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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-08-11 · 32 (11.8.1899) · p. Seite 512

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
32 (11.8.1899)
Date
1899-08-11
Page
Seite 512 (sequence 25)
Language
German
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Israelitische Wochenschrift. Nr. 32. v Seite 512. Irgendwo im Wolkenkukuksheim, oder im Schlaraffenlands, oder aus der Insel Nebelgrau giebt es einen Kaufmann, der einen sehr großen Laden hat. Nun werden meine sehr geehrten Leser ausrusen, (und wer weiß^ ob nachstehende Observation ihnen nicht schon früher entschlüpft sei) ist dieser Schriftsteller ein verrückter dummer Kerl, schleppt uns nach ganz wildfremden jeglichem Post- und Bahnverkehr verschlossenen Gegenden und das alles einzig, um uns einen simplen Krämer zu zeigen. Ja, wenn er noch von Gerson oder au bonheur des dames — ä Paris sprechen wollte. Ei, meine Verehrungswürdigen, diesmal sind Sie die Angeführten. Glauben Sie etwa, daß ein zweiter solcher Krämer wie derjenige, von welchem ich Sie jetzt unterhalten will, in Berlin existiere? Nicht mal in Paris. Auch nicht in Bomst, Meseritz oder sonst wo in den hepta poleis — dieser Kaufmann, dessen ausgezeichnetes Verdienst, nicht Verdienste, Ihnen sofort Ihre abfällige Meinung über ihn benehmen werden, führt ebenso seltene, als vorzügliche Artikel. Er hat nämlich Glück zu verkaufen. Nicht wahr? fitzt möchten Sie alle auf der Stelle das Lokal dieses unvergleichlichen Kaufmanns stürmen. Hm! es frägt sich sehr, ob bei dem kolossalen Andrange in seinem Bazar der vielbeschäftigte Mann just für Sie zu sprechen sein wird. Aber seien Sie ruhig, einmal in seinem Leben darf auch der allergewöhnlichste Mensch seinen Laden betreten, Sonntagskinder zweimal, ganz große Dummköpfe sogar noch öfter. Da liegen die merkwürdigsten Dinge ausgehäust: Gold, Silber, Edelstein, Schmuck, glänzende Narrethei, Sammt, Brokat, kostbare Seide, je schwerer sie ist, je leichter sie bricht, duftige Schleier und tausendfach flimmernder, schillernder Tüll und Tarlatan, wertvolle Spezereien, und wiederum altmodischer Hausrat, festes derbes Linnen, Waffen und Gewehre und hunderttausende von Geräten, Werkzeugen und endloser Kram, den ich garnicht auszuzählen im Staude wäre, geschweige zu beschreiben vermag. Das ist der große Bazar Fortunas. Gewöhnlich sind seine Kunden junges, unerfahrenes Volk, daher Vielen ein guter Engel zur Seite steht, der ihnen rät: Nimm dieses, das ist echt, und Jenes laß liegen. Mitunter bleibt der gute Engel auch aus und ist just für den, der seiner am dringendsten bedarf, grad fitzt nicht zu finden: der kleine Flügeljunge hat sich vielleicht irgendwo im großen Himmelreiche verflogen oder versäumt die Zeit bei den niedlichen Engelmädchen und schneidet denen die Kour; dann tappt der arme verlassene Mensch ratlos nach etwas ganz Unrechtem und muß sich nun mit ernenn falschen Glück sein Leben lang quälen. Mancher Bruder Eigensinn sagt wohl auch zu seinem Warner: „Geh nur beifeit, ich brauch Dich nicht", und greift nach einem gleißenden Tand, der ihm just in die Augen gestochen, da steht nun der gute Engel wehklagend daneben und macht ein Gesicht wie ein Bettler, dem neunundneunzig Pfennig von der Mark ins Wasser gefallen .... Die Doktoren der Medizin u. s. w. haben gar keine guten Engel. Wozu auch ... sie glauben ja doch nicht daran. Und was Doktor Goldmann anbelangt, die Wahl, die er in dem großen Glücksbazar getroffen, nun sie war euch danach. Das erste beste Stück Flitterzeug, das ihm in die Hände gefallen, hatte er behalten. Welch Wunder, daß dieses Glück bald an allen Ecken und Enden zu brechen und zu reißen begann. Gewiß, Max liebte sein Weib innig und aufrichtig, er hatte die Ehe mit ihr sich ertrotzt, der arme Narr ... er ahnte nicht, daß er diesem (^zwingen seines Willens einen, wenn nicht den Haupttrieb seiner Leidenschaft zugestehen mußte. Es schien ihm bereits ein wenig eintönig, das legitime Glück. Marie besaß ganz vortreffliche Eigenschaften, sie war hübsch, wußte ihrem Mann viel Zärtlichkeiten zu bezeigen und legte für ihre neue Hausfrauenwürde einen ungemeinen Eifer an den Tag. Anfangs amüsierte ihn die Wichtigkeit, welche sie auch den allerkleinsten Vorkommnissen des Haushaltes beimaß und der bedeutsame Ernst, mit dem sie dergleichen Keller- und Küchenangelegenheiten zu besprechen pflegte, aber ihre steten Wiederholungen ermüdeten ihn, so daß ihm einmal die aufs höchste gesteigerte Ungeduld den Ausruf entriß: „Höre endlich aus, wieder und immer wieder von diesen Alltäglichkeiten zu reden — man sollte meinen, ich habe eine Köchin oder Waschfrau geheiratet". Sie hatte ihn darob verwundert angesehen und offenbar gar nicht begriffen, womit sie den Unmut ihres Mannes erregt haben mochte. Dieser Max! Steif und fest hätte sie darauf geschworen, ihn gründlich auszukennen, jetzt sah sie mit Erstaunen, er verfüge reichlich über einen Teil Mucken und Grillen wie andere Bösewichter auch. Was verlangte er denn von ihr? Wenn ihn die Wirtschastssorgen nicht interessierten, so konnten sie sich ja von andern Dingen unterhalten. Aber selbst für ihre Nachgiebigkeit wußte Max ihr wenig Dank, leider war sie auf die unglückselige Idee verfallen, eine Kritik ihrer engeren und weiteren Nachbaren und deren Thun und Treiben zum Gesprächstoff zu erheben, Fraubasereien und Klatsch, womit sie Max in gelinde Verzweiflung jagte. (Fortsetzung folgt.) Carola-Cafe. fiygienisch zuträgliches Getränk. KKSS Sparsamkeit unübertroffen. untz bebrannte Koffccs In Preislagen von Mk. 1,20, 1,40, 1,50, 1,60, 1,70, 1,80, 1,90, 2,00 per Va Ko Allen Freunden eines guten Getränkes als vorzügliche Marke empfohlen. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. A. Klausner, für den Inseratenteil: Erik Pfeffer m Berlin. Verlag Siegfried Cronbach, Berlin W. 57. — Druck: Arthur Scholem, Berlin 0., Roßstr. 3.

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