Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 42 (20.10.1899)
- Date
- 1899-10-20
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zeitschrift für die Gesmüntereffen des Judentums. Nebst einer wissenschaftlichen Beilage. verantw. Redakt.: N. A. Klausner, Berlin W., Tanenzienstr. 19 a. Telephon: Amt IX, Ar. 6567. Verlag: Siegfried Cronbach, Berlin W. 57. Telephon: Amt VI, Ar. 796. Post-Zeitungsliste Ar. \22. Bezugspreis vierteljährlich: Deutschland u. Oefterreich-Nngarn 2,50MK.» alle anderen Länder 3.— Mk. Nr. 42. Berlin, 20. Sktober ^899. Jahrgang VIII. Erscheint an jedem Freitag, die wissenschaftliche Beilage monatlich einmal. Zu beziehen durch die Post, den Buchhandel oder unsere Expedition. Anzeigen für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 30 Pf. Bei Wiederholungen Preisermäßigung. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen entgegen. Für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitte ich an die Adresse: Berlin W., Tanenzienstr. 19a. M. A. Klausner. Diese Nummer enthält die fällige Wissenschaftliche Beilage. Inhalt. Artikel: Die Politik. (Jüdische Richter. — Die Blutlüge.) — Die Hoffnung, unser Erbteil. Bon Rabbiner Dr. Selig - kowitz-Eöthen. — Sanitätsrath Dr. S. Neumann. Zum 22. Oktober. Von M. A. Klausner. — Literarisches: Soziale Streitfragen. Von Adolf Damaschke. — Verhängnisvolle Schriftzeichen. Von Dr. Leimdörfer-Hamburg. — Wochenchronik: Wochenkalender. — Berlin: Aus der Gemeinde. — Beisetzung des Vorstehers Herrn Jsaae. — Sitzung der Repräsentanten. — Berufung des Dr. Adler. — Genesungsheim. — Pensionskasfe des Lehrerverbandes. — Wissenschaftlicher Verein jüdischer Schulmänner.—Magdeburg: Literaturverein.—Frankfurt a. M.: Verein Montefiore. — London: Edelmütige Stiftung. — Paris: Neue Oper. — Assiniboia in Canada. Aus Gemeinde und Staat. — Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. — Vakanzen. — Feuilleton: Kettenglieder. Erzählung von Elise Orzeszko. Deutsch von S. Horowitz. — Brief- und Fragekasten. — Inserate. Die Politik. (Jüdische Richter.) Die „Frankfurter Zeitung" hatte vor einiger Zeit dem hessischen Justizministerium den Vorwurf der Verfassungsverletzung gemacht, da es Juden wegen ihrer Religion nicht zu Richterstellen zulasse. In dem deswegen angestrengten Prozeß führte der hessische Justizminister als Zeuge aus: „Die Regierung habe nie den Beschluß gefaßt, keine Juden als Richter anzustellen. Seit dem 1. Juli vorigen Jahres sei kein jüdischer Assessor der Anciennität nach zum Richter in Frage gekommen. Minister Finger habe im Jahre 1894 in der Kammer erklärt, es sei nicht wahr, daß die Regierung grundsätzlich keinen Juden anstelle; doch sei die Anstellung jüdischer Assessoren als Amtsrichter aus dem Lande unter den bestehenden Verhältnissen nicht ohne Bedenken. Auf diesem Standpunkte stehe auch er. 1897 sei nach der Anciennität die Anstellung eines jüdischen Gerichtsassessors als Amtsrichter in Frage gekommen^ Es habe sich nicht empfohlen, weil dieselben Bedenken, wie die 1894 geäußerten, Vorgelegen hätten. Die juristische und persönliche Qualität des Assessors habe zu Bedenken keinen Anlaß gegeben. Dennoch sei der in Frage stehende Amtssitz für den jüdischen Assessor unmöglich gewesen. Der dortige Bürgermeister stehe mit an der Spitze der Resormbewegung in Deutschland. Außerdem habe der Ort Garnison. In einer solchen Umgebung sei ein Richter jüdischer Religion nicht möglich, ohne daß er und sein Amt Schaden litten. Der Vorwurf, er sei Antisemit, treffe ihn nicht. Er sei keiner. Ebenso wenig wie Finger halte er grundsätzlich einen jüdischen Richter für ausgeschlossen. Wenn jemand nicht angestellt werde, weil er jüdisch sei, dann liege auch nach seiner, des Ministers, Auffassung eine Verfassungs- Verletzung vor. Wenn aber jemand nicht angestellt werde, weil er aus irgend welchen Gründen ungeeignet für das Amt erscheine, so sei dagegen nichts einzuwenden, wie unangenehm es auch für den Betroffenen sein möge. Warum beklage man sich denn nicht darüber, daß es keine jüdischen Kreisräte rc. gebe? Seit 1848 schon sollten grundsätzlich konfessionelle Unterschiede keinen Einfluß auf die staatsbürgerlichen Rechte üben, und dennoch sei in dieser ganzen Zeit kein jüdischer Richter ernannt". Als der Verteidiger, Rechtsanwalt Muser, dem Minister vorhielt, die Aeußerung gethan zu haben, andere Länder könnten Hessen um sein judenfreies Rtchtertum beneiden, erwiderte Justizminifter Dittmar: „Er habe sich einmal außeramtlich über die Thatsache unterhalten, daß in anderen Staaten jüdische Richter angestellt würden. Dabei habe er geäußert, andere Staaten beneideten Hessen um seinen judensreien Richterstand. Die Vorurteile gegen das Judentum seien weit über die eigentlichen antisemitischen Kreise hinaus verbreitet. Ec teile