8. (Gedenke des Schöpfers nur kurz) bevor da reißt die Fessel des Silbers und zertrümmert wird die Kugel des Goldes und zerbrochen wird der Krug an der Quelle und dahin rollet das Rad zur Grube. Erklärung: 1. Was ist das Gute hienieden? Das ist die Frage, mit welcher ich, Kohelet, schließe. Giebt es ein Gutes? Gewiß — an eine Seligkeit im Sinne Ben Davids glaube ich nicht, aber an eine Seligkeit, die mit dem Genüsse des Guten verbunden ist, glaube ich wohl. Welches aber ist dies Gute? Ob etwas gut an sich ist, welches Anderen vielleicht nicht gut erscheint, daran kehre ich mich nicht. Auch an eingebildetes Gutes denke ich nicht. Ich stehe auf dem Boden der Wirklichkeit und sage: Das Gute ist das, welches das Herz selber erwählt. Es ist das absolute Gute, weil es sonst nicht von jedem Herzen erwählt würde. Wie sollte Gott, der mir einen Willen gegeben, diesen Willen des Herzens auf das Böse richten, dermaßen, daß, wie ich etwas verlange, dies böse für mich sei? Nicht doch: ״Hatob hu harazon weharazon hu hatob!“ Das Gute ist der Wille und was das Herz erwählt, das ist das höchste Gute. Daß das Herz Böses an sich erwählen könnte, das ist undenkbar. ״Der Dieb, der stiehlt, hat keine Lust am Stehlen, wohl aber an dem Guten, das ihm daraus erwächst, sein Herz wählt das absolute Gute, auch wenn es den Anschein hat, als ob sein Verlangen böse wäre. Das Böse des Diebstahls war nicht sein Verlangen, es kam nur von selbst." Gut ist aber nur der Wille an sich und was der Wille erstrebt. Ein anderes Gutes als der Wille an sich, ist in der Welt nicht vorhanden und ebenso kein anderes Böses ״hatob wehara en Iahem meziuth kajem ela kfi hanireh beejnajim“. Gut und Böse ist kein absolut Seiendes und Bestehendes, sondern blos etwas Relatives, in den Augen des Einen ist es gut, in den des Andern böse. Was aber unbedingt gut ist, das ist das, was der Wille erwählt, auch wenn es vielleicht an sich nicht gut wäre. Letzteres wäre eine Anklage gegen Gott: Warum schuf er diesen Willen so, daß er das Böse erkiest? Also stelle ich mich auf den frommen Standpunkt und glaube ich an Bechirä, den freien Willen, so muß ich unbedingt glauben, daß das was ich frei erwähle, auch das einzig Gute sein müsse. ״Harazon hu hatob hatob hu harazon“. Was frei gewählt, ist gut und das Gute liegt nur am freien Willen!" Ich sehe, daß die Jugend die Zeit der Erwählungen ist, daher sage ich: ״Freue dich, Jüngling, in deiner Jugend, dein Herz allein veranlaßt das Gute ״wijtibcha libbecha“, aber nur in den Tagen, die du frei wählst, ״bijeme bechuthocha“ es heißt hier nicht ״baehruth“ Jugend, sondern ״bechuroth“ das ist: ״dabar hanibchar wehamruzze“, freue dich in den Tagen, da du etwas erwählst und frei verlangst! Was ist das? A8cher ״ji'thawe el hadebarim schel Ssimcha wethaanug“, du verlangst unbedingt in der Jugend Dinge, der Freude und der Lust ״otho hadabar hameammeach bisman hajalduth hu hatob beemeth lamma? scheken hanibchar beteba.“ Diese Sache, die in der Jugend erfreut, daß ist das wahrhaft Gute! Warum? Denn es ist das in der Natur jedes Menschen liegende Begehren." ״Wejetibcha jitten lach haleb tobioth hameuloth wetob haeljon, ״dein Herz allein vermag dir das auserlesene höchste Gut zu geben ״bijeme habechira“ in den Tagen, wo das Herz ein wollendes ist, das ist in der Jugend. ״Gehe die Wege deines Herzens das heißt: ״Kfi mah schelibcha chafcz rozeh wechomed, thelech achraw, ki hu hatob.“ Nachdem, was dein Herz begehrt und gelüstet, gehe, denn das ist das Gute. Nur im Scheine deiner Augen, ״achre reot panecba taluj hadabar“, nach dem was dein Auge sieht, folge, denn am Augenschein liegt es allein, was das Herz begehrt. Und wisse, daß Gott über alles dies dich ins Gericht führt, ״ki 10 ji8chalu lach al hadabar beazmo im tob im ra ela im assitha mah schlibcha chafez“, man wird dich nicht im Gottesgericht je fragen über das an sich Gute oder Böse, sondern nur darüber, ob ou gethan Haft, was dein Herz wollte." 2. Wehasser Kaass milibbcha“, halte fern jeden Gram von deinem Herzen (kaa33— hithazbuth, Bestürzung), folge nicht den Männern, die ihre Lusttriebe mühevoll und mit Bestürzung zurückdrängen, sich abtöten und in dieser Askese ihrem ״Fleische böses zufügen." Das ist Unnatur in den Tagen der Jugend, denn diese Tage eilen sonst ungenutzt dahin, und so wären ״Jalduth weschachruth 'hebel Elohim sam bechok hateba schehaleb jithaweh kfi hasman“. Jugend und Zeit der schwarzen Haare wären eitel, denn Gott hat in die Gesetze der Natur gelegt, daß in ihnen das Herz begehre. Ein gewaltsames Zurückdrängen und Unterdrücken dieses Willens bereitet Schmerzen und Gram dem Herzen, denn wenn selbst die Jugend keine Freude am Dasein empfinden sollte, ist auch diese eitel und nichtig, abgesehen von ihrer Flüchtigkeit. (Schluß im Hauptblatt Nr. 51.) SVrrmtm. M. A. fl r m? S י> זו r, Berlin W., Tcmenzienstr. lf>a. — Verl. Sie fl fr. Cronbach, Berlin XV. 57. — Druck: Arthur Scho lein, Berlin C\׳ Roßstr. 3.

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