Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-08-11 · 32 (11.8.1899) · p. Seite 500

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
32 (11.8.1899)
Date
1899-08-11
Page
Seite 500 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9605007-9605028--7441-9605032
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 500. Israelitische Wochenschrift. Nr. 32. Student nicht auf, in jenen wegen seiner „angestammten chronischen Heiserkeit", in diesen wegen seiner „Abneigung gegen körperliche Uebungen, die vielfach in physischen Mängeln wurzelt". Dann fährt der Artikel wörtlich fort: „Groß ist der Jude nur in einzelnen „wissenschaftlichen" Vereinen". Ausgezeichnet! ganz ausgezeichnet! Mögen die jüdischen Studierenden diese unbeabsichtigte Anerkennung allezeit verdienen. Die Zugehörigkeit zu jüdischen Verbindungen braucht ihnen darin nicht hinderlich zu sein. So burschenhaft fröhlich es dort zugeht — an wissenschaftlichem Eifer und arbeitsamem Ernst fehlt es den sarbentragenden jüdischen Studenten nicht. * * * (Der Prozeß Dreysus.) Am vergangenen Montag hat vor dem Kriegsgericht in Rennes der Prozeß wider den Hauptmann Dreyfus neu begonnen. Ob die Verhandlungen neues Licht über die traurige Angelegenheit bringen werden, steht dahin. Einstweilen ist in ihr nichts hell, als die Unschuld des Angeklagten, alles übrige ist in Dunkel gehüllt. * * (Antisemitischer Parteitag.) Vom 9. bis 12. September will die deutsch-soziale Resormpartei in Hamburg Parteitag abhalten. Vermutlich wird auch Gras Pückler- Kleintschirne sich beteiligen, der vorigen Samstag in Berlin einem Antisemitenkommers beiwohnte. Seine Anwesenheit würde dem Parteitag und der Partei das ihnen zukommende intellektuelle Gepräge aufdrücken. * * * (Aus Transvaal.) Der Volksraad in Johannesburg hat den Antrag des Präsidenten Krüger auf Beseitigung der mit dem Glaubensbekenntnis zusammenhängenden Beschränkungen der politischen Rechtsfähigkeit abgelehnt. Wir haben das nicht anders erwartet. Warum sollten auch die Buren in Transvaal weniger rückständig sein, als etwa preußische Konservative! Erst die Engländer werden Aufklärung in die zum Teil wunderlichen Staatengebilde Südafrikas tragen. Den Antrag des Präsidenten Krüger, der dankenswert bleibt, wenn er ernst gemeint war, hat in uns nie große Hoffnungen erweckt. Wir wußten, daß ohne starken Druck der Volksraad nicht von konfessioneller Engherzigkeit ablaffen würde. Bis aus weiteres sind Katholiken und Juden in Transvaal von den bürgerlichen Vollrechten ausgeschlossen. Sie werden es länger aushalten, als die Burenrepublik. * * * (Der Sultan und der Zionismus.) Dem „Pester Lloyd" wird aus Konstantinopel berichtet: „Schon seit längerer Zeit werden von der Wiener Leitung der zionistischen Bewegung Schritte unternommen, um die Zustimmung des Sultans zur Ansiedlung von Anhängern des Zionismus in Palästina zu erwirken. Man wandte sich zu diesem Behufs an einen türkischen Staatsmann, der Einfluß im Palais besitzt und den Plänen der Zionisten entgegenzukommen bereit ist. Die Stadt Jerusalem selbst und ihre Umgebung sollen mit Rücksicht auf die heiligen Stätten der Christenheit von der Besiedlung durch Zionisten ausgeschlossen sein. Man denkt vielmehr an die übrigen Teile Palästinas J - und Syriens. Dem Sultan sind bereits drei Berichte in dieser Angelegenheit unterbreitet worden, worin die volkswirtschaftlichen und politischen Vorteile auseinandergesetzt werden, die der Türkei aus der Verwirklichung der Absichten der Zionisten erwachsen würden. In der Umgebung des Sultans hat sich jedoch eine starke Gegenströmung geltend gemacht; man wies daraus hin, daß die Israeliten in Erinnerung an ihr altes Königreich Juda im Lause der Zeit an dessen Wiedererrichtung denken können, und daß es demnach klüger sei, ihre Musseneinwanderung von vornherein nicht zu gestatten. Die Gegengründe, die angeführt wurden, blieben , ohne Wirkung. Die dem Sultan zu Gunsten der Zionisten unterbreiteten Berichte sind vielmehr unbeantwortet geblieben, so daß vorläufig wenigstens die Aktion ergebnislos verlausen ist." Ein anderer Ausgang war nicht zu erwarten, nachdem man ein großes Werk mit unzureichenden Mitteln in Angriff genommen und durch geschwätzige Wichtigthuerei sich selbst den Weg verlegt hat. Eine Fälschung. In der „Kreuzzeitung" vom 2. August, Abendausgabe, lesen wir: „Vor einiger Zeit warf das „Jüdische Volksblatt" in Wien die Frage aus, ob es rationell sei, wenn^die Juden sich bedingungslos der Sozialdemokratie anschließen. Diese Frage wurde zwar schließlich von dem „Jüdischen Volksblatt" verneint, indessen nicht aus^Gründen der Ordnung und des Gesamtwohles, sondern lediglich vom Standpunkte jüdischer Jnteressenpolitik aus". Es folgt ein Zitat aus dem Artikel des jüdischen Blattes, den wir nicht zu vertreten haben, auch nicht vertreten wollen, sodann eine abkürzende Inhaltsangabe, und endlich, wiederum als genaues'und durch Anführungszeichen abgegrenztes Zitat aus dem „Jüdischen^Volksblatt", nachstehender Satz, den wir nach dem Vorbild der „Kreuzzeitung" durch teilweisen Sperrdruck hervorheben: „Fördern wir die Sozialdemokratie, wo es nur angeht, aber seien wir hierbei vorsichtig, damit die breiten Massen es nicht merken, daß die Sozialdemokratie nur eine Judenschutztruppe ist, und damit für die Gegner kein Anlaß vorhanden sei, die betreffende Partei als Judenknechte, und wie dergleichen liebenswürdige Ausdrücke noch lauten, zu bezeichnen." Als wir diesen Satz lasen, waren wir überzeugt, daß selbst der dümmste Jude ihn nicht geschrieben haben könne, daß wir ein tendenziöses Fabrikat vor uns hätten, ähnlich denen, die vor Jahrzehnten die damalige Säule der „Kreuzzeitung", der Musterzeuge Gödsche, in seinen unsittlichen Romanen nach der gleichen Richtung zu verbreiten liebte. Um uns zu vergewissern, suchten wir in dem „Jüdischen Volksblatt" und fanden den Artikel, in dem der oben angeführte Satz enthalten sein sollte, in der Nummer 13 vom 12. Mai dieses Jahres. Dort stehen die ersten acht Worte des „Kreuzzeitungs" - Zitats, doch von dem Uebrigen steht V

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.