Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 1899 (1899)
- Issue
- Wissenschaftliche Beilage Nr. 12 (12.1899)
- Date
- 1899-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Israelitische CUochcnscbriii. Wjlltnlchsktljche Lkilsge ^r. \2. Berlin, Dezember. 1899 Inhalt. Die Lösung des Kohelethrätsels durch den Philosophen Baruch Jbn Baruch im 16. Jahrhundert. Von Dr. D. Leimdörfer, Prediger zu Hamburg. (Fortsetzung.) Die pfnttg des Kohelethrätsels durch den Philosophen Baruch Jbn Barnch im 16. Jahrhundert. Von Dr. D. Leimdörfer, Prediger zu Hamburg. (Fortsetzung aus Nr. 60 der ״Israelitischen Wochenschrift.") Ben David Text: Schabthi weraoh thachath haschemesch ki 10 lakkalim hammeroz welo lag־giborim hamilchamah wegam lo lachachamim lechem wegam 10 lannebonim oscher wegam lo lajodim chen ki eth wafega jikreh eth kulam. Ki gam lo jeda haadam et ittho kadagim schennechasim bimzodah raah wechaziparim haachusoth bappach kahem jukaschim bene haadam leeth raah keschetthippol allehem pithom. Gam 80h rai'thi chochmah thachath haschamesch ugedolah hi ela). Ir ketannah waanaschim bah meat uba eleha melech gadol wessabab othah ubanah aleha mezodim gedolim. Umaza bah isch missken chacham umillat hu eth hair bechochmatho weadam 10 sachar eth ha'isch hammissken hahu. Weamarthi ani tob ah chochmah miggeburah wechochmath hammissken besu)ah udebaraw enam nischmai'm. Dibre hachamim berachath nischmai'm misaakath moschel bakkessilim. Tobah chochmah mikkle kerab wechote echad jeabed tobah harbeh. Sebube maweth jabisch jabia Schemen rokeach jakar mechochmah umikkabod sichluth meat. Leb chacham lijmino weleb kessil lissmolo. Wegam baderech keschessachal holech libbo chasser waamar lakkol sachal hu. Im mach hammoschel thaaleh alecha mekomecha al thannach ki marpe janniach chataim gedolim. Uebersetzung: 1. Ich kehrte zurück und sah unter der Sonne, daß nicht dem Leichtfüßigen der Lauf zu eigen und nicht dem Helden der Sieg und auch nicht dem Weisen Brod und dem Vernünftigen Reichtum und nicht dem Wissenden Gunst zuteil wird (wäre alles nur Gottes Wille, dann könnte dies nicht sein): denn Zeit, aber auch verderbliche Triebe begegnen Allen. 2. Nur daß der Mensch meist seine Zeit nicht kennt, er gleicht hierin Fischen, die in ein Netz eingefangen werden, und Vögeln, die durch eine Schlinge festgehalten werden. Gleich ihnen werden die Menschenkinder verstrickt zur Zeit des Bösen, wenn es sie plötzlich überfällt (aber sie konnten sich dessen wohl erwehren durch Vernunft und Freiheit. 3. Auch die folgende Weisheit habe ich gesehen unter der Sonne und groß gilt sie mir. (Dies Gleichnis paßt zu meiner Weisung). 4. Eine kleine Stadt und Männer darin wenig und es kam zu ihr ein großer König und umringte sie und baute um sie große Wälle. 5. Und es fand sich in ihr ein armer und weiser Mann, und der rettete die Stadt durch seine Weisheit und kein Mensch gedachte dieses armen Mannes. 6. Ich aber sprach: Besser Weisheit als Stärke, aber die Weisheit der Armen wird verachtet, und seine Worte werden nicht vernommen. 7. Die Worte des Weisen, in Ruhe gesprochen, sollten aber eher gehört werden als das Geschrei des Herrschers unter den Thoren. 8. Besser ist die Weisheit als Kriegsgeräte und ein Sünder vernichtet viel des Guten. 9. (Siehe, zu) Fliegen des Todes, die üblen Geruch geben, sagt er (der Sünder), es sei wohlriechendes Oel, ihm gilt teuerer als Weisheit und Ehre die Thorheit, die (für ihn) geringe. 10. Das Herz des Weisen führt ihn zur Rechten und das Herz des Thoren führt zur Linken. 11. Und auch auf dem Wege, wenn der Thor ihn fortsetzet, nimmt sein Herz ab und er spricht zu Allen daß er ein Thor ist (er rühmt sich seiner Thorheit). 12. (Ich aber sage): Wenn der Geist des (bösen) Be- Herrschers Dich überkommt, verlasse Deinen Ort nicht (Du hast einen Willen zu widerstehen), denn eine Unterlassung (dieser Lehre) wird große Sünden sortbestehen lassen. Erklärung: 1. Ben David widerstreitet, daß Alles an Gott allein und nicht auch zum Teil am Menschen selbst liegt. Denn wir sehen oft Menschen, die von Natur leichtfüßig sind, also machte ihn doch Gott leichtfüßig, wie kommt es, daß der Leichtfüßige keinen Lauf nimmt? ״Ki 10 lihjoth kal beteba jaruza. Wie kommt's, daß der von Natur leicht zum Laufe Veranlagte nicht läuft? Weil er nicht laufen will. Es liegt also am freien Willen des Menschen, ob er von dem ihm von Gott Gegegebenen einen Gebrauch machen will oder nicht. Ebenso müßte der ״Held" immer siegen, oft aber mißbraucht er seine Kräfte, und kommt zu Falle. Die Weisen und Ver-