Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 40 (6.10.1899)
- Date
- 1899-10-06
- Page
- Seite 639 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Israelitische Wochenschrift. Seite 639. fen! Wahrlich, man könnte versucht werden, Sie rsucht zu zeihen, denn diese niedliche Hexe hat uns Hubert. Sie können aber ganz ruhig sein, denn aus ^zen Geschichte wird kein Ernst werden. Sie haben solch einer strengen Miene perorirt, daß ich ganz ft Ihre langatmige Moralpredigt anhörte, als handelte j um irgend eine Komtesse. Es ist doch nicht das erste ßfirt) nicht das letzte Mädchen, mit dem ich liebäugle, und oird es da gleich einfallen, an den Priester zu denken! fesem verdammten Nest ist die Laura das schönste weibliche In, wir wohnen unter einem Dach, und wahrlich, ich müßte Irößte Einfaltspinsel sein, um von dieser günstigen Gelegen- ^keinen Nutzen zu ziehen. Daß sie mir auf halbem Wege ^egenkommt, kann mir nur recht sein, und wegen der Folgen ich mir doch keine grauen Haare wachsen zu lassen. Im Origen sehe ich nicht ein, wieso der Ruf der Jüdin darunter >,en könnte. Daß ich, v. Lapowski, auf sie ein Auge Irf, kann sie bei ihren jüdischen Bewerbern nur im Werte ^gen lassen, und sie wird schon einen „Kavalier" belimen, der sie in der Synagoge unter den Baldachin führt, fch halte sie für zu gescheit, als daß sie der ganzen Sache hend eine ernste Seite abgewinnen sollte; sie ist jung, in ren Adern rollt kein Fischblut, und sie will sich len unterhalten. Die Tugendhafte zu spielen, wird dann seit sein, wenn ihre herrlichen Haarflechten unter der Schere «fallen sein werden, und ihre Eltern, die doch nicht mit lindheit geschlagen sind, werden schon dafür Sorge tragen, daß sie einen rechtgläubigen Juden zum Gatten kriegt. Und nun, strenger Puritaner und Sittenrichter, stoßen wir noch seinmal unsere Gläser an. Mitternacht ist nahe, und es ist Zeit, unsere Zimmer aufzusuchen. Also, so lange mir die schöne Jüdin ihre Gunst schenkt, soll sie leben!" .Er leerte das Glas auf einen Zug, der Aeltere nippte kaum und starrte verdrießlich vor sich hin. Ec wollte noch etwas sprechen, v. Lapowski aber ließ ihn nicht zu Worte kommen, und sie trennten sich im Korridor durch einen stummen Händedruck. Auf der Stadtuhr schlug es zwölf, melancholisch vibrierten die Schläge in der nassen Luft, der Regen hatte noch nicht aufgehört, und Laura wurde von himmlischen Träumen umgaukelt. Ein Name kam über ihre halbgeschlossenen Lippen, und ihr Gesicht wurde von einem seligen Lächeln erhellt. Der Gegenstand ihrer Träume warf sich, von genossenem Bier halb berauscht, aus sein Lager, ein cynisches Lächeln zuckte um seinen Mund, und das alte Gemäuer versank ganz in Stille und Dunkelheit. III. Laura war von Natur nicht schlecht veranlagt und hatte ein weiches empfängliches Gemüt. Sie ließ die Außenwelt auf sich einwirken, sah, wie ihre Eltern, ihr Bruder von den Andersgläubigen geringschätzig behandelt wurden, und das schmerzte sie. Nicht grübelnd, nahm sie die Dinge so, wie sie aussahen, und forschte nicht nach ihrer Entstehungsgeschichte, nach den Ursachen, die solche Folgen bedingten; denn sonst müßte Le zur Schlußfolgerung gelangt sein, daß nicht ihre Eltern, scht ihre Glaubensgenossen daran schuld seien, wenn sie in manchen Dingen noch zurück waren, sondern die Verhältnisse oder richtiger gesagt Jene, deren Manieren, deren gesellfchaftlicher Umgang sie entzückte. Da sie aber nur nach den Aeußerlichkeiten urteilte, so nahm sie die Geringschätzung, mit der den Ihrigen begegnet wurde, als eine verdiente an, und sie war ihnen innerlich deshalb gram. In ihrem Städtchen beschäftigten sich die Juden nur mit dem Kleinhandel, als unbedeutende Händler konnten sie auch in der Gesellschaft, im Gemeinwesen, kein wichtiges, achtunggebietendes Element abgeben und sie wähnte in ihrer pfahlbürgerlichen Weltunkenntnis, es sei überall so. Sie hatte keine Ahnung, daß sie Ursache habe, stolz auf ihre Herkunft zu sein, daß ihr Stamm in jeder Beziehung den anderen ebenbürtig sei, daß die Söhne ihres Volkes zu allen Zeiten nnd auf allen Gebieten sich auszeichnettn und auszeichnen. Und da sie in ihrer Unerfahrenheit so urteilte, konnte ihr das Judentum, wie es in ihrem beschränkten Horizont zeigte, keinen Respekt einflößen, in ihrem Herzen keine tiefe Wurzel fassen. Deshalb schmeichelte es ihrer Eitelkeit, wenn man sagte, sie schaue gar nicht jüdisch aus, ihre Erscheinung habe etwas feines, christliches an sich, und sie sehe einer Tochter Moses Scharssteins gar nicht ähnlich. Das war für sie betäubender Weihrauch; sie betrachtete sich als etwas Besseres denn ihre Umgebung. Ihre Koketterie heischte Tribut für ihre Schönheit; darauf aber verstanden sich die einheimischen jungen Leute ihres Volkes blutwenig. Wenn das Fräulein einem dieser jungen Männer begegnete, wurde er verlegen, senkte gar den Blick wie schämig, daß Laura ihm verächtlich den Rücken kehrte. _ (Schluß folgt.) Brief- und Lragekasten. Herrn G. in K. Soll geschehen. — Herrn Dr. E. in E. War sehr willkommen. — Herrn Dr. L. in F. Besten Dank. Carolahygienisch zuträgliches Getränk HCT" Sparsamkeit unübertroffen! "MW Verkauf stellen durch Plakate kenntlich. ►Tünte m ^Gekonnte Kaffees ln Preislagen von Mk. 1,20, 1,40, 1,50, 1,60, 1.70, 1,80, 1,90, 2,00 per V2 Ko. Allen Fremden eines guten Getränkes als vorzügliche Marke empfohlen. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. A. Klausner, für den Inseratenteil: Erik Pfeffer tn Berlin.